Lebensdaten
erwähnt 1141, gestorben 1178
Sterbeort
Engelberg (Unterwalden)
Beruf/Funktion
Abt von Engelberg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100941702 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Frowin
  • Frowin, d'Engelberg
  • Frowin, of Engelberg
  • mehr

Quellen(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Frowin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100941702.html [23.04.2019].

CC0

  • Leben

    Als Mönch des Klosters Sankt Blasien im Schwarzwald (1141) ließ F. Chroniken abschreiben und veranlaßte die Anlage der Annalen des Klosters, ohne wohl selber deren Verfasser zu sein. 1147 kam er als Abt in das 1120 gegründete, aber im Verfall begriffene Benediktinerkloster Engelberg. Hier führte er die Klosterreform ein, begründete|eine Klosterschule und Bibliothek. Vor allem aber ist sein Name mit der Schreib- und Malschule verknüpft, die er von Sankt Blasien, mit dem er in Verbindung blieb, hierher verpflanzte und zu höchster Entfaltung brachte. Unter ihm wirkten zahlreiche Kalligraphen und mehrere Illustratoren, doch ist von ihm selbst kein Autograph bekannt. Es sind etwa 40 Codices seiner Zeit (zur Hauptsache in Engelberg) erhalten. F. war auch als theologisch-philosophischer Schriftsteller tätig (erhaltene Werke: „Explanatio dominice orationis que est Pater noster“ und „De laude liberi arbitrii libri septem“). Ihm ist wohl auch die Gründung eines Nonnenkonvents zuzuschreiben. Während seiner 30jährigen Tätigkeit erblühte Engelberg in ganz ungewöhnlichem Maße zu einer Stätte religiösen, geistigen und künstlerischen Lebens, das auch unter seinen Nachfolgern erhalten blieb. Aber auch für das materielle Gedeihen der Abtei setzte er sich tatkräftig ein; unter ihm erfolgte wohl die Ummauerung des Klosters, dessen Güter sich mehrten. F. wird als Seliger verehrt.

  • Literatur

    ADB VIII;
    R. Durrer, Die Kunstdenkmäler d. Kt. Unterwalden, 1899-1928, S. 188 ff.;
    F. Güterbock, Engelbergs Gründung u. erste Blüte 1120–1223, 1948 (L);
    A. Bruckner, Scriptoria Medii Aevi Helvetica VIII, Genf 1950;
    SKL (L).

  • Autor/in

    Paul Kläui
  • Empfohlene Zitierweise

    Kläui, Paul, "Frowin" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 666 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100941702.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Frowin: Abt von Engelberg, 1178. In der wilden Hochgebirgswelt am Nordfuß des Titlis war durch den aus dem Zürichgau stammenden Freiherrn Konrad von Seldenbüren 1120 das Kloster Engelberg als Ausgangsstelle der Kultur für das Hochthal begründet und mit Mönchen aus St. Blasien besetzt, also der Benedictinerregel unterworfen worden; doch schon nach dem Tode des ersten Abtes Adalhelm, 1131, war das Gotteshaus in Verfall gesunken. Erst unter F., welcher 1143 als Reformator aus St. Blasien kam, hob sich Engelberg alsbald zu einer Blüthe und wissenschaftlich-künstlerischen Bedeutung, wie sie später in ähnlicher Fülle hier nie wieder erreicht worden ist. Schon in St. Blasien hatte F. die Chroniken von Beda, Regino, Hermann, Bernold und Berthold in einen Band zusammenschreiben lassen und davor Annalen, aus jenen Werken und den Einsiedler Annalen ausgezogen und mit eigenen Notizen verbunden, gesetzt, welche dann von 1147 an in Engelberg fortgesetzt wurden (herausgegeben von Pertz in Mon. Germ., Script., Bd. XVII, S. 276—282, als Ann. s. Blasii et Engelbergenses). In Engelberg begründete F. die Bibliothek,|für welche er selbst als Schreiber und Maler mitarbeitete; er war als theologischer und philosophischer Schriftsteller thätig (vergl. Mabillon, Annales Ord. s. Bened., Tom. VI im Appendix, XXIX, die Uebersicht von Frowin's Libri septem de libero arbitrio, sowie über dessen Tractat Adversus quorumdam errores novitatum und den Prolog der Explanatio dominicae orationis, aus welcher Stellen mit interessanten Naturbetrachtungen in den Kathol. Schweiz.-Blätt. f. Wissensch. u. Kunst, 1. Jahrg. S. 55—65, verdeutscht sind); auch die Schule wurde durch ihn gepflegt und mit Büchern für ihren Bedarf ausgestattet, wie der von Frowin's eigener Hand geschriebene Katalog lehrt. Im Weiteren wurde für die Hebung des Klosters in äußerlichen Dingen gesorgt. F. umgab dasselbe mit Mauern, und in seine Zeit ist die Urbarmachung der schönen Alp Herrenrüti im Hintergrunde des Thales anzusetzen. Einer der unter F. litterarisch und praktisch besonders thätigen Mönche, Berchtold, führte als Frowin's Nachfolger dessen Bestrebungen fort.

    • Literatur

      Ueber F. vergl.: Dr. von Liebenau, Versuch einer urkundlichen Darstellung des reichsfreien Stiftes Engelberg, S. 25—40, sowie denselben in Kopp's Geschichtsblättern, Bd. I, S. 145—161. Den im 12. Jahrhundert auf dem Boden der schweizerischen Stiftungen ganz vereinzelt dastehenden Aufschwung künstlerischen Lebens, den neben einem völlig verkommenen Classicismus ein davon sehr abweichender frischer Realismus in den Miniaturen, besonders der dreibändigen Bibel Frowin's, charakterisirt, schildert Rahn, Geschichte der bildenden Künste in der Schweiz, S. 306—311.

  • Autor/in

    Meyer von Knonau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Meyer von Knonau, "Frowin" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 153-154 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100941702.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA