Lebensdaten
1856 bis 1922
Geburtsort
Karlsbrunn (Österreichisch-Schlesien)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Forstmann ; Professor der Forstwirtschaft in Wien
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 140120068 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Micklitz, Theodor
  • Micklitz, Th.

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Micklitz, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd140120068.html [24.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Julius (1821–85), Forstmann (s. ÖBL);
    M Klothilde Therese Johanna (* 1831), aus Oberlangendorf (Nordmähren), T d. Florian Hofmann u. d. Theresia Weiser (1805–57);
    Ov Robert (s. 1);
    Mariazell 1885 Klara (* 1862), T d. Lorenz Wieser u. d. Josefine Auer (* 1835);
    1 S, 1 T.

  • Leben

    M. schloß 1878 das Studium an der Hochschule für Bodenkultur in Wien ab und trat anschließend in den österr. Staatsforstdienst ein, wo er zunächst bei verschiedenen Forstverwaltungen eingesetzt wurde. 1881 erfolgte die Ernennung zum Forstassistenten, 1891 die Versetzung als k. k. Forstverwalter nach Weißenbach am Attersee. Seine Vertrautheit mit den forstlichen Verhältnissen der gesamten Monarchie und seine Kenntnisse fast aller Teilgebiete des Forstwesens verdankte M. seinen Tätigkeiten als – von Kaiser Franz Joseph persönlich ausgewählter – Hofjagdleiter (1894–98) und Direktor der Kaiserl. Privat- und Familienfondsgüter (1898–1912).

    1912 übernahm M. als o. Professor die Lehrkanzel für Forstbetriebseinrichtung und Forstverwaltungslehre an der Hochschule für Bodenkultur in Wien, die er bis zu seinem frühen Tod innehatte. Unterbrochen wurde die Lehr- und Forschungstätigkeit während des 1. Weltkriegs, wo M. als Forstreferent dem Generalgouvernement im besetzten poln. Gebiet in Lublin zugeteilt wurde. Er organisierte die Harzgewinnung und die Holzversorgung von Armee, Bergwerken und Eisenbahn, legte Waldstraßen an und errichtete Sägewerke. 1917 kehrte M. an die Hochschule zurück (Rektor 1917/18).

    M. war als forstlicher Praktiker und als Gelehrter gleichermaßen bedeutend. Die Aufgabe der Wissenschaft sah er darin, Probleme der Praxis aufzugreifen, sie zu lösen und gewonnene Erkenntnisse an die Praxis weiterzuvermitteln. So warb er aus der wissenschaftlichen Erkenntnis der Vorteile von Mischbeständen gegenüber Reinbeständen für „Bestandesumwandlungen im Wienerwald“ (1910) und gab praktische Hinweise für waldästhetische Maßnahmen (1918). Beim Methodenstreit in der Forststatik und bei den theoretischen Auseinandersetzungen über die Boden- bzw. Waldreinertragslehre waren die Veröffentlichungen von M. u. a. über die Bestimmung der finanziellen Hiebsreife von Beständen (1919), über den Buchwert forstlicher Liegenschaften (1920) und über die Zinsfußfrage (1915) von großem Wert. Mit Schärfe wandte sich M. gegen die nach dem 1. Weltkrieg im Zuge einer Neuorientierung der österr. Forstwirtschaft beantragte „Entmündigung“ der Privatforstwirtschaft durch staatliche Kontrolle und den Zwang zur Bildung von Genossenschaften beim Kleinprivatwald. Bei aller Vielseitigkeit|von M., die in seinen zahlreichen Veröffentlichungen zum Ausdruck kommt, lag sein besonderes Interesse bei der Forsteinrichtung und dem Waldbau. In einer 1916 erschienen Veröffentlichung untersuchte und verglich er die modernen Forsteinrichtungsverfahren. In einer Kombination von Bestandeswirtschaft und Altersklassenmethode sah er das geeignetste Verfahren, um bei Gewährleistung der besten betrieblichen Ordnung waldbauliche und finanzielle Forderungen zu erfüllen. Er entwickelte eine verfeinerte Altersklassenmethode auf der Grundlage ertragsgleicher Flächen. M. war Anhänger der Ideen Karl Gayers. Er setzte sich für die Naturverjüngung ein und hat dabei auch eine Instruktion für die Verjüngung unter Schirmstand ausgearbeitet. Als begeisterter Lehrer und Wissensvermittler übte M. eine nachhaltige Wirkung auf seine Schüler aus. Heske bezeichnet ihn als einen „der hervorragendsten und bekanntesten Forstwirte des alten Österreich“. M. war langjähriges Direktorialmitglied des Österr. Reichsforstvereins und Mitglied der Holzwirtschaftsstelle.|

  • Auszeichnungen

    Komturkreuz d. Franz-Joseph-Ordens mit d. Kriegsdekoration (1916), Orden d. Eisernen Krone III. Kl., Goldenes Verdienstkreuz mit d. Krone, japan. Orden d. Hl. Schatzes.

  • Werke

    u. a. Die Holzverkohlung im geschlossenen u. im freien Raume, in: Gesch. d. österr. Land- u. Forstwirtsch. u. ihrer Industrien 1848–98, IV, 1899;
    Hilfstafeln z. Einkassierung d. Fichtenstammholzes am Stehenden, 1915 (mit H. Schmidt);
    Bestandeswirtschaft u. Altersklassenmethode, 1916;
    Die Entwicklung d. Forstbetriebseinrichtung, in: Land- u. Forstwirtsch. Unterrichtsztg. (Wien) 32, 1918, S. 1-11;
    Ist d. Ausscheidung e. Plenterbetriebsklasse im oberen Waldgürtel d. Hochgebirge gerechtfertigt?, in: Centralbl. f. d. gesamte Forstwesen 40, 1914, S. 28-38;
    Mitt. üb. d. Forste im österr.-ungar. Militärverwaltungsgebiete Polen, ebd. 43, 1917, S. 132-46;
    Vorschläge z. Neugestaltung d. Forstwirtsch. u. z. Reform d. Staatsforstverw. in Deutschösterreich (Rez.), ebd. 46, 1920, S. 60-62.

  • Literatur

    F. Heske in: Centralbl f. d. gesamte Forstwesen 48, 1922, S. 53-59;
    J. Güde, Die Ertragsermittlung u. Bilanzierung nach d. Gleichflächenmethode, ebd. 57, 1931, S. 153-77;
    100 J. Hochschule f. Bodenkultur in Wien 1872-1972, I, 1972, bes. S. 272;
    ÖBL;
    Biographisches Lexikon Böhmen.

  • Autor/in

    Dorothea Hauff
  • Empfohlene Zitierweise

    Hauff, Dorothea, "Micklitz, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 458 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd140120068.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA