Lebensdaten
erwähnt 1284, gestorben 1290
Geburtsort
Isny (Allgäu)
Sterbeort
Erfurt
Beruf/Funktion
Erzbischof von Salzburg
Konfession
-
Normdaten
GND: 139484752 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rudolf von Hoheneck
  • Rudolf I.
  • Rudolf von Hoheneck
  • mehr

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Zitierweise

Rudolf I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139484752.html [23.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Fam. d. Schwäb. Edelherren v. H. (Hohenegg);
    V Rudolf.

  • Leben

    Wahrscheinlich selbst Benediktiner, wurde R. 1269 Administrator der Benediktinerabtei Kempten. 1274 ernannte ihn Kg. Rudolf von|Habsburg zum Hofkanzler und am 5.1.1281 zusammen mit dem Gurker Bf. Johann von Ennstal zum Generalvikar des Reiches in Italien. 1284 vom Salzburger Domkapitel zum Erzbischof postuliert, empfing R. am 10.3.1285 die Priester- und am folgenden Tag die Bischofsweihe. Seine Regierungszeit war zunächst überschattet durch die Kämpfe mit Hzg. Heinrich XIII. von Niederbayern. Es ging dabei insbesondere um dessen Rechte in Reichenhall und damit um das salzburg. Salzmonopol. Nach vergeblichen Verhandlungen besetzten die Bayern im Sept. 1285 das salzburg. Mühldorf und brannten es nieder, bis R. mit seinem Heer die Bayern zur Räumung zwang. In einer Anklageschrift zählte er alle Übergriffe Bayerns seit dem Frieden von Erharting 1275 auf und verhängte Bann und Interdikt über den Herzog und seine Länder.

    Schließlich gelang es Kg. Rudolf von Habsburg auf dem Augsburger Reichstag 1286, eine Einigung zwischen Salzburg und Bayern herbeizuführen. Bezüglich Reichenhalls und des Salzmonopols wurde ein Schiedsgericht eingesetzt. Salzburg gelang es allerdings nicht, seine Rechte in Reichenhall eindeutig zu bestimmen, weshalb diese wichtige Stadt für das Erzstift schließlich verlorenging. 1287 schlichtete R. einen Streit innerhalb der Salzburger Bürgerschaft (Sühnebrief) und erließ ein für alle Salzburger Städte gültiges Stadtrecht.

    Zunächst treuer Anhänger Kg. Rudolfs von Habsburg und seines Sohnes Hzg. Albrecht I., geriet R. bald in Auseinandersetzungen mit diesem wegen der Salzburg. Besitzungen und Rechte im steiermärk. Ennstal. Ein auf den 5.11.1288 einberufenes, unter ungewöhnlich hoher Beteiligung des Klerus abgehaltenes Provinzialkonzil in Salzburg konnte die machtpolitischen Probleme nicht lösen, setzte aber fest, daß in Zukunft kein Prälat mehr im Dienst eines Laienfürsten stehen dürfe. Gegen diese Beschlüsse protestierten der Salzburger Suffraganbf. Leopold von Seckau (reg. 1283-91) und der Landeshauptmann der Steiermark, der Benediktinerabt Heinrich von Admont (reg. 1275-97). R. ging daraufhin mit Hilfe von Söldnern aus Bayern und Schwaben militärisch gegen Hzg. Albrecht I. vor, sah sich nach dem Abfall bedeutender Salzburger Lehensträger jedoch zum Friedensschluß gezwungen, der am 11.1.1290 durch Vermittlung Elisabeths, Gemahlin Hzg. Albrechts I., in Wien zustande kam. R. mußte die Beschlüsse des Provinzialkonzils widerrufen, die abgefallenen Salzburger Ministerialen konnten weiterhin im Dienst des Herzogs verbleiben. Am Hoftag Kg. Rudolfs in Erfurt im Juni 1290, wohin sich auch R. begeben mußte, sprach der König schließlich seinem Sohn Albrecht die Vogtei über alle Güter des Benediktinerstiftes Admont zu, auch über jene, die außerhalb Österreichs und der Steiermark lagen.

    R. überlebte diese Niederlage nicht lange; noch in Erfurt erlag er einem Schlaganfall. Sein Leichnam wurde nach Salzburg überführt und im Dom vor dem Virgilsaltar bestattet. R., der 1288 die Translatio der Reliquien Bischof Virgils (reg. 745-84) vorgenommen und diesen Altar zu Ehren des Heiligen hatte errichten lassen, wurde vom Volk bald selbst wie ein Heiliger verehrt.

  • Quellen

    Qu F. Dalham, Concilia Salisburgensia provincialia et dioecesana, 1788, S. 132-36.

  • Literatur

    ADB 29;
    Wilhelm Fischer, Personal- u. Amtsdaten d. Erzbischöfe v. Salzburg (798–1519), Diss. Greifswald 1916, S. 68-70;
    A. v. Wretschko, Zur Frage d. Besetzung d. ebfl. Stuhles in Salzburg im MA, in: Mitt. d. Ges. f. Salzburger Landeskunde 47, 1907, S. 273, Nr. 11-14;
    Heinrich Wagner, in: H. Dopsch u. H. Spatzenegger (Hg.), Gesch. Salzburgs, Stadt u. Land, I/1, 1981, S. 452-56;
    K. Amon, Sancti Pontifices Salisburgenses, in: 1200 J. Ebm. Salzburg, 1998, S. 86;
    F. Ortner, Gesch. d. Kirche u. Seelsorge in Scheffau, in: Scheffau am Tennengebirge, 1999, S. 241-44;
    Gatz IV.

  • Autor/in

    Franz Ortner
  • Empfohlene Zitierweise

    Ortner, Franz, "Rudolf I." in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 186-187 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139484752.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Rudolf von Hoheneck, Erzbischof von Salzburg (1284—1290). Er stammte aus Schwaben und war vor seiner Wahl Cancellarius K. Rudolf's I. von Habsburg, der sicherlich auf die Wahl des ihm genehmen Mannes durch das Domcapitel eingewirkt hatte und denselben auch bewog, seine längere Weigerung in Hinsicht der Annahme dieser Würde aufzugeben. In Rom zögerte man jedoch lange, die Erhebung eines höfisch gesinnten Mannes zu bestätigen, der noch nicht die Priesterweihe erhalten. So verstrich denn seit seiner Wahl (21. April 1284, vierzehn Tage nach dem Tode seines Vorgängers Friedrich's II. von Walchen) nahezu ein Jahr, bevor es dazu kam. Der römische Stuhl ließ durch seine Abgeordneten, die Bischöfe von Constanz und Eichstädt und den Abt von Salmansweiler den Erwählten in Salzburg einer förmlichen Prüfung unterziehen, worauf R. am 8. März 1285 zum Priester geweiht wurde und seine Abgeordneten nach Rom um das Pallium sandte. Bevor sie nach langem Warten bei dem neuen Papste Honorius IV. das Gewünschte erlangten, hatte sich R. am 13. Mai zum Bischofe wählen lassen. Gleich zu Beginn seiner Regierung hatte er mit unbotmäßigen Vasallen, den Gebrüdern von Fohnsdorf (Steiermark) und mit dem Moßheimer, vor allem aber mit der Feindseligkeit des den Habsburgern abgeneigten Herzogs Heinrich von Niederbaiern zu thun, welche durch dessen Bruder Herzog Ludwig vorläufig beigelegt wurden und auf dem Augsburger Reichstage vom Februar 1286 einen kaiserlichen Schiedsspruch zur Folge hatten, durch welchen alle Streitigkeiten, insbesondere die Stadt Mühldorf betreffend eine endgültige Erledigung erfuhren. Gleich darauf hatte er die Bürger seiner Stadt Pettau (Steiermark) gegen die Willkür eines seiner mächtigsten Lehensmänner, des Herrn Hartnid von Pettau zu schirmen. Dieser mußte sich fügen, die Burg (Ober-Pettau) räumen, dieselbe anderen Hauptleuten übergeben und sich vor einem zu Leibnitz (Steiermark) vom Erzbischofe eingesetzten Gerichte verantworten. Der Handel zog sich in die Länge und schloß durch Vermittlung steiermärkischer Landherrn mit einem Vergleiche, wonach Hartnid den widerrechtlich angemaßten Zehenden entsagen, eine Urgicht ausstellen mußte und hierauf die Schloßhauptmannschaft zurückerhielt. R., ein Gönner des Bauern- und Bürgerstandes, ertheilte 1286 den Bürgern von Radstadt am Tauern Salzburger Recht und zehnjährige Steuerfreiheit und suchte den Verkehr namentlich auf dem Boden seiner Herrschaft in Kärnten durch eine Münzeinigung mit Herzog Meinhard von Kärnten-Tirol zu regeln. Für den Stadtfrieden Salzburgs strebte er 1287,|24. April durch einen ewigen Friedens- oder Sühnebrief und durch das Verbot aller Einungen und Eide wider die erzbischöfliche Herrschaft zu sorgen. Das aus der Vergangenheit des Erzbischofs erklärliche gute Einvernehmen mit dem Hause Habsburg, insbesondere mit Albrecht I. als Herzog von Oesterreich und Steier erlitt jedoch bald eine dauernde Trübung durch die Feindschaft zwischen dem Erzbischofe und dem Abte Heinrich von Admont, dem die Gunst der Habsburger das Amt eines Landhauptmanns der Steiermark zugewendet hatte. Diese Feindschaft, deren Hauptschuld der Reimchronist Ottokar dem von ihm sehr schwarz geschilderten Abte von Admont ausschließlich auflastet, führte zu einer schweren Fehde mit dem Herzoge Albrecht und zu der Novembersynode des Jahres 1288 zu Salzburg, deren Hauptbeschluß gegen den Admonter Abt gerichtet war. Der Kampf zwischen dem Habsburger und Erzbischof R. gewann eine immer größere Ausdehnung, da der Herzog auf seinen Forderungen beharrte und konnte auch durch das Schiedsgericht zu Wels vom J. 1289 nicht geschlichtet werden, da der Abt von Admont dazwischen fuhr. R. suchte sich nun mit dem Bannfluche und Interdict zu behelfen, wogegen der Herzog an den römischen Stuhl appellirte. Auch die Wiener Zusammenkunft des Herzogs und Erzbischofs vom J. 1290 ließ sich schwierig an, doch bewies sich R. endlich weit nachgiebiger als von geistlicher Seite erwartet wurde. K. Rudolf I. suchte nun auf dem Erfurter Reichstage den Erzbischof mit seinem Sohne zu vergleichen, was endlich am 19. Juni 1290 zu einem Schiedsspruche des Königs über den wesentlichsten Streitpunkt, die Vogtei ober- und unterhalb der Mandling, führte, welche dem Herzoge von Oesterreich als Salzburger Lehen zugesprochen wurde. Erzbischof R. starb in Erfurt am 3. August an einer jähen Krankheit, die gerüchtweise sogar einer durch den Abt von Admont veranlaßten Vergiftung zugeschrieben wurde.

    • Literatur

      Zauner, Chronik von Salzburg I (1796). — Pichler, Lgesch. Salzburgs (1865). —
      Muchar, Gesch. d. Herz. Steiermark V. —
      Kurz. Oe. u. Ottokar u. Albrecht I. (1818). — Lichnowski, G. d. H. Habsburg II.

  • Autor/in

    Krones.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krones, Franz von, "Rudolf I." in: Allgemeine Deutsche Biographie 29 (1889), S. 556-557 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139484752.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA