Lebensdaten
1896 bis 1941
Geburtsort
Bonn
Sterbeort
Dachau
Beruf/Funktion
Jugendführer
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 139134980 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oelbermann, Robert Eugen Wilhelm
  • Oelbermann, Robert
  • Oelbermann, Robert Eugen Wilhelm

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Zitierweise

Oelbermann, Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139134980.html [18.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Eduard (1855–1908) aus B., Kaufm., Lotterie-Einnehmer, Lackfabr.;
    M Clara Charlotte Voegler (1872–1958) aus Reichenbach (Vogtland); beide ledig.

  • Leben

    Die Zwillingsbrüder wuchsen in Bonn und seit 1910 in Lennep (Rheinland) auf. Nach dem Besuch der Realschule arbeiteten sie als landwirtschaftliche Eleven auf Gütern in Schleswig-Holstein und der Altmark und absolvierten den 1. Weltkrieg als mehrfach ausgezeichnete Offiziere. Seit 1911 im Alt-Wandervogel, dann im Wandervogel e. V. aktiv, fanden sie ihr Betätigungsfeld und später auch berufliches Auskommen als Jugendführer im bündischen Flügel der bürgerlichen Jugendbewegung. 1919/20 Gründer des Nerother Wandervogels, 1922 Gründer und Leiter der „Rheinischen Jugendburg“, realisierten sie in diesem elitären Jungenbund ihre Ideale von einer männerbündischen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft. Zentrum wurde die nach Plänen des Architekten Karl Buschhüter (1872–1956) in Eigenleistung ausgebaute Burg Waldeck (Hunsrück) als „Siedlung von Landwirten und Handwerkern“ und „Ehrendenkmal für die gefallenen Helden“. Geprägt von der romantisierenden, strikt antidemokratischen Idee einer aristokratischen „Herrschaft der Besten“ unter charismatischer Führung, geriet der Bund trotz eindeutiger Bekenntnisse seiner Führer zum Nationalsozialismus in Gegensatz zur Hitlerjugend, die keine Jugendbünde neben sich dulden wollte, und löste sich am 22.6.1933 selbst auf. In der Illegalität fortlebende Gruppen des Nerother Wandervogels sowie ihr Lebensstil und Liedgut wurden jedoch vorbildhaft für Teile des Jugendwiderstands.

    Völkische Vorstellungen und die Utopie eines autonomen „Jugendreiches“ verbanden sich, die gesamte Jugendbewegung beeinflussend, mit kosmopolitischer Praxis. So organisierten die Brüder O. seit 1920 monatelange expeditionsähnliche „Großfahrten“ ihres Bundes durch nahezu sämtliche europ. Länder und nach Ägypten. Marokko, Indien, Tibet, Ceylon und Rußland, die sie mit Straßenmusik, Theateraufführungen und Lichtbildervorträgen finanzierten. „Weltfahrten“ mit jeweils kleinem Gefolge führten Robert 1931-33 durch Süd-, Mittel- und Nordamerika bis Japan, Korea und China, Karl 1935-38 durch Afrika. Einige dieser Expeditionen sind in Kurz- und Kulturfilmen (Ufa) dokumentiert, andere in abenteuerlichen Erzählungen.

    Robert wurde am 14.2.1936 im Rahmen der Verfolgung illegaler bündischer Gruppen unter dem Vorwurf der Homosexualität verhaftet und in das Zuchthaus Düsseldorf, dann in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Dachau verbracht. Karl wurde 1939-41 in einem südafrikan. Internierungslager festgehalten und zog anschließend mit einem Reise-Kino durch Süd- und Südwestafrika. 1950 nach Deutschland zurückgekehrt, gründete er den Nerother Wandervogel wieder und gab dessen Organ „Der Herold“ heraus. Er lebte als legendär verklärter „Bundesführer auf Lebenszeit“ auf der von verschiedenen Nachfolgeorganisationen der Jugendbewegung beanspruchten Burg Waldeck.|

  • Auszeichnungen

    BVK (1974).

  • Werke

    zu Karl u. a. Fahrten u. Abenteuer, 1927;
    Heijo, der Fahrtwind weht, Liederbuch (Hg), 1933 (wieder 1963);
    Horridoh, Liederbuch (Hg.), 1958;
    zu Robert u. a.
    Die Indienfahrt, 1927 (mit K. Mohri);
    Unter Toreros u. Fremdenlegionären, 1928;
    Die Idee d. „Nerother Bundes“ u. der „Rhein. Jugendhurg“, Neudr. 1956. – Aufss. beider in: Bundesschr. „Der Herold“, 1929-32.

  • Literatur

    K. Mohri, Von Athen zum nördl. Kismeer, 1930;
    H. Queling, Sechs Jungen tippeln nach Indien, 1932;
    W. Kaiser, Vom Kap zum Kibo, 1938;
    Der Herold, H. 13/14, 1930, Sondernr. z. 10j. Bestehen;
    Nerother Wandervogel (Hg.). 50 J. Nerother Bund, 1970 (P);
    S. Krolle, „Bünd. Umtriebe“, Die Gesch. d. Nerother Wandervogels vor u. unter dem NS-Staat, 1985 (W-Verz.);
    N. Schwarte (Hg.), „Wer Nerother war, war vogelfrei“, in: Puls, Dok.schr. d. Jugendbewegung, H. 20, 1993;
    BHdE I (zu Karl).

  • Autor/in

    Winfried Mogge
  • Empfohlene Zitierweise

    Mogge, Winfried, "Oelbermann, Robert" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 436 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139134980.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA