Lebensdaten
um 1220 bis 1273
Beruf/Funktion
Bischof von Straßburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138772061 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heinrich IV. von Geroldseck
  • Heinrich von Geroldseck
  • Heinrich IV.
  • mehr

Zitierweise

Heinrich IV., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138772061.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Stammt aus d. elsäß. Geschl. d. Herren v. (Groß-) Geroldseck am Wasichen, deren Stammburg in der Nähe von Hohbarr b. Zabern lag;
    V Burckard v. G.

  • Leben

    H. wurde auf Bitten der Bürger nach dem 10.3.1263 von den Domherren zum Bischof gewählt, da er sich schon als Kantor des Domkapitels mit der Stadt verbündet hatte gegen seinen Vorgänger Bischof Walther. Am 21.4.1263 schließt er endgültig Frieden mit der Stadt und verzichtet auf Wiedergutmachung des während des Krieges mit der Stadt der Geistlichkeit zugefügten Schadens. Während seiner 10jährigen Regierungszeit war er stets auf ein gutes Einvernehmen mit der Stadt bedacht. Die Ratswahl wurde dem Einfluß des Bischofs entzogen, die Bürger erhielten die Verfügung über die Allmende und Bündnis- und Gesetzgebungsrecht. Die Stadt hörte auf, eine bischöfliche Stadt zu sein. Gewisse Rechte bleiben dennoch dem Bischof vorbehalten: Er besetzt die städtischen Ämter des Burggrafen, des Schultheißen, des Zöllners und des Münzmeisters. Des weiteren fährt der jedes Jahr neugewählte Rat fort, dem Bischof zu schwören. Über die Einfachheit seiner Hofhaltung und über seine Mildtätigkeit sowie über die Kirchendisziplin H.s weiß Specklin zu berichten. So erneuerte H. alle Spitäler und vertrieb die mit Konkubinen lebenden Priester.

  • Literatur

    ADB XI;
    Regg. d. Bischöfe v. Straßburg …, hrsg. v. A. Hessel u. M. Krebs, II, 1928, S. 1-34;
    Ph. A. Grandidier, Oeuvres inédites III, 1865, S. 170 ff.;
    M. Sdralek, Die Straßburger Diöcesansynoden, in: Straßburger theol. Stud. 2, 1894, H. 1, S. 12-27;
    A. Hessel, Die Beziehungen d. Straßburger Bischöfe z. Kaisertum u. z. Stadtgemeinde in d. 1. Hälfte d. 13. Jh., in: Archiv f. Urkk.forschung 6, 1916, S. 272 ff.;
    L. Pfleger, KG d. Stadt Straßburg im MA, 1941, S. 59-62;
    X. Ohresser, Les anciens évêques de Strasbourg dans la sigillographie (1047-1305), in: Rapport annuel du collège St. Etienne, 1958/59, S. 15-42. L. Greiner, La seigneurie épiscopale de Strasbourg jusqu'en 1274…, 1949 (Ecole des Chartes. Positions des Thèses. Promotion de 1949).

  • Autor/in

    Joseph Fuchs
  • Empfohlene Zitierweise

    Fuchs, Joseph, "Heinrich IV." in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 402 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138772061.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heinrich von Geroldseck, Bischof von Straßburg, von 1263—1273; stammte aus dem Zweige der Geroldseck im Wasgau; als er zum Bischof erwählt wurde, bekleidete er gerade das Amt eines Sängers des Stiftes. Bereits vor seiner Erhebung hatte der letzte Scheinkaiser der Interregnumszeit, Richard von Cornwallis, die Privilegien Straßburgs bestätigt und die Stadt zur unmittelbaren Reichsstadt erhoben (18. Nov. 1262). H. v. G., ein erklärter Freund Straßburgs, konfirmirte Rechte und Gewohnheiten der Stadt, gewährte ihr den Genuß der Allmende und überließ ihr die Aufsicht über das Hospital. Der Stadtrath wurde zum Apellhof sämmtlicher Städte des Bisthums und den Städten wurde die Befugniß ertheilt, nach Gutdünken Bündnisse zu schließen. Einer gemeinsamen Uebereinkunft zufolge, ernannte der Bischof den Schultheiß; — er wählte aus den Reihen des Bürgerstandes die Assessoren, den Zollner, die Münzvorsteher: den Burggraf aus der Reihe der Ministerialen. H. v. G. war mildthätig; er speiste täglich hundert Arme. In der Geistlichkeit handhabte er strenge Disciplin. — Gleich nach seiner Erhebung verzichtete er auf jeden Schadenersatz, der noch von seinem Vorgänger Walther von Geroldseck von der Stadt zu entrichten blieb. Er suchte die zwischen Straßburg und der Geroldseckischen Familie fortbestehenden Fehden auszugleichen. Zwischen dem Papst und der Stadt vermittelte er, wegen des abgebrochenen Kirchthurms zu Mundolsheim; das päpstliche Interdikt wurde aufgehoben. — Mit Straßburg unternahm er gemeinsam einen Kriegszug gegen Selz, wegen des Rheinzolls, und spendete dem Landgrafen Rudolph von Habsburg Geld zum Zuge gegen die Beste Reichenstein. Indeß trübte sich in der Folge das gute Verhältniß mit dem letzteren. Durch den Bischof von Basel und die Baseler Bürger wurde nach einer tragischen Ballscene Straßburg in einen unerquicklichen Streit verwickelt, der sich jahrelang hinzog und unter anderem zu einer unnützen Belagerung und zu einer Exkommunikation Mühlhausens führte (1761). Die Erhebung des Landgrafen Rudolph von Habsburg auf den Thron machte, wie dem Interregnum, so auch diesem Zwiste ein erwünschtes Ende.

    • Literatur

      v. Iselin, ad vocem Geroldseck. — Weucker, Apparat. archaeol. p. 178. von Strobel zitirt. —
      Strobel, Geschichte des Elsasses II. p. 36—53 —
      Lehr, Alsace noble III.
      Spach, Oeuvres choisies III. p. 397 — und Spach, Histoire de la basse Alsace p. 90 u. ff.

  • Autor/in

    Spach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Spach, Ludwig, "Heinrich IV." in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 621 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138772061.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA