Lebensdaten
1844 bis 1910
Geburtsort
Thalfang bei Bernkastel/Mosel
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Sprengstoffindustrieller
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 137765010 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Emil

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Zitierweise

Müller, Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137765010.html [19.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gottlieb Daniel (1811–90), Pfarrer in Th. u. Radevormwald, S d. Johann Ludwig Ernst (1765–1813), Kaufm. in Elberfeld, u. d. Charlotte Elisabeth v. d. Heydt (1764–1812) aus Elberfeld;
    M Wilhelmine Emilie (1812–88), T d. Johann Wilhelm Korten (1771–1827) aus Barmen u. d. Johanne Elisabeth Wilhelmine Essler (1782–1850) aus Sonnborn;
    Opladen 1874 Emma (1854-n. 1935), T d. Friedrich Wilhelm Siebel (1827–77), Dachziegelfabr. in Küppersteg, u. d. Albertine Wilhelmine Mechtilde Metha Gerhards (1833–1921) aus Küppersteg;
    3 S, 1 T, u. a. Paul (1876–1945), Dr. phil., Dr. rer. pol. h. c., Dr.-Ing. E. h., Chemiker, Sprengstoffindustrieller, seit 1911 Gen.dir. d. Rhein.-Westfäl. Sprengstoffwerke AG, Vorstandsmitgl. d. Reichsverbandes d. Dt. Industrie (s. Wenzel; Rhdb.).

  • Leben

    M. wuchs in Radevormwald im Bergischen Land auf und studierte nach dem Schulabschluß Chemie. Die von dem Sprengstoffchemiker Max v. Förster 1872 gegründete Rheinische Dynamitfabrik in Opladen wurde 1873 mit Unterstützung Kölner Banken in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, der Werke in Mansfeld (Harz) und Oneglia (Italien) angegliedert wurden. In diesem Jahr übernahm M. die Leitung der Opladener Fabrik und wurde auch Generaldirektor der Gesellschaft, die ihren Sitz 1901 von Opladen nach Köln verlegte.

    Seit der Erfindung des Dynamits durch Alfred Nobel (1866/67) war die fabrikmäßige Herstellung durch viele schwere Explosionsunglücke gekennzeichnet. Auch in der Opladener Fabrik kam es immer wieder zu Explosionen mit Toten und erheblichem Sachschaden. M.s beharrliches Bemühen galt der Ermittlung der Unglücksursachen, um die höchstmögliche Sicherheit bei der Herstellung, der Lagerung und dem Transport von Dynamit zu erreichen. Allmählich führte er das Unternehmen aus der akuten Gefahrenzone heraus, so daß trotz häufiger Proteste der Stadt Opladen das der Bevölkerung unheimliche Werk stets weiterproduzieren durfte und schließlich sogar für den Bau anderer Dynamitfabriken als Vorbild diente. Dynamit aus der Opladener Fabrik und die dort entwickelten „Dynamitwärmehütten“ wurden u. a. beim Bau des Gotthardtunnels verwendet. Als M. 1878 aus seiner Stellung schied, galt die fabrikmäßige Produktion des Dynamits als weithin sicher.

    Nach dem Tod des Schwiegervaters führte M. dessen Dachziegelfabrik weiter, wandte sich jedoch nach einigen Jahren wieder den Sprengstoffen zu, ohne seine Teilhaberschaft an der Ziegelei aufzugeben. Er wurde Generaldirektor der 1886 unter seiner Mitwirkung in Köln gegründeten Rhein.-Westfäl. Sprengstoff AG (RWS). Diese kaufte Grundstücke im Bereich der heutigen Stadt Troisdorf und errichtete dort eine Zündhütchen- und Sprengkapselfabrik (1886/87), eine Munitionsfabrik (1888), eine Schießbaumwolle- und Pulverfabrik (1888/89) sowie auf der Basis der selbsterzeugten Nitrocellulose eine Celluloidfabrik (1905), eine der ersten Kunststofffabriken in der Region. In dieser Zeit entwickelte M. das von ihm so bezeichnete „Wetterdynamit“, das den Bergleuten bei Sprengungen mehr Sicherheit bot.

    Erste große Aufträge erhielt die RWS von der preuß. Militärverwaltung, und die deutsche Armee zählte bald zu den Hauptabnehmern. Regelmäßig hielten sich ausländische Abnahmekommissionen in Troisdorf auf. Japan bezog während seines Krieges gegen China (1893/94) alle Patronen von der RWS. Beim Bau des Simplontunnels wurden ausschließlich RWS-Sprengkapseln verwendet. Nach Troisdorfer Modell entstanden die Nitrieranlagen der staatlichen Pulverfabrik Spandau. 1890 schloß sich die RWS dem Generalkartell deutscher und ausländischer Sprengstoffgesellschaften und bald darauf den Vereinigten Köln-Rottweiler Pulverfabriken an. 1901 wurde M. Generaldirektor dieses größten Verbands deutscher Sprengstoffproduzenten. Seit 1901 gehörte er dem Gesamtausschuß des Vereins zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie Deutschlands an und war viele Jahre Mitglied im Vorstand der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie. – Nach M.s Tode wurde sein Sohn Paul Generaldirektor der RWS und erlangte ebenfalls eine führende Stellung in der deutschen Sprengstoffindustrie. 1931 ging die RWS in der Dynamit AG vorm. Alfred Nobel & Co. auf, die ihren Sitz im selben Jahr von Hamburg nach Troisdorf verlegte. Seit 1959 lautet die Firmenbezeichnung Dynamit-Nobel AG, Troisdorf.

  • Literatur

    Die chem. Industrie 1910, Nr. 12, S. 381;
    ebd., Nr. 20, S. 605;
    ebd., Nr. 24, S. 773;
    ebd. 1911, Nr. 10, S. 273;
    P. P. Trippen, Heimatgesch. v. Troisdorf, 1940, S. 149-55, 162, 166, 170 (P);
    O. Schmid, 50 J. „Köln-Rottweil“ – Aus d. Gesch. d. Fabrik Rottweil, 1940, S. 44 f., 56 (P);
    J. Wilden, Gründer u. Gestalter d. Rhein-Ruhr-Industrie, 1951, S. 199 f.;
    R. Müller, Die Anfänge d. heutigen Dynamit AG, vorm. Alfred Nobel & Co. – Werk Troisdorf, in: FS z. Stadterhebung d. Gemeinde Troisdorf (Heimatbll. d. Siegkreises 64), 1952;
    ders., Die Rhein. Dynamitfabr. Opladen 1872-1926, in: Romerike Berge, Zs. f. Heimatpflege im Berg. Land, 4, 1960, S. 150-68;
    ders., E. M. (1844-1910), Gründer u. Unternehmer in d. dt. Dynamitindustrie, in: ZUG 8, 1963, S. 84-94 (P), erweitert in: Troisdorfer Jhh. 1, 1971, S. 95-101 (P);
    K. Ossendorf, So fing es an – 100 J. Zündhütchenfabr., ebd. 16, 1986, S. 12-18.

  • Portraits

    Bronzebüste, um 1911 (Hauptverw. d. Dynamit Nobel AG, Troisdorf), Abb. in: Trippen (s. L), S. 289.

  • Autor/in

    Rolf Müller
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, Rolf, "Müller, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 358-359 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137765010.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA