Lebensdaten
1900 bis 1934
Geburtsort
Kaltennordheim (Thüringen)
Sterbeort
Nanga Parbat
Beruf/Funktion
Bergsteiger
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 136483461 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Merkl, Willy

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Zitierweise

Merkl, Willy, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136483461.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N.;
    M Therese (1882–1970, 1907 Rudolf Herrligkoffer, 1879–1947, Eisenbahninsp.), T d. Eisenbahners Cajetan Merkl (1850–1902) u. d. Therese Friederike Eberhardt (1854–1926);
    Halb-B Karl Herrligkoffer (1916–91), Dr. med., Bergsteiger, Expeditionsleiter, Honorarprof. an d. Univ. Salzburg (s. L); – ledig.

  • Leben

    Bereits als Junge ein begeisterter Bergwanderer, setzte M. seine Aufnahme ins Traunsteiner Haus der Großeltern durch. In den Chiemgauer Alpen erlernte er das Bergsteigen und Felsklettern und eröffnete an der Hörndlwand neue Kletterführen. Nach dem Realschulabschluß praktizierte er 1917 in Trostberg bei den Bayer. Kalkstickstoffwerken und erlebte 1918 als Soldat den Krieg in Flandern. Nach der Heimkehr schulte er seine Kletterfertigkeiten im Wilden Kaiser. Während des Maschinenbaustudiums an der Höheren technischen Staatslehranstalt Nürnberg 1920-23 und später als Reichshahn-Ingenieur in Augsburg steigerte er sein Kletterkönnen, bis er die schwersten Felsfahrten seiner Zeit bewältigte. Sein Erlebnis- und Entdeckertrieb führte ihn in die meisten Berggruppen der Ostalpen, wo er rund 40 neue Felsanstiege erschloß. Hervorzuheben ist hier seine Führe durch die Südwand des Kleinen Mühlsturzhorns in den Berchtesgadener Alpen (1925). Daneben wiederholte er die schwierigsten Eistouren der Ost- und, seit 1927, auch der Westalpen. 1929 nach Neuaubing bei München versetzt, trat er dem Hochtouristenkreis der Alpenvereinssektion Bayerland bei. Dort lenkte Willo Weizenbach sein Interesse auf die außeralpinen Gebirge. Noch im selben Jahr durchquerte M. mit seinem Jugendfreund Fritz Bechtold den Kaukasus und unternahm dabei acht Erstersteigungen. Mit Weizenbach bewies er 1931 bei der aufsehenerregenden Erstdurchsteigung der Grand-Charmoz-Nordwand im Wettersturz außergewöhnliches Durchhaltevermögen. Als Leiter der „Deutsch-Amerikan. Himalaya-Expedition 1932“ fand er die Anstiegsroute auf den 8125 m hohen Nanga Parbat, ohne daß der Gipfel erreicht worden wäre. Bei der von M. geführten „Deutschen Himalaya-Expedition 1934“ wollte man den Achttausender auf der von M. gefundenen Route besteigen. Das groß angelegte und gut organisierte Unternehmen endete mit dem Tod von 10 Teilnehmern – einer in der Geschichte des Alpinismus beispiellosen Katastrophe. Auch M. kam beim Rückzugsversuch aus dem Hochlager um. Ungeklärt blieb, warum der erprobte Alpinist vorausspurenden Kameraden im Abstieg nicht zu folgen vermochte. Fritz Bechtold fand M.s Leiche 1938 am „Mohrenkopf“. Mehrere folgende Expeditionen scheiterten ebenfalls. Erst 1953 wurde der Gipfel des Nanga Parbat durch eine von M.s Halbbruder Karl Herrligkoffer organisierte „Willy-Merkl-Gedächtnis-Expedition“ erobert. Hermann Buhl erreichte den höchsten Punkt damals im Alleingang.

    M. repräsentiert den Expeditionsbergsteiger der Pionierperiode nach dem 1. Weltkrieg. Seine beiden Expeditionen zum Nanga Parbat leiteten eine Entwicklung ein, die diesen Berg zum „deutschen Schicksalsberg“ werden ließ. M. hat durch zahlreiche Vorträge das Himalaya-Bergsteigen als „nationale Angelegenheit“ ins Bewußtsein der deutschen Öffentlichkeit gerückt. Ihm gelang die Verbindung angelsächs. Großexpeditionen mit der von Paul Bauer entwickelten Himalaya-Taktik der „Mannschaftsvorstöße“. M. ließ sich vom Gedanken der Bergkameradschaft leiten und setzte nach gründlichster Vorbereitung alles daran, die gesamte Bergsteigermannschaft auf den Gipfel zu bringen. Dieses Bestreben sowie die Fehleinschätzung der lokalen Wetterentwicklung im Himalaya erwiesen sich jedoch als schwerwiegende Fehler, die mit zur Katastrophe von 1934 beitrugen.

  • Werke

    W. M., Ein Weg z. Nanga Parbat, hrsg. v. K. Herrligkoffer, 1936 (P).

  • Literatur

    G. O. Dyhrenfurth, Das Buch v. Nanga Parbat, 1954;
    H. Bühler, M., Welzenbach u. Wieland in|ihrer Bedeutung f. d. alpine Schrifttum, in: Dt. Alpenztg. 1934, S. 271-76 (L). – Zu Karl Herrligkoffer: ders., Mein Weg in d. Himalaya, 1989 (P).

  • Autor/in

    Peter Grimm
  • Empfohlene Zitierweise

    Grimm, Peter, "Merkl, Willy" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 158 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136483461.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA