• Leben

    Ravesteyn: Jan van R., berühmter Bildnißmaler, geb. im Haag im J. 1572, ebenb. im Juni 1657. Wenn Immerzeel sagt, daß von diesem vorzüglichen Künstler „keinerlei Lebensbesonderheiten“ bekannt sind, so theilt er dieses Schicksal mit vielen anderen Künstlern, von denen man nicht einmal das Geburts- oder Sterbejahr oder beide angeben kann. R. scheint aus dem Haag nicht herausgekommen zu sein; hier wurde er 1597 in die Lucasgilde aufgenommen, in der er zu wiederholten Malen das Amt eines Doyen bekleidete. Trotzdem ließ er sich mit anderen Künstlern 1655 in eine Verschwörung gegen die Gilde ein, die den Zweck hatte, die Kunst vom Handwerk zu scheiden, die Illuminirer und Decorateure nicht als gleichberechtigt anzusehen. Zu den Hauptwerken seiner Kunst gehören die s. g. Schutterstücke (Schützen- oder Bürgerwehrstücke), welche die Glanzzeit Hollands und zugleich die Tüchtigkeit seiner Bürger verherrlichen. Im Rathhause und im städtischen Museum im Haag werden solche Bilder aufbewahrt. Die Schützen im Haag, die jährlich vor dem Statthalter und dem Stadtrath vorbeidefilirten, wurden damit geehrt, daß ihre Officiere dann vor dem Rathe erschienen und mit Wein bewirthet wurden. Auf dem einen Bilde, das 1616 entstand, sind die Officiere im Begriff einzutreten, auf dem andern sind sie bereits eingetreten. Eigentlich historische Bilder sind es nicht, aber hinter der lebensvollen Wiedergabe der Persönlichkeiten ist die holländische Geschichte verborgen, die das aufmerksame Auge leicht in ihrer Herrlichkeit entdeckt. Im Haag befinden sich noch 24 Porträts von Obersten, die sich im Dienste des Landes befanden. Sie sind 1611 bis 1624 datirt; endlich im Rathhause die Berathung des Magistrats über den Bau eines neuen Schützenhauses, vom Jahre 1636. Im Museum zu Braunschweig ist ein interessantes Familienbild, Kniestück in Lebensgröße zu sehen. Die zwei Gruppen, der Vater mit drei Söhnen links, die Mutter mit fünf Töchtern rechts, sind um ein Spinett versammelt, das eine der Töchter spielt. Leider ist der Name der Familie nicht bekannt. Ein zweites Bild derselben Galerie, das Porträt eines Rechtsgelehrten, ist vom Jahre 1622. Berlin besitzt im Bildniß des Nieuwekerke ein Hauptwerk des Meisters. In Brüssel befindet sich das Bildniß der berühmten Heroine von Hartem, der Kinna van Aasselaer, in Amsterdam die Porträts von Jan P. Snoeck und dessen Frau, in Dresden das Bildniß des Moritz von Oranien. Auch München besitzt drei Bilder von ihm. Sein Portrait hat van Dyck gezeichnet, und von Pontius gestochen befindet es sich in der bekannten Ikonographie. Houbraken, van Delft, Th. Matham, J. Stolker u. A. haben nach seinen Bildern Stiche ausgeführt.

    • Literatur

      S. Immerzeel. — Hymans (van Mander). — Riegel, Niederl. Kunstgeschichte.

  • Autor/in

    Wessely.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wessely, Joseph Eduard, "Ravesteyn, Jan van" in: Allgemeine Deutsche Biographie 27 (1888), S. 472 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132075806.html#adbcontent

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