Lebensdaten
1799 bis 1881
Geburtsort
Niedergemünden bei Homberg/Ohm (Hessen)
Sterbeort
im Staat Missouri (USA)
Beruf/Funktion
deutsch-amerikanischer Politiker ; Publizist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 130830372 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Muench, Friedrich
  • Münch, Friedrich
  • Muench, Friedrich
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Zitierweise

Münch, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130830372.html [22.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (* 1825), bis 1789 Rektor in Alsfeld, dann Pastor in N., Landwirt;
    M Luise Christiane ( 1830), T d. Goldschmieds Johann Christian Welcker in Alsfeld;
    6 Geschw, u. a. Ludwig Friedrich (1792–1875), Pfarrer in Altbuseck, Ulfa u. Wixhausen, Georg (1801–79), Pastor in H., wanderte 1837 nach Missouri aus, Farmer u. Mechaniker (s. Hess. Biogrr. II, 1927); Schwager Paul Follen (1799–1844), Hofger.advokat in Gießen, Mitgründer d. Gießener Auswanderungsges. (s. NDB V*; W);
    1) 1826 Marianne ( 1830), T d. Apothekers N. N. Vorberg in Nidda (Hessen), 2) 1832 Luise (1812–87) aus Lich, T d. Polizeirats N. N. Fritz;
    4 S (1 ⚔), u. a. Hugo, Kreisrichter in St. Louis (Missouri), T.

  • Leben

    Bis zu seinem 15. Lebensjahr wurde M. von seinem Vater unterrichtet, besuchte dann das Gymnasium in Darmstadt und studierte 1816-19 Theologie in Gießen. Mit 21 Jahren zum Pfarrer ernannt, übernahm er nach dem Tod seines Vaters dessen Stelle. Noch als Gießener Student war M. zum enthusiastischen Anhänger der Jahnschen Turnbewegung geworden und in die von Karl Follen geführte|Burschenschaft „Die Schwarzen“ eingetreten. Seine liberal-republikanischen Anschauungen, die sich auch in seinen Predigten äußerten, fielen zur Zeit der revolutionären Erhebungen der frühen 1830er Jahre der Obrigkeit auf. M. und sein Schwager Paul Follen – der jüngere Bruder von Karl – gründeten 1833 die „Gießener Auswanderungsgesellschaft“. Diese sah in der Auswanderung und Koloniegründung eines „Neuen Deutschland“ Möglichkeiten zur Realisierung liberaler Vorstellungen. M. selbst hatte schon längere Zeit angesichts der politischen Pressionen und unter dem Einfluß von Gottfried Dudens überschwenglichem Bericht über seine Ansiedlung in Missouri (1824) mit dem Gedanken gespielt, in die USA auszuwandern. Zusammen mit Paul Follen gelang es ihm, nahezu 500 Gesellschafter von seinen Plänen zur Gründung einer „deutschen Musterrepublik“ in den Vereinigten Staaten zu überzeugen. – Obwohl die Gesellschaft unter der Leitung von Follen und M. 1834 ihren Weg in die USA fand, scheiterte doch die praktische Umsetzung ihrer Pläne. Ein Teil siedelte zusammen mit Follen und M. im Warren County, 100 Kilometer westlich von St. Louis, wo sich bereits andere deutsche Immigranten niedergelassen hatten. Anders als sein Schwager den harten Bedingungen des Frontier-Siedlerlebens gut gewachsen, wurde M. zu einem typischen Vertreter der „Latin Farmers“, jener gebildeten Immigranten, die sich der Realität stellten. So arbeitete er selbst auf der Farm und bemühte sich, den Weinbau in Missouri heimisch zu machen. Vor allem aber wirkte M. unter den deutschen Siedlern als Seelsorger. Als Mitherausgeber der religiösen deutschsprachigen Zeitschrift „Lichtfreund“ (veröffentlicht in Hermann, Missouri) propagierte er ein „rationales Christentum“, das von der Gleichheit aller Menschen ausging, und kritisierte leere kirchliche Rituale und Dogmen. Seine Auffassung brachte ihn in Verbindung mit Theodore Parker, einem bekannten Vertreter der Transzendentalisten Neuenglands, und mit der Anti-Sklaverei-Bewegung. Auf seiner Farm versuchte er den Sklavenhaltern in Missouri zu beweisen, daß auch oder gerade mit freier Arbeit Gewinne zu erzielen seien.

    Bis in die 50er Jahre glaubte M., daß Missouri durch den Zusammenschluß der deutschen Immigranten ein primär von deutscher Kultur geprägter Bundesstaat werden könnte. Er verfaßte ein Handbuch für potentielle deutsche Auswanderer nach Missouri und bereiste zu dessen Verbreitung von April bis November 1859 weite Teile Deutschlands und der Schweiz. Seiner Ansicht nach würde eine vermehrte Einwanderung auch der Sklaverei den Boden entziehen. 1854 schloß sich M. der jungen Republikanischen Partei an. Als einer ihrer Vertreter nahm er im Mai 1860 am Nominierungskonvent in Chicago teil, auf dem Abraham Lincoln, den er persönlich kannte, zum Präsidentschaftskandidaten gewählt wurde. Zu Beginn des Bürgerkrieges wurde M. 1862 als radikal-republikanischer Senator in die Legislative von Missouri entsandt und setzte sich dort vornehmlich für eine Gesetzgebung zur raschen Abschaffung der Sklaverei ein. Als diese nach dem Ende des Bürgerkrieges schließlich erfolgt war, diente ihm diese Tatsache als zusätzliches Argument für die Ansiedlung von Deutschen in Missouri. – 1866 gehörte M. zu den Mitbegründern der Philosophischen Gesellschaft von St. Louis, die es sich zur Aufgabe gestellt hatte, die Philosophie von Kant bis zu Hegel einem vorwiegend deutsch-amerikan. Publikum näherzubringen. Ralph Waldo Emerson und Bronson Alcott, die bekanntesten Repräsentanten der Neu-England-Transzendentalisten, trafen sich 1866/67 mit Mitgliedern der Philosophischen Gesellschaft. M.s umfangreiche essayistische Tätigkeit für deutschsprachige Magazine und Tageszeitungen (unter dem Ps. „Far West“) und seine treffenden Kommentare zur Tagespolitik machten ihn über Missouri hinaus bekannt.

  • Werke

    Treatise on Religion and Christianity, 1847;
    Der Staat Missouri, geschildert mit bes. Rücksicht auf teutsche Einwanderung, 1859, 31875;
    Der Staat Missouri, Ein Hdb. f. dt. Auswanderer, 1866, 31877 (engl. 1865);
    Ges. Schrr., 1902;
    Kritik d. Sagen, Geschichten e. dt. Auswanderungsges., in: Der Dt. Pionier 1, 1869, S. 186-90;
    Die künftige dt. Auswanderung nach Nordamerika, ebd. 3, 1871/72. – Hrsg.: Erinnerungen aus Dtld.s trübster Zeit, dargest. in d. Lb. v. Karl Follen, Paul Follen u. F. M., 1873.

  • Literatur

    H. J. Ruetenik, Berühmte dt. Vorkämpfer f. Fortschritt, Freiheit u. Friede in Nord-Amerika, 1888, S. 218-22;
    J. Th. Muench, A Sketch of the Life and Work of F. M., in: Missouri Historical Society Collections 3, 1908-11, S. 132-44;
    H. Haupt, in: Hess. Biogrr. II, 1927, S. 154-61;
    S. Muehl, A Brief Encounter between F. M., German-American Rationalist in Missouri, and Theodore Parker, New England Transcendentalist, In: German-American Yearbook 28, 1993, S. 13-32.

  • Autor/in

    Jörg Nagler
  • Empfohlene Zitierweise

    Nagler, Jörg, "Münch, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 518 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130830372.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA