Lebensdaten
1867 bis 1949
Geburtsort
Aachen
Sterbeort
Bad Wiessee (Oberbayern). (freireligiös)
Beruf/Funktion
Chemiker
Konfession
freireligiös
Normdaten
GND: 130237868 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eichengrün, Ernst Arthur
  • Eichengrün, Arthur
  • Eichengrün, Ernst Arthur
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Quellen(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Eichengrün, Arthur, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130237868.html [20.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Julius, Kaufm. in Aachen;
    M Emma, T des Kaufm. Moritz Meyer in Aachen;
    1) 1894 (⚮) Elizabeth Fechheimer aus Portland (Oregon), 2) (⚮) Madeleine Mynssen, 3) Lucie Henriette Bartsch ( 1950);
    6 K aus 1) u. 2).

  • Leben

    Nach der Promotion in Erlangen 1890 war E. zunächst Assistent bei C. Graebe an der Universität Genf, im Anschluß daran Chemiker bei C. H. Boehringer, Ingelheim, und C. L. Marquardt, Bonn. 1895 übertrug Carl Duisberg ihm die Leitung des pharmazeutisch-wissenschaftlichen Laboratoriums der Farbenfabriken vormals Friedrich Bayer & Co., Elberfeld. Hier arbeitete E. an der Entwicklung wichtiger Arzneimittel (Protargol, Helmitol und – gemeinsam mit Felix Hofmann – Aspirin) und widmete sich vor allem, angeregt durch Arbeiten von St-H. de Chardonnet einerseits sowie Ch. F. Cross, E. J. Bevan und L. Lederer andererseits, der Chemie der Acetylzellulose, seinem erfolgreichsten Arbeitsgebiet. Von 1901 an arbeiteten er und seine Mitarbeiter Patentverfahren zur Herstellung einer hochwertigen Acetylzellulose aus, die die Entfaltung der Acetatindustrie entscheidend beeinflußten. Das eigentliche Ziel, eine technisch verwertbare, acetonlösliche, nichtbrüchige, lagerbeständige Acetylzellulose, wurde 1905 gemeinsam mit Th. Becker und H. Guntrum erreicht. Das „Cellit“ bildete die Grundlage für den Sicherheitsfilm (Bayer-Cellit-Film) und für die Acetatkunstseide. 1908 schied E. aus der Firma Bayer aus und gründete in Berlin ein eigenes Unternehmen. Als wichtigstes Fabrikationsvorhaben gelang hier durch Beigabe geeigneter Zusatzmittel die Herstellung eines nichtbrennbaren Acetylzellulose-Zelluloids. Dieses „Cellon“ genannte und von der Rheinisch-Westfälischen Sprengstoff AG (jetzt Dynamit AG, Troisdorf) hergestellte Erzeugnis fand wegen seiner Unentflammbarkeit als Ausgangsmaterial für mannigfache Gebrauchsgegenstände und in Form von Tafeln, Röhren und Stäben weltweite Verbreitung, ebenso wie die von den „Cellon“-Werken Dr. A. E. Berlin-Charlottenburg hergestellten „unbrennbaren“ Cellon-Lacke. Hinzu kamen gegossene Folien und Spritzgußmassen aus Acetylzellulose, wobei E. auch entscheidenden Einfluß auf die Spritzgußtechnik plastischer Massen unter Wärme und Druck ausübte. Trotz zahlreicher anderweitiger umwälzender Erfindungen in der Kunststoffindustrie behaupten sich die „Cellon“-Erzeugnisse auch heute noch auf dem Markt. – Nach erfolgreichem Leben hatte E. im Alter die Härten der nationalsozialistischen Regierung zu erdulden, 1938 die Übergabe der „Cellon-Werke“ in andere Hände und schließlich eine 14monatige Internierung während des 2. Weltkrieges im Konzentrationslager Theresienstadt, Maßnahmen, die|der Hochbetagte mit Seelengröße ertrug.|

  • Auszeichnungen

    Dr.-Ing. Ehren halber (TH Hannover 1929), Dr. rer. nat. h. c. (TU Berlin-Charlottenburg 1948).

  • Werke

    „Cellon“ u. „CelIon“-Lacke im Kriege u. Frieden, in: Verhh. d. Ver. z. Förderung d. Gewerbefleißes, Jg. 1920, H. 6; Bekanntes u. Unbekanntes aus d. Acetylzellulose-Industrie, in: Chemiker-Ztg., 1927, Nr. 3, S. 25;
    Der Chem. Feuerschutz, in: Zs. f. angewandte Chemie 42, 1929, S. 214;
    Neues v. d. Acetylzellulose, in: Mitt. d. Bez. Ver. Groß-Berlin d. Ver. dt. Chemiker, Nr. 2 v. 3.2.1932;
    Über Azetatseide, in: Technologie d. Textilfasern VII, 1933; 50 J. Aspirin, in: Die Pharmazie, 4. Jg., H. 12, 1949, S. 582 ff.

  • Literatur

    C. Duisberg, Fortschritte u. Probleme d. chem. Industrie, in: Zs. f. angewandte Chemie, Jg. 26, Nr. 1 v. 3.1.1913;
    H. Stadlinger, Das Kunstseidentaschenbuch, 21930, S. 8 u. 56 ff.;
    ders., 20 J. Cellon, in: Chemiker Ztg., 1929, S. 77;
    ders., Die Verarbeitung plastischer Massen im Spritzgußverfahren, ebd. 1932, S. 409 u. 431 ff.;
    ders., Nachruf auf A. E., in: Dt. Chemiker Zs. 2. Jg. 1950, H. 1 u. 2 (P);
    K. Mienes, Celluloseester u. Cclluloseäther, 1934;
    ders., Celluloseester d. Essigsäure, in: Enz. Zelluloseverbindungen, 1935;
    H. G. Bodenbender, in: Angewandte Chemie, Ausg. A/60, 4. Jg., 1948 (P);
    Rhdb. (P);
    Pogg. VII a. – Zur Fam.: Gustav Eichengrün, Die Fam. E., 1935.

  • Autor/in

    Edgar Eichengrün
  • Empfohlene Zitierweise

    Eichengrün, Edgar, "Eichengrün, Arthur" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 373 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130237868.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA