Lebensdaten
1870 bis 1944
Geburtsort
Eckenhagen (Bergisches Land)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
katholischer Arbeiterführer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 129413402 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Otto
  • Müller, Otto Gustav

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Zitierweise

Müller, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129413402.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus sauerländ. Fam.;
    V Gustav (1843–1916) aus Römershagen b. Olpe, Lehrer in E., später in Frohnhausen b. Essen, 1877-1905 an d. ersten kath. Schule in Heißen b. Mülheim/Ruhr, S d. Franz Joseph;
    M Henriette Valenthorn (* 1848);
    B Berthold (1882–1973), Dr. phil., Pfarrer in Essen-Karnap u. Schwäb. Gmünd.

  • Leben

    Nach dem Abitur in Mülheim studierte M. seit 1889 Theologie in Bonn, wurde 1894 zum Priester geweiht und war seit 1895 Kaplan in Mönchengladbach und Vorsitzender des dortigen kath. Arbeitervereins. Dessen karitativpaternalistische Zielsetzung entwickelte er durch soziale Fragestellungen und volksbildnerische Aufgaben fort. M., der die Programmatik der entstehenden „Kath. Arbeiterbewegung“ (KAB) wesentlich beeinflußte, lehnte ständestaatliche Vorstellungen ebenso ab wie die marxistische Klassenkampfidee. Sein Ziel war der gerechte Ausgleich zwischen den „Ständen“. Damit geriet er in die Kritik von Unternehmern („roter Kaplan“) wie von Sozialdemokraten. Als Referent für Arbeiterfragen und soziales Vereinswesen in der Zentrale des Volksvereins für das kath. Deutschland (seit 1899) war M. maßgeblich am Aufbau der christlichen Gewerkschaften und der kath. Arbeitervereine beteiligt. Im innerkatholischen Gewerkschaftsstreit wandte er sich gegen die Integralisten und befürwortete funktionsfähige, vom Klerus unabhängige christliche Gewerkschaften. 1899 gründete er die „Westdeutsche Arbeiter-Zeitung“ (heute „Kath. Arbeitnehmer-Zeitung“), deren Leitung er noch im selben Jahr dem Arbeitersekretär Johann Giesberts übertrug. 1904 wurde M. nach einem Zweitstudium zum Dr. rer. pol. promoviert, im selben Jahr zum 1. Generalsekretär des neugegründeten „Verbandes der kath. Arbeiter- und Knappenvereine Westdeutschlands“ und 1906 zum Diözesanpräses von Köln ernannt. In der Folge galt M.s Ei`z einer arbeiterfreundlichen Reformpolitik (u. a. Abschaffung des preuß. Dreiklassenwahlrechts). 1919-29 war er Zentrums-Stadtverordneter in Mönchengladbach, nach Verlegung der Verbandszentrale der Arbeitervereine nach Köln bis 1933 dort Stadtverordneter.

    Als Verbandspräses (und damit Vorsitzender) der KAB seit 1918 setzte sich M. zunächst vor allem mit Josef Joos entschieden für den „Volksstaat von Weimar“ ein und wandte sich scharf gegen Kommunismus und Nationalsozialismus. 1927 holte er Bernhard Letterhaus und Nikolaus Groß in die Zentrale des Verbandes, dem etwa 200 000 Arbeiter angehörten. Nach Hitlers Machtübernahme wurden die KAB als „staatsfeindlich“ qualifiziert und immer mehr behindert, ihre Mitgliederbedroht und verfolgt (u. a. Doppelmitgliedschaftsverbot der Deutschen Arbeitsfront). Unter M.s Führung suchten die Vereine ihre Existenz zu sichern; sie erfuhren freilich bis Ende der 30er Jahre weitere Einschränkungen. Bereits in dieser Zeit bauten M., Letterhaus und Groß Kontakte zum deutschen Widerstand auf, die nach 1942 vertieft wurden (u. a. zu Alfred Delp und Carl Goerdeler). Nach dem 20.7.1944 verhaftet, starb der fast blinde und inzwischen schwer erkrankte M. in der Gestapo-Haft. Seine Mitarbeiter Letterhaus und Groß wurden hingerichtet.

  • Werke

    u. a. Erinnerungen an d. Kath. Arbeiterbewegung, in: Texte z. kath. Soziallehre, II, 1976, S. 840 ff. – Bibliogr.: G. Schoelen (Bearb.), Der Volksverein f. d. kath. Dtld. 1890-1933, 1974, S. 57 ff.

  • Literatur

    A. Pieper, O. M., in: Internat. Hdwb. d. Gewerkschaftswesens, hrsg. v. L. Heyde, II, 1932, S. 1134;
    J. Joos, Am Räderwerk d. Zeit, Erinnerungen aus d. kath. u. soz. Bewegung u. Pol., o. J. (1950);
    ders., So sah ich sie, Menschen u. Geschehnisse, 1958;
    ders., Die KAB in d. christl. Arbeiterbewegung Dtld.s. 1963;
    E. Ritter. Die kath.-soz. Bewegung Dtld.s im 19. Jh. u. d. Volksverein, 1954;
    A. Leber, Das Gewissen steht auf, 64 Lb. aus d. dt. Widerstand 1933-1945, hrsg. mit W. Brandt und K. D. Bracher, 1954;
    F. Kloidt, Verräter od. Märtyrer?, 1962;
    W. Spael, Das kath. Dtld. im 20. Jh., Seine Pionier- u. Krisenzeiten 1890-1945, 1964;
    J. Aretz, Kath. Arbeiterbewegung u. Nat.sozialismus, Der Verband kath. Arbeiter- u. Knappenvereine Westdtld.s 1923 bis 1945, 1978;
    ders., O. M., in: Zeitgesch. in Lb., III, 1979, S. 191-203 (P);
    Verfolgung u. Widerstand 1933–45, Christl. Demokraten gegen Hitler, Ausst.kat. St. Augustin 1984;
    75 J. KAB St. Joseph Mülheim-Heißen, FS, 1985;
    Kosch, Biogr. Staatshdb.

  • Autor/in

    Jürgen Aretz
  • Empfohlene Zitierweise

    Aretz, Jürgen, "Müller, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 464 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129413402.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA