Lebensdaten
1836 bis 1915
Geburtsort
Zürich-Riesbach
Sterbeort
Zürich-Riesbach
Beruf/Funktion
Industrieller
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 128811625 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Huber-Werdmüller, Emil (seit 1864)
  • Huber, Emil
  • Huber-Werdmüller, Emil (seit 1864)
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Huber, Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128811625.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Rudolf (1808–83), Seidenfabr. in Z. u. Gutsbes.;
    M Emilie (1813–88), T d. Dr. med. David Zundel in Z. u. d. Dorothea Freudweiler;
    Tante-m Anna Louise (⚭ Albert Nüscheler, Chemiker u. Großindustrieller in Z.);
    Schw Emma Dor. (⚭ Hermann Bleuler, 1837–1912, Oberst d. Art., Präs. d. Eidgenöss. Schulrats d. Polytechnikums in Z., s. HBLS);
    - Zürich 1864 Anna (1844–1911), T d. Seidenfabr. Otto Rudolf Werdmüller u. d. Anna Stockar;
    2 S, 1 T Emil H.- Stockar (1865–1939), Industrieller mit gr. Verdiensten um d. Elektrifizierung d. Schweizer. Bundesbahnen in d. J. 1902-30 (s. L), Max (s. 2), Anna Barbara (⚭ Dietrich Schindler, 1856–1936, Gen.dir. d. Maschinenfabrik Oerlikon, Präs. d. Zürcher. Seidenindustrieges., s. HBLS).

  • Leben

    H. ist eine der bedeutendsten und vielseitigsten Gründer- und Unternehmerpersönlichkeiten der Schweizer Metall- und Elektroindustrie. H. wandte sein Interesse früh der technischen Entwicklung zu. Er war einer der ersten Maschineningenieure, die in dem 1855 ins Leben gerufenen Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich (heute ETH) das Diplom erlangten. 1859-63 widmete er sich der praktischen Ausbildung bei der Firma Gebrüder Sulzer in Winterthur, wo er Charles Brown kennenlernte, und bei Escher Wyss in Zürich, wo er mit Jackson zusammen arbeitete, und besuchte daraufhin Maschinenfabriken in England, Frankreich und Belgien.

    1863 gründete H. mit Jackson zusammen in Oerlikon bei Zürich eine Fabrik für Schmiedestücke unter dem Namen P. E. Huber & Cie, die anfänglich gut ging, aber dann wegen technischer Umwälzungen 1872 liquidiert wurde und an die Commandite-AG Daverio, Siewerdt & Giesker überging. Diese Firma kämpfte aber ebenfalls mit Schwierigkeiten; aus ihr ging 1876 die AG der Werkzeug- und Maschinenfabrik Oerlikon hervor, die sich ab 1886 Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) nannte und von Anfang an (bis 1910) unter der Leitung von H. stand. Die Firma verbesserte die Wegmannschen Porzellanwalzenstühle für die Müllerei, die auf der Weltausstellung in Paris 1878 hohe Auszeichnungen erhielten. Um 1885 ging die MFO zum Bau elektrischer Maschinen über, wobei Charles Brown, und nach dessen Austritt dessen Sohn Charles E. L. Brown, die elektrische Abteilung leitete. Nach großen Anfangsschwierigkeiten stellte sich ein Erfolg ein, der die gesamte Elektrotechnik revolutionierte: Gestützt auf den ersten Versuch einer Energieübertragung über 17 km von Kriegstetten nach Solothurn, baute H. zusammen mit Oskar von Miller, dem Direktor der elektrotechnischen Ausstellung 1891 in Frankfurt am Main und späteren Gründer des Deutschen Museums in München, und Emil Rathenau von der AEG Berlin die 175 km lange Leitung vom Kraftwerk Lauffen am Neckar nach Frankfurt a. M. und übertrug auf diese Distanz 300 PS 40periodischen Drehstrom mittels Hochspannung von 25 000 Volt mit einem Wirkungsgrad von 75%. Dieser aufsehenerregende technische|Fortschritt brachte der MFO zahlreiche Aufträge für die Erstellung von Kraftanlagen und löste 1891 auch die Gründung der Firma Brown, Boveri & Co. in Baden aus, an der Charles E. L. Brown sich beteiligte.

    Die zweite große Leistung H.s galt der Aluminiumindustrie. Er gründete 1887 mit einem kleinen Kreis schweizerischer Unternehmer die Schweizerische Metallurgische Gesellschaft, die sich den französischen Erfinder Héroult als technischen Direktor gesichert hatte. Die Anlage in Neuhausen am Rheinfall war die erste große elektrolytisch arbeitende Aluminiumfabrik Europas. Gleichzeitig hatte sich aber in Deutschland unter Führung der AEG und mit Hilfe des Metallurgen Kiliani ein Konkurrenzunternehmen gebildet, das dem schweizer, hinsichtlich Kapitalkraft und Absatzmöglichkeiten überlegen war, während die Schweizer über die größeren Wasserkräfte verfügten. Den guten Beziehungen H.s zu Rathenau und seiner Verhandlungskunst ist es zu danken, daß deutsche und schweizerische Interessenten sich zur Aluminium Industrie AG Neuhausen (AIAG) zusammenschlossen. H. präsidierte dieser Gesellschaft, die eine steil aufsteigende Entwicklung nahm, bis zu seinem Lebensende.

    H. bemühte sich später immer wieder, die Aluminiumproduzenten zum Zusammenschluß zu bewegen, und hatte damit zeitweilig großen Erfolg. Da sich in Neuhausen keine Ausdehnungsmöglichkeit bot und die Landschaft des Rheinfalls geschont werden mußte, verlegte die AIAG (heute Alusuisse) ihre schweizerische Produktion nach Chippis im Wallis. Noch zu Lebzeiten H.s wurden in Europa mehrere neue Hütten mit eigener Wasserkraft in Betrieb genommen.

    Zu dem Schaffen auf technischem und industriellem Gebiet kam H.s staatsbürgerliches Wirken, seine Mitarbeit in der Schulpflege und im Gemeinderat Riesbach (damals eine Vorortgemeinde von Zürich). Unter seinem Einfluß wurde 1872 von Zürich auf den 873 m hohen Uetliberg trotz der Steigung von 70 Promille eine Adhäsionsbahn gebaut, die er bis 1898 erst als Direktor, dann als Vorsitzender des Verwaltungsrates leitete. Zur gleichen Zeit baute und leitete er in Zürich Straßenbahnen. Der erste Versuch einer Pferdebahn („Rößlitram“) datiert von 1882. Seit 1893 wurde die Straßenbahn elektrisch betrieben, und H. scheute auch nicht vor dem Wagnis der „Zürichbergbahn“ mit starken Steigungen zurück. 1875 half er bei der Gründung des Gewerbemuseums in Zürich mit und leitete auch diese Institution während einiger Jahre. Verbandspolitisch bedeutsam ist sein Wirken bei der Gründung (1884) und Leitung (1888-1915) des Vereins Schweizerischer Maschinenindustrieller (VSM). Auch im Wehrwesen wirkte er in wichtigen Funktionen, zuletzt als Kommandant einer Artilleriebrigade und maßgebliches Mitglied der eidgenössischen Artillerie-Kommission.

  • Literatur

    H. Staffelbach, P. E. H.-W. u. Emil Huber-Stockar, 1943;
    F. Rieter, in: Schweizer Pioniere d. Wirtsch. u. Technik VII, 1957 (P);
    J. P. Zwicky, Schweizer. Geschlechterbuch X, 1955;
    HBLS (auch f. Fam., P). - Zu Emil H.-Stockar:
    Elektrotechn. Zs. 60, 1939, S. 823.

  • Autor/in

    Hans Rudolf Schmid
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmid, Hans Rudolf, "Huber, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 680 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128811625.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA