Lebensdaten
1858 bis 1952
Geburtsort
Braunschweig
Sterbeort
Baden-Baden
Beruf/Funktion
Chemiker ; Fabrikant ; Chemieindustrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 123035325 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Knoll, Albert

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Zitierweise

Knoll, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123035325.html [21.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Wilhelm (1817–80), Schneidermeister u. Bgm., S d. Schneidermeisters Joh. Friedrich u. d. Johanna Matthies;
    M Wilhelmine (1818–95), T d. Polizeiagenten Friedrich Lüders u. d. Sophie Wolters;
    B Hans (1851–1933), Mitbegründer v. K.s Fabrik, kaufm. Leiter u. Repräsentant (s. L);
    - Ludwigshafen 1890 Anna Stoll (1865–1950) aus Gartenau b. Salzburg;
    3 T, u. a. Irmgard ( Wilhelm Clemm, 1882–1954, Vorstandsmitgl. d. Knoll AG);
    E Gisela Clemm (⚭ Leopold Arnsperger, * 1906, Vorsitzender d. Vorstands d. Knoll AG).

  • Leben

    K. begann nach einem Lehrjahr in der Braunschweiger Chininfabrik 1875 das Chemiestudium an der TH Braunschweig bei Friedrich Julius Otto und wechselte 1877 zur Universität Göttingen über, wo er bei Wöhler Organische Chemie hörte. Hier wurde er bei H. Hübner 1878 zum Dr. phil. promoviert. Nach einem Semester als Vorlesungsassistent bei Otto war K. in der Steingutfabrik Bauer, Magdeburg-NeustadtNeustadt, ein Jahr lang als Direktionsassistent tätig. Anschließend diente er 1880 sein Militärjahr ab und trat in die Arzneimittelfirma und Drogengroßhandlung Gehe & Co., Dresden, ein, wo er als Chemiker im Untersuchungslaboratorium und im Betrieb arbeitete. Im gleichen Unternehmen waren damals auch sein Bruder Hans und dessen späterer Schwager Max Daege tätig. K. ging 1885 zur Erweiterung seiner Kenntnisse nach England zu der Firma J. A. Wink & Co. Ltd., einer Fabrik zur Gewinnung von Opium-Alkaloiden, und erfand dort ein Verfahren zur Überführung von Morphin in Codein. 1886 kam er nach Ludwigshafen, wo Daege eine kleine Fabrik übernommen hatte und ihm Gelegenheit bot, seine Laborerfahrungen bei der Herstellung von Morphinderivaten auch im technischen Maßstab zu erproben. Diese Arbeiten verliefen erfolgreich; die dabei erzielten neuen Herstellungsverfahren für Codein und Äthylmorphin wurden patentiert. Es ist K.s Verdienst gewesen, daß er das in Mohnkapseln zu weniger als 1% enthaltene Codein erstmals auf wirtschaftliche Weise hergestellt und es damit der breiten Anwendung als husten- und schmerzstillendes Mittel zugänglich gemacht hat. Im Oktober 1886 gründete K. in Ludwigshafen die Chemische Fabrik Knoll & Co. als offene Handelsgesellschaft mit seinem Bruder Hans und mit Daege als stillen Teilhabern. Kurz darauf fand K. auch ein wirtschaftliches Verfahren zur Gewinnung von Theobromin aus Kakaoschalen. Er konnte dadurch den Preis des extrem teuren Produkts auf ⅛ des bisherigen senken und es ebenso der therapeutischen Anwendung erschließen wie zuvor das Codein. 1889 kam das Diuretin, eine wasserlösliche Doppelverbindung von Theobromin, als erstes Spezialpräparat der jungen Firma auf den Markt; es lieferte neben dem Codein die wirtschaftlichen Grundlagen für den weiteren Aufbau. Schon 1891 kam es zur Gründung der ersten ausländischen Produktionsstätte in Liestal (Schweiz). K. führte sein Unternehmen noch vor dem 1. Weltkrieg zur Weltgeltung. Der Kontakt zu namhaften Wissenschaftlern wie von Schröder, Knoevenagel und Gottlieb, Gram, Kocher und von Mehring trug zur Profilierung der Firma bei. Aus der Beschäftigung mit Opium-Alkaloiden ergaben sich weltbekannte Arzneimittelspezialitäten wie die Hustenmittel Paracodin (Dihydrocodein, 1912) und Dicodid (Dihydrocodeinon, 1923) sowie das Analgetikum Dilaudid (Dihydromorphinon, 1925). Arbeiten mit Naturstoffen führten K. zu einer weiteren Präparate-Linie, von denen das Darmadstringens Tannalbin (gehärtete Gerbsäure-Eiweiß-Verbindung, 1895) ebenso wie das Schlaf- und Beruhigungsmittel Bromural (Bromisoval, 1906) noch heute Marktgeltung besitzen. Mit der Übernahme des Geschäftsbetriebes durch die Knoll AG (1925) schied K. aus und war bis 1938 Mitglied des Aufsichtsrats, seit 1930 auch dessen Vorsitzender. – K. war ein typischer Wirtschaftspionier; Motor seines Lebenswerkes waren seine technisch-praktische Begabung, sein kritischer Blick für das Verbesserungsfähige und sein Ideenreichtum. Persönlich lebte K. sparsam und bescheiden.|

  • Auszeichnungen

    Dr. med. h. c. (Würzburg 1948).

  • Werke

    Über Codein, in: Pharmazeut. Zentralhalle 30, 1889, S. 39;
    zahlr. Patente.

  • Literatur

    Die Pharmazie 3, 1948, S. 383;
    Die Pharmazeut. Industrie 14, 1952, S. 134 f. (P);
    K. Kraft, in: Pfälz. Heiraatbll. 5, 1957, Nr. 3 (P);
    ders., in: K. Oberdorffer, Ludwigshafener Chemiker I, 1958, S. 47-77 (P);
    W. Vershofen, Wirtsch.gesch. d. chem. u. pharmazeut. Industrie III (1870–1914), 1958, S. 57, 99;
    Dt. Apotheker-Ztg. 1958, S. 543;
    Pogg. VII a. - Zu B Hans:
    Chem. Industrie, 1931, S. 150, 1933, S. 74;
    - zu M. Daege: Rhdb. (P).

  • Autor/in

    Heinz-Peter Teltz
  • Empfohlene Zitierweise

    Teltz, Heinz-Peter, "Knoll, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 207 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123035325.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA