Lebensdaten
1868 bis 1935
Geburtsort
Oberzell bei Kaufbeuren
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 120678438 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schweyer, Franz Xaver
  • Schweyer, Franz
  • Schweyer, Franz Xaver

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Zitierweise

Schweyer, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120678438.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Benedikt, Landwirt in O., dann in Tafertshofen b. Weilheim, Gutsbes.;
    M Maria Anna Huber;
    ⚭ 1899 Anna Theresia Köck, T e. Brauereibes.;
    3 S, 1 T Marianna (⚭ Hermann J. Hüffer, * 1896, Dr. phil., Gesandtschaftsrat I. Kl. in Lissabon, Hist., 1949 PD f. mittlere u. neuere Gesch. in M., 1957 apl. Prof., Vf. v. Arbb. z. span. u. amerik. Gesch., s. Wi. 1935–1958; Kürschner, Gel.-Kal. 1966).

  • Leben

    S. besuchte ein Gymnasium in Augsburg und studierte seit 1889 zunächst Philosophie, dann Jura und Volkswirtschaft in München (1895 Dr. oec. publ., 1899 Dr. iur.). 1898 trat er in den bayer. Staatsdienst (Statist. Bureau) ein und war seit 1911 als Regierungsrat (1914 Oberreg.rat) im Innenministerium tätig, wo ihm seit 1914 das Militärreferat unterstand. Während des 1. Weltkriegs oblag ihm hauptsächlich die Fürsorge für Kriegsopfer; damit blieb er auch nach der Revolution 1918/19, die das Weltbild des monarchistischen Karrierebeamten schwer erschütterte, befaßt. Im Juli 1920 berief ihn der bayer. Ministerpräsident Gustav v. Kahr zum Staatssekretär im Innenministerium in sein Kabinett, das Bayern zur „Ordnungszelle“ des Reiches machen wollte. Bei den schwierigen Gesprächen mit der Reichsregierung über die Bekämpfung des Rechtsextremismus nach der Ermordung von Matthias Erzberger gehörte S. der bayer. Verhandlungsdelegation an. Anders als v. Kahr wollte S. den Konflikt mit Berlin nicht auf die Spitze treiben, was ihn – seit Sept. 1921 bayer. Innenminister – jedoch nicht daran hinderte, im Juli 1922 gegen das Republikschutzgesetz zu votieren und sich im bayer. Ministerrat erfolgreich für eine bayer. Notverordnung zum Schutz der Verfassung einzusetzen. Die sog. vaterländischen Verbände hielt er angesichts der Schwäche der Sicherheitsorgane für notwendig, um die revolutionäre Linke in Schach zu halten. Gegenüber den intransigenten Führern der vaterländischen Verbände betonte er jedoch zugleich die Autorität des Staates und der legitimen Regierung. Die NS-Kampfverbände schätzte er früh als gefährlich ein. 1922 ließ S. sondieren, ob Hitler nach Österreich ausgewiesen werden könne. Nach schweren Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und bewaffneten Nationalsozialisten am 1.5.1923 stellte S. Strafantrag gegen Hitler wegen Landfriedensbruchs, doch Ministerpräsident Eugen v. Knilling (1865–1927) und der dt.nationale Justizminister Franz Gürtner (1881–1941) hintertrieben diese Initiative und demonstrierten damit den durch fehlende politische Unterstützung im Kabinett und enge Verbindungen zwischen Sicherheitsapparat und rechtsextremer Szene minimierten Handlungspielraum S.s. Am 8.11.1923 nahm S. an der „vaterländischen Kundgebung“ im Münchner Bürgerbräukeller teil,|die von Hitler und seinen Anhängern gestürmt wurde. Die Nationalsozialisten verschleppten den ihnen verhaßten Innenminister und bedrohten ihn mit dem Tode. S. überstand den von der bayer. Landespolizei niedergeschlagenen Putsch jedoch unversehrt und blieb zunächst im Amt, obwohl v. Knilling ihn zum Rücktritt aufgefordert hatte. Seine politische Karriere endete Anfang Juli 1924, als er nicht mehr in das neue Kabinett von Ministerpräsident Heinrich Held berufen wurde.

    S., der öffentlich kaum mehr hervortrat, verfaßte ein Werk über „Politische Geheimverbände“ (1925), in dem er sich auch mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzte, und gehörte zu den Mitbegründern des „Bundes zur Erneuerung des Reiches“, der unter der Leitung Hans Luthers (1879–1962) Überlegungen zur Neugliederung Deutschlands anstellte. S. war seit 1925 Aufsichtsratsvorsitzender der bayer. Großkraftwerke (Bayernwerk AG, Mittlere Isar AG, Walchenseewerk AG) und gehörte mehreren weiteren Aufsichträten an (u. a. Elektrizitäts-AG, vorm. Schuckert & Co., Waggonfabrik Rathgeber). 1927 hielt er sich in der Türkei auf und gründete die Südanatolische Bergbau AG mit einem Kapital von 3,5 Mio. Mark. Im Juli 1933 wurde S. wegen Beleidigung der neuen Regierung für mehr als zwei Monate in Haft genommen.

  • Auszeichnungen

    Staatsrat (1924).

  • Werke

    Weitere W Schöffau, Eine Gde. d. bayer. Voralpenlandes, 1895;
    Bankdepotgeschäfte in geschichtl., wirtschaftl. u. rechtl. Beziehung, 1899 (Diss. iur. Erlangen 1899);
    Dt. Kriegsfürsorge, 1918;
    Versorgung d. Kriegsbeschädigten u. Kriegshinterbliebenen, 1921.

  • Literatur

    H. Fenske, Konservativismus u. Rechtsradikalismus in Bayern nach 1918, 1969;
    J. Gordon, Hitlerputsch 1923, 1971 (P);
    H. Nusser, Kons. Wehrverbände in Bayern, Preußen u. Österr. 1918–1933, 1973;
    W. Zorn, Bayerns Gesch. im 20. Jh., 1986;
    J. Anker, Der Mann, d. Adolf Hitler nach Österr. ausweisen lassen wollte, in: Maximilianeum, 1995, S. 92;
    P. C. Hartmann, Die bayer. Innenmin. F. S. u. Karl Stützel u. ihre Auseinandersetzungen mit d. NS, in: Porträts z. Gesch. d. dt. Widerstands, hg. v. M. Stickler, 2005, S. 41–55;
    Rhdb. (P);
    Wenzel;
    Schärl;
    Jeserich-Neuhaus.

  • Autor/in

    Thomas Schlemmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schlemmer, Thomas, "Schweyer, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 82-83 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120678438.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA