Lebensdaten
1561 bis 1612
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Wappenmaler ; Kupferstecher ; Radierer ; Verleger
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119546655 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sibmacher, Hans
  • Sibmacher, Johann
  • Siebmacher, Johann
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Zitierweise

Siebmacher, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119546655.html [26.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Hans ( 1572), Kannengießer, aus Straßburg kommend seit 1534 Zinngießermeister u. Bürger in N. 1543–46 u. 1561–64 Geschworener (s. Nürnberger Künstlerlex.);
    M Katharina Rinder (1534–77), T e. Rotfärbers;
    4 B Georg (1563–1602), Kannengießer in N., Peter (1570–1602), Zinngießer in N. (beide s. Nürnberger Künstlerlex.), Wolfgang (1572–1633), Jeremias (1568–1601), 3 Halb-Schw, 2 Schw Margaretha Kiehner (* 1565), Ursula (* 1567);
    um 1591 Anna Sophia N. N. ( 1653, Leonhard Steurer, Handelsmann aus St. Oswald, Oberösterr.);
    10 K u. a. S Hans Melchior (* 1591, erw. um 1625), Goldschmied u. a. in Wien, Johann (1607–29), Zinngießer u. a. in Hamburg (beide s. Nürnberger Künstlerlex.), T Anna Sophia Krieger (1596–1640), Barbara Held (* 1600), Gertraud (1612–34).

  • Leben

    Nach dem Tod des Vaters wurde S. unter die Vormundschaft des Kannengießers Nicolaus Horchaimer ( 1583) gestellt. Möglicherweise lernte er bei diesem das Handwerk des Kannengießers, das auch seine Brüder Georg und Peter ergriffen (deren Namen fehlen jedoch in den Verzeichnissen der Nürnberger Kannengießerlehrjungen, sie wurden also nicht in Nürnberg ausgebildet). Hinsichtlich S.s Lehre und Werdegang zum Radierer ist nichts überliefert. Erste bekannte Arbeiten S.s sind auf 1590 datiert.

    Für Nürnberg als großes Handelszentrum waren kunsthandwerkliche Arbeiten, wie die der Goldschmiedekunst, ein wichtiger Produktions- und Handelsfaktor. S. bediente diesen Gewerbezweig mit Ornamentstichen, da man bei der frühneuzeitlichen Massenproduktion im Kunstgewerbe zunehmend auf graphische Vorlagen zurückgriff. Sein Ruhm gründet auf derartigen Ornamentstichsammlungen. 1597 ging S.s „Schön Neues Modelbuch von allerleÿ lustigen Mödeln naczunehen Zuwürcken unn Zusticken“ in Druck, das erste Modellbuch mit Vorlagen im Kupferstich überhaupt (2 Aufll., verkauft von dem Buch- und Kunsthändler Balthasar Caymox, 1583–1635). S.s zweites „Newes Modelbuch in Kupffer gemacht“ datiert von 1601 (weitere Aufll. 1602 u. 1604; mehrere Neuaufll.; eine Teilaufl. 1604 verkaufte wiederum Caymox). S.s weit mehr als 7000 Arbeiten sind nur mit einer großen Werkstatt erklärbar; nachgewiesen sind zahlreiche ihm zuarbeitende Stecher. Er selbst profitierte von Anregungen aus dem sich zunehmend entwickelnden europ. Graphikmarkt, indem er beispielsweise franz. und ital. Vorbilder zusammenführte. S. illustrierte zahlreiche Bücher, u. a. emblematische, geographische, numismatische und solche mit militärischem Inhalt, darüber hinaus Landkarten und Stadtansichten, beispielsweise seiner Heimatstadt Nürnberg, oder Bücher mit Vorlagen für Stick- und Näharbeiten. Bis heute bekannt ist sein Wappenbuch, das (mit einem kleinen Vorläufer 1596) in zwei Teilen 1605 und 1609 erschien und 5720 Einzelwappen enthält. Diese Wappenbücher wurden in zahlreichen überarbeiteten und stark erweiterten Neuauflagen (1734 waren es bereits 14767 Wappen), z. T. unter wechselnden Namen, bis in die Gegenwart wiederaufgelegt und bildeten über Jahrhunderte eine Grundlage der heraldischen Forschung. Bereits kurz nach S.s Tod setzten die zahlreichen Nachdrucke seiner Arbeiten ein, da seine Frau seine Druckplatten zu diesem Zweck verkaufte. Nach dem Tod ihres zweiten Mannes verkaufte die Witwe 1653 einen Restbestand und die Kupferplatten zum Wappenbuch an den Nürnberger Buch- und Kunsthändler Paulus Fürst (1605 oder 1608–66). In dessen Besitz waren schon zuvor auch die Kupferplatten zum Nürnberger Stadtprospekt gelangt, nachdem er durch Heirat Sortiment und Verlag des Balthasar Caymox übernommen hatte.

  • Werke

    J. S.s Wappenbuch v. 1605, hg. v. H. Appuhn, 1999;
    W-Verz.:
    Hollstein's German engravings, etchings and woodcuts 1400–1700, Bd. 60–62, bearb. v. G. Seelig, hg. v. H. Bevers, 2002.

  • Literatur

    ADB 34;
    A. Tacke (Hg.), „Der Mahler Ordnung u. Gebräuch in Nürmberg“, Die Nürnberger Maler(zunft)bücher erg. durch weitere Qu., Genealogien u. Viten d. 16., 17. u. 18. Jh., 2001, S. 574–76 u. Stammtafel 44;
    ThB;
    Dict. of Art;
    Stadtlex. Nürnberg;
    Nürnberger Künstlerlex.;
    LGB2.

  • Autor/in

    Andreas Tacke
  • Empfohlene Zitierweise

    Tacke, Andreas, "Siebmacher, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 305 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119546655.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Sibmacher: Hans oder Johann S., Wappenmaler und Kupferstecher in Nürnberg. Sein Geburtsjahr und seine Lebensverhältnisse sind unbekannt. Merkwürdigerweise nennen ihn weder Andreas Gulden noch Sandrart. Er starb am 23. März 1611 und hinterließ eine Wittwe Anna Sophie. Er war nicht nur ein Künstler sondern „soll auch ein Chymicus gewesen sein und den um 1607 herausgekommenen Wasserstein der Weisen geschrieben haben“ (Will). Im Jahre 1736 erschien dieses Werk zu Leipzig in neuer Ausgabe unter dem Titel: „Das güldene Alles etc. verfasset durch einen Ungenannten doch wohl Bekannten etc. Ich Sag's Nicht“ (Johann Sibmacher Norimbergensis). Ob er als Tafelmaler thätig war, wie behauptet worden ist, läßt sich nicht erweisen; von seinen Wappenmalereien befand sich in der nunmehr aufgelösten Derschau'schen Kunstsammlung in Nürnberg ein Band mit sorgfältig gemalten Helmzierden. Seine, theils als|Einzelblätter theils als Buchillustrationen erschienenen Kupferstiche und Radirungen zeichnen sich durch decorativen Reiz und große Zartheit der Linienführung aus. Eine sorgfältige Zusammenstellung und eingehende Beschreibung seines Werkes danken wir Andreas Andresen, der auch fünf, auf seinen Blättern vorkommende Monogramme mittheilt. Nach Andresen umfaßt dasselbe 143 Nummern und einige zweifelhafte Blätter. Die Zahl der Einzelblätter beträgt 130, die übrigen Nummern sind illustrirte Bücher, sowie Modell- und Wappenbücher. Außer einer Reihe ornamentaler Blätter, darunter 41 nach Ducerceau, schuf er in Einzelblättern Bildnisse, Monats-, Jagd- und Kriegsdarstellungen, Städteansichten, Landkarten, Wappen etc. Die von ihm mit Kupfern ausgestatteten Bücher gehören den verschiedensten Gebieten an und sind mit reichen Titelblättern versehen. Als Illustrationen finden wir von ihm Bildnisse römischer Kaiser und Kaiserinnen, römische Kaisermünzen, Darstellungen aus den Türkenkriegen, Wappen, Landkarten, Schilderungen merkwürdiger Schifffahrten, Allegorien, Embleme u. a. m. Den größten Reiz besitzen die zierlichen Darstellungen in den Emblemen des Nürnberger Arztes Joachim Camerarius, von denen in den Jahren 1590 bis 1596 drei Centurionen erschienen und denen 1604 eine von diesem begonnene und von dessen Sohn Ludwig Camerarius vollendete vierte Centurie folgte, sowie in den Emblemen der Universität Altdorf, von denen 1602 die erste und 1617 die zweite Auflage erschien.

    Sein Hauptwerk ist das für die Heraldik so außerordentlich wichtige große Wappenbuch, dessen erster Theil 1605 unter dem Titel: „New Wapenbuch“ etc. etc. in Quart erschien und ungefähr 3320 Wappen aufweist, während der mit 2400 Wappen versehene zweite Theil „Newen Wapenbuchs II. Theil“ 1609 folgte. Schon 1612 erschien eine neue Ausgabe beider Theile. 1657 veranstaltete der Kunsthändler Paul Fürst in Nürnberg, der vier Jahre früher von der Wittwe Sibmacher's die Restexemplare und die Kupferplatten um 520 fl. erworben hatte, eine dritte Auflage, und fügte einen dritten und vierten Theil sowie zehn Jahre später einen fünften und 1668 einen Anhang zu diesem hinzu. Eine abermalige Erweiterung erfuhr das Werk durch dessen Schwiegersohn Joh. Rud. Helmer, der unter Hinzufügung eines verbesserten Theils nebst Anhang das Ganze im Jahre 1705 unter dem Titel „Erneuert-verbessertes Wappenbuch“ herausgab; aber schon 1734 war eine fünfte Auflage nöthig, die von Christian Weigel in Nürnberg besorgt wurde. Das sechs Theile umfassende Werk enthielt nunmehr 14,767 Wappendarstellungen. In den Jahren 1753 bis 1806 wurde dasselbe noch durch zwölf Supplementbände bereichert. 1855 unternahm die Verlagshandlung Bauer und Raspe in Nürnberg eine anfangs von Otto Titan v. Hefner und jetzt von einer Reihe von Gelehrten besorgte Ausgabe des Werkes, von der heute 340 Lieferungen vorliegen. Schon vor Herausgabe des großen Wappenbuches, nämlich im Jahre 1596, hatte S. ein äußerst selten vorkommendes kleines Wappenbuch geschaffen, dessen Blätter weniger von heraldischer als vielmehr von ornamentaler Bedeutung sind. Wie sein großes Wappenbuch so sind auch seine mit Spitzen-, Näh- und Stickmustern versehenen Modellbücher wegen ihrer praktischen Bedeutung in unserm Jahrhundert neu herausgegeben worden, zunächst im Jahre 1866 von seiten des k. k. österr. Museums für Kunst und Industrie in Wien das 35 Blatt enthaltende Modellbuch vom Jahre 1597, die zweite Auflage eines zuerst im Jahre 1591 erschienenen Werkes, und dann im Jahre 1874 von J. D. Georgens im Verlage von Wasmuth in Berlin ein 58 Blatt enthaltendes, zuerst im Jahre 1601 erschienenes und 1604 zum zweiten Mal verlegtes Werk, welches der Pfalzgräfin Maria Elisabeth gewidmet ist und einen lehrhaften Dialog über die Nähkunst enthält. Vortreffliche Muster schuf er auch in den zur Ausführung in Treibarbeit bestimmten zwölf Blättern mit Gefäßentwürfen|für Goldschmiede, welche das Bayer. Gewerbemuseum in Nürnberg neu herausgegeben hat. Diese Serie sowie das erstgenannte Modellbuch werden von Andresen nicht genannt.

    • Literatur

      J. G. Doppelmayr, Historische Nachrichten etc. 1730. S. 210. — G. A. Will, Nürnbergisches Gelehrten-Lexikon etc. 1808. VIII, 231. — A. Andresen, Der deutsche Peintre-graveur 1872. II, 281 ff. — O. v. Schorn, „Johann Sibmacher“ in „Kunst und Gewerbe“ Wochenschrift etc., herausgegeben vom Bayr. Gewerbemuseum zu Nürnberg 1879. S. 201 ff.

  • Autor/in

    P. J. R, é, e.
  • Empfohlene Zitierweise

    Rée, Paul Johannes, "Siebmacher, Hans" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 136-138 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119546655.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA