Lebensdaten
1820 bis 1864
Geburtsort
Wanfried/Werra
Sterbeort
Kassel
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119490609 | OGND | VIAF: 54959358
Namensvarianten
  • Ungewitter, Georg Gottlob
  • Ungewitter, G.
  • Ungewitter, G. G.
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Zitierweise

Ungewitter, Georg Gottlob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119490609.html [13.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    Aus hess. Pfarrer-, Beamten- u. Juristenfam., d. mit Christoph (1638–96), Pfarrer in Schwarzenhasel b. Rotenburg/Fulda, nachweisbar ist;
    V Johann Martin Justus (1785–1845), Offz., Kaufm., Tabakfabr. in W., S d. Johann Christoph (1746–1800), Rat im Steuerkollegium in K., u. d. Amalie Reinach (1764–n. 1803);
    M Marie Juliane Elisabeth Hohmann (1797–1852);
    Urur-Gvv Johann Christoph (1681–1756), ref. Pfarrer in Marburg, Sup. u. Oberhofprediger in K.;
    Ur-Gvv Reinhard Christoph (1715–84), Sup., Konsistorialrat, Oberhofprediger in K. (beide s. ADB 39);
    Ov Johann Georg Ernst (1786–1845), Offz., Kaufm., Tabakfabr. in W.;
    Schw Mathilde ( 1852), Lisette (1824–64, beide Johann Konrad Endemann, 1821–1900, ref. Pfarrer in W., Eberschütz u. Borken, Oberschulamtsinsp. u. Metropolitan ebd.);
    Kassel 1852 Albertine Elise (1831–1903), evtl. T d. Jaques Frederic Louis Lourent Landré (erw. 1838–44), Rittmeister im Rgt. Garde du Corps in K., u. d. Friederike v. Baumbach;
    1 S Karl (* 1864, im Ausland verschollen), 5 T Frieda, Henriette, Marie, Ottilie, Lilli.

  • Leben

    U. besuchte die Volksschule in Wanfried und wurde von seinem Vater, der seine künstlerische Begabung erkannte und förderte, zusätzlich unterrichtet. Seine berufliche Ausbildung begann er 1834 in Kassel an der Polytechnischen Schule und der Höheren Gewerbeschule. 1837–40 setzte er seine Studien in München an der Bauakademie fort, u. a. bei Friedrich v. Gärtner (1791–1847) und Friedrich Bürklein (1813–72). Nach Bestehen der kurhess. Bauelevenprüfung 1840 trat U. in die Kasseler Oberbaudirektion ein, wurde aber schon zwei Jahre später auf eigenen Wunsch entlassen und zog nach Hamburg, wo der Wiederaufbau der Stadt nach dem „Großen Brand“ vom Mai 1842 zahlreiche Aufträge versprach. Nach kurzer Mitarbeit im Atelier von Johann Hinrich Klees-Wülbern (1800–45) gründete er zusammen mit Gustav Ludolf Martens (1818–72) ein eigenes Büro. 1848 wich U. wegen der revolutionären Unruhen nach Lübeck aus, im Frühjahr 1849 übersiedelte er nach Leipzig. Da er dort kaum Bauaufträge erhielt, arbeitete er intensiv theoretisch und publizierte erste Schriften und Vorlagenblätter. Verschiedene Bewerbungen auf lukrative Stellen blieben erfolglos, bis er 1851 als Lehrer für Baukunst und Bauwissenschaften an die Höhere Gewerbeschule in Kassel berufen wurde. Dort prägte er die Ausbildung einer ganzen Generation von Architekten. Nach seinem frühen Tod an Lungentuberkulose führten seine Nachfolger Peter Zindel (1841–1902) und Carl Schäfer (1844–1908), beide selbst Schüler U.s, die Lehre in seinem Sinne fort. Zu U.s wichtigsten Schülern gehören ferner Christoph Hehl (1847–1911), August Lange (1834–84), Wilhelm Lotz (1829–79) und Heinrich Wiethase (1833–93).

    U.s architektonisches Werk gliedert sich in zwei Schaffensperioden. In seiner Hamburger Zeit baute er mit seinem Partner Martens v. a. Wohn- und Geschäftshäuser, zunächst ausschließlich als Putzbauten in der Formensprache von Neurenaissance und Rundbogenstil, die er in seiner Münchner Zeit erlernt hatte. Seit 1847 wandte er sich dem Backsteinbau und dem gotischen Stil zu. Während seines Aufenthalts in Lübeck studierte er intensiv die dortige Backsteinarchitektur des Mittelalters; hier wurde er endgültig zum dogmatischen Neugotiker.

    Nach der Berufung nach Kassel beschränkte sich seine praktische Arbeit anfangs auf Innenausstattungen, z. B. Ladeneinrichtungen. Erst 1856 erhielt er wieder einen großen Bauauftrag, die ev. Kirche in Neustadt (Kr. Marburg). Der Kirchenbau, ev.-luth. wie kath., wurde nun zum Schwerpunkt seiner Arbeit. Parallel führte er eine Vielzahl an Restaurierungen und regotisierenden Ergänzungen an mittelalterlichen Kirchen durch (u. a. Zisterzienserkloster Haina).

    U. publizierte seine Theorie der Neugotik in zehn Schriften, die alle in mehreren Neu- oder Teilauflagen erschienen und großenteils ins Engl. und Franz. übersetzt wurden. Die „Vorlegeblätter“ über den Ziegel- und den Holzbau werten diese Materialien auf. Material und Konstruktion werden sichtbar gemacht und damit zu einer ästhetischen Kategorie. Dabei schätzte U. eine „malerische“ Wirkung durch bewußte Unregelmäßigkeit als ein grundlegendes Gestaltungsprinzip. In Musterbüchern, die jeweils eine theoretische Abhandlung mit Entwürfen verknüpfen, präsentierte er Grabmale, Möbel, Stadt- und Landhäuser, Kirchen sowie Ornamente. Sein Hauptwerk, das „Lehrbuch der gothischen Constructionen“ (mehrere Lieferungen 1859–64), in dem er Baugeschichte und Architekturtheorie miteinander verband, propagiert die Gotik als Universalstil für alle Bau- und Einrichtungsaufgaben.

    Als Architekt und Lehrer war U. eine Schlüsselfigur der Neugotik für Hessen, das Rheinland und durch personellen Austausch mit der Hannoveraner Schule unter Conrad Wilhelm Hase (1818–1902) auch für Norddeutschland. Sein Stilideal war die frühe, „archaische“ Gotik des späten 12. und frühen 13. Jh., wohingegen die meisten anderen Neugotiker der Hochgotik den Vorzug gaben. Die Putzarchitektur klassizistischer Tradition und den daraus erwachsenen Rundbogenstil lehnte er kategorisch ab. Intensives Studium des Mittelalters, insbesondere der Kirchenarchitektur, sollte Architekten und Bauhandwerker zur Entfaltung einer freien künstlerischen Tätigkeit befähigen.|

  • Auszeichnungen

    A Baumeister d. kurhess. Oberbaukomm. (1863); – Gedenktafel am Geb.haus in Wanfried.

  • Werke

    W u. a. Neubauten: Wohn- u. Geschäftshäuser in Hamburg (mit G. L. Martens), 1843–45;
    Gut Bergfried in Steinkirchen, 1846–48;
    Wohnhaus Breite Str. 10 in Lübeck, 1841–48;
    Wohnhaus u. Pergamentfabrik Schlenk in Leipzig, 1850; Ev. Pfarrkirchen:
    Nieste, 1859–66;
    Wasenberg, 1860–62;
    Malsfeld, 1861–64;
    Hundelshausen, 1863–67;
    Schlierbach, 1864–65; Kath. Pfarrkirchen: Momberg, 1862–70; Amöneburg, 1862–71; St. Elisabeth, FrankfurtBockenheim, 1862–70; Kanzel im Frankfurter Dom 1862; – Restaurierungen/Regotisierungen: Marienkapelle am Dom in Fritzlar, 1856; Kirche d. Ursulinenklosters in Fritzlar, 1856–57; Kath. Pfarrkirche St. Maria, Volkmarsen, 1856–59; Kloster Haina, 1857–62; Stiftskirche Wetter 1859–64; Ev. Stadtpfarrkirche Frankenberg/Eder 1859–68; Kath. Pfarrkirche St. Trinitatis, Neustadt (Kr. Marburg), um 1860; Ev. Stadtkirche Wolfhagen, 1860–66; – Wettbewerbsentwürfe: Nikolaikirche Hamburg, 1844; Votivkirche Wien, 1854–55 (2. Preis); Rathaus Innsbruck 1862; – Schrr.: Vorlegebll. f. Ziegel- u. Steinarbb., 1849–50; Vorlegebll. f. Holzarbb., 1849–51; Entwürfe zu Grabsteinen, 1850–53; Entwürfe zu goth. Möbeln, 1851–52; Entwürfe zu goth. Ornamenten, 1854; Entwürfe zu Stadt- u. Landhäusern, 2 Bde., 1856–58; Goth. Musterbuch, 2 Bde., 1856–61 (mit V. Statz u. A. Reichensperger); Land- u. Stadt-Kirchen, hg. v. E. Hillebrand, 1865–68; Slg. ma. Ornamentik, 1863–65; Verz. d. Schrr. mit Neuaufll. u. Überss.: David-Sirocko, 1997, S. 400 f. (s. L).

  • Literatur

    L K. David-Sirocko, G. G. U. u. d. maler. Neugotik in Hessen, Hamburg, Hannover u. Leipzig, 1997 (W-Verz., Kurzbiogrr. d. Schüler, Qu, L, P);
    dies., Anglo-German interconnexions during the Gothic revival, A case study from the work of G. G. U. (1820–64), in: Architectural history 41, 1998, S. 153–78;
    dies., The architecture and theory of G. G. U. 1820–1864, A continental counterpart to Victorian polychromy, in: Gothic revival, 2000, S. 203–10;
    ThB.

  • Portraits

    P Relief am Grabmal, 1906 (Kassel, Hauptfriedhof).

  • Autor/in

    Kathrin Ellwardt
  • Empfohlene Zitierweise

    Ellwardt, Kathrin, "Ungewitter, Georg Gottlob" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 639-641 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119490609.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA