Lebensdaten
um 1050 bis 1100
Sterbeort
Kloster zu Allerheiligen in Schaffhausen
Beruf/Funktion
Chronist ; Geschichtsschreiber
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119422352 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bernold von St. Blasien
  • Bernold von Sankt Blasien
  • Bernold von Constanz
  • mehr

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Zitierweise

Bernold von Konstanz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119422352.html [14.11.2018].

CC0

  • Leben

    B. erhielt als Schüler Bernhards von Konstanz und Adalberts eine gründliche kanonistische Ausbildung in der Domschule von Konstanz und verfaßte 1074 in Briefform seinen ersten Traktat gegen die Priesterehe, dem später eine ganze Reihe von Streitschriften im Sinne der gregorianischen Partei zur Sakramentenfrage, zur Frage des Verhaltens gegenüber Exkommunizierten u. a. Zeitfragen, wie zur Rechtmäßigkeit der Wahl Gebhards III. von Konstanz folgte. Die Autorität der päpstlichen Dekretalen gegenüber allen anderen Kirchenrechtssätzen vertrat B. im „Apologeticus“, einer Verteidigungsschrift für Gregors VII. Fastenbeschlüsse von 1075. Hier entwickelte er eine Art der Argumentation beim Gegenüberstellen sich scheinbar widersprechender Rechtssätze, die seine Bedeutung für die Entwicklung der scholastischen Methode erkennen läßt. - Als Parteigänger Gregors VII. nahm er 1079 an der Fastensynode in Rom teil, 1084 wurde er vom Kardinallegaten Otto von Ostia in Konstanz zum Priester geweiht, 1085 war er wahrscheinlich bei der Synode König Hermanns in Quedlinburg und 1086 sicher bei der Schlacht von Pleichfeld. Nach 1085 bezeichnete er sich als ultimus fratrum von St. Blasien, wo er möglicherweise schon früher weilte. Etwa seit 1091 lebte er im Kloster zu Allerheiligen in Schaffhausen. - B.s Hauptwerk ist seine bis zum 30.8.1100 reichende Chronik. In ihr bietet er bis 1054 Auszüge aus Hieronymus, Beda, Hermannus Contractus u. a., von 1054 an eine selbständige Bearbeitung ihm vorliegender Quellen und ab 1075 eine eigene, gut unterrichtete, seit 1077 stark gegen Heinrich IV. eingenommene Darstellung der historischen Ereignisse. Für die Jahre 1054-83 ist das Werk in größeren Abschnitten geschrieben, ab 1083/84 finden sich im Autograph (Codex latinus Monacensis 432) zahlreiche Ansätze, die auf gleichzeitige Einträge der Ereignisse schließen lassen. - Aus den Verurteilungen Berengars von Tours stellte B. einen Traktat über die Eucharistielehre zusammen, ferner verfaßte er ein liturgisches Werk, den „Micrologus“.

  • Werke

    Chronik, in: V, S. 385-467;
    Streitschrr., in: MG Libelli de lite II, S. 1-168, u. III, S. 601 f.;
    J. R. Geiselmann, B. v. St. Blasien, Sein neuentdecktes Werk üb. d. Eucharistie, 1936;
    Micrologus, in: J. P. Migne, Patrologiae cursus completus 151, Sp. 978-1022.

  • Literatur

    ADB II;
    E. Strelau, Leben u. Werke d. Mönches B. v. St. Blasien, Diss. Jena 1889;
    S. Bäumer, Der Micrologus, ein Werk B.s v. K., in: NA 18, 1893, S. 430-46;
    K. Mirbt, Die Publizistik im Za. Gregors VII., 1894;
    A. Fauser, Die Publizisten d. Investiturstreits, Diss. München 1935, S. 33-41;
    O. Greulich, Die kirchenpolit. Stellung B.s v. K., in: HJb. 55, 1935, S. 1-54;
    B. Schmeidler, Berthold als Vf. d. nach ihm benannten Ann. bis 1080 u. d. Verhältnis seiner Arb. z. Chronik B.s, in: Archiv f. Urk.-F 15, 1938, S. 159-234;
    Wattenbach-Holtzmann I, S. 521-28;
    A. van Hove, Een inleiding tot de bronnen van het Kerkelijk Recht op het einde der XIe eeuw., in: Miscellanea hist. in honorem Albert de Meyer, Löwen u. Brüssel 1946, S. 358 bis 371;
    A. Fliche, L'Apologeticus de B. de Constance, in: Comptes rendus de l'Académie des Inscriptions et des Belles-Lettres, 1949, S. 65-71;
    J. Autenrieth, Die Domschule v. Konstanz z. Zt. d. Investiturstreits, Die Arbeitsweise B.s u. zweier Konstanzer Kleriker dargest. auf Grund v. Hss.-Stud., Diss. München 1952 (ungedr.);
    H. Weisweiler, Die päpstl. Gewalt in d. Schrr. B.s v. St. Blasien aus d. Investiturstreit, in: Studi Gregoriani, Bd. 4, Rom 1952, S. 129-47.

  • Autor/in

    Johanna Autenrieth
  • Empfohlene Zitierweise

    Autenrieth, Johanna, "Bernold von Konstanz" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 127-128 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119422352.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bernold von Constanz, Geschichtschreiber, 1100. In der Bisthumsschule zu Constanz zum Geistlichen erzogen, war B. vorzüglich der Schüler des Bernhard, eines in jener Zeit berühmten Gelehrten, welcher später in Hildesheim als Lehrer thätig war, 1080 Mönch wurde, vielleicht in Corvey, und 1088 gestorben ist. Bernhard war ein so eifriger und rücksichtsloser Vorkämpfer der Grundsätze Gregors VII., daß selbst B. ihm entgegentrat, obgleich er derselben Richtung vollkommen ergeben war. Schon 1076 war er auch als Schriftsteller thätig und betheiligte sich durch verschiedene Schriften an dem damals sehr lebhaft geführten Streite über die Durchführung des Cölibats und das Verbot der Investitur von Laienhand. Im J. 1079 finden wir ihn auf der römischen Fastensynode, und als eifriger Vorkämpfer der strengkirchlichen Partei erhielt er 1084 vom Cardinallegaten Odo von Ostia zu Constanz die Priesterweihe; am 11. Aug. 1086 theilte er im Heere des Gegenkönigs Hermann die Freude über den Sieg bei Bleichfeld. Um dieselbe Zeit ist er Mönch im Kloster St. Blasien geworden, später aber in das nach Hirschauer Regel neu reformirte Kloster Schafhausen übergetreten und hier am 16. Sept. 1100 gestorben. Bis kurz vor seinem Tod, bis zum 3. Aug. 1100, hat er seine Chronik fortgeführt, deren Autograph sich noch erhalten hat und in der Münchener Bibliothek verwahrt wird. Aus diesem ersehen wir, daß die Chronik bis 1073 im Zusammenhang niedergeschrieben ist; anfangs aus allgemeinen bekannten Quellen schöpfend, zuletzt aus der Chronik Hermanns des Lahmen und der Fortsetzung derselben von Berthold, hat B. von 1055 an auch schon selbständig gearbeitet, von 1073 an aber die Erzählung gleichzeitig mit den Ereignissen fortgeführt, wie von 1084 an auch die mit fortwährend wechselnder Schrift und Dinte eingetragenen Sätze zeigen. Er hat von vielen Seiten Nachrichten erhalten, und was er selbst erlebte, berichtet, in voller Begeisterung für die kirchliche Partei, der er angehörte. Doch strebt er nach Wahrheit und beschränkt sich gewöhnlich auf einen kurzen thatsächlichen Bericht. Als Quelle für jene Zeit ist diese Chronik von hohem Werth, sowie auch Bernolds zahlreiche Streitschriften recht lebendig in die Denkungsart jener Kreise einführen. Sie sind 1791 von Ussermann herausgegeben in Germaniae Sacrae Prodromus, Vol. II. Die Chronik nach dem Autograph von Pertz, Mon. Germ. SS. V. Uebersetzung von E. Winkelmann 1863.

    • Literatur

      Vgl. W. v. Giesebrecht, Gesch. der Kaiserzeit, 3. Ausg. III. 1033. Wattenbach, Deutsch. Geschichtsquellen II. 42.

  • Autor/in

    Wattenbach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wattenbach, Wilhelm, "Bernold von Konstanz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 469-470 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119422352.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA