Lebensdaten
1881 bis 1943
Sterbeort
Ghetto Theresienstadt
Beruf/Funktion
Individualpsychologe
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 119319799 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oppenheim, David Ernst
  • unus multorum (Pseudonym)
  • Oppenheim, David
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Zitierweise

Oppenheim, David, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119319799.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Entstammte angebl. d. habsburg. Hofjudenfam. d. Oppenheimer;
    V Joachim (1848–1918), Hist., Sekr. d. Isr. Kultusgde. in B., S d. David (1816–75), Rabbiner in Ungarn u. Mähren, Hebraist;
    M Ernestine, T d. Landwirts Leopold Kaufmann in Kojetein (Mähren), u. d. Rosa N. N.;
    Urur-Gvv Hayim (1762–1822), Rabbiner in Straßnitz (Mähren);
    Ur-Gvv Bernard (Isacher Baer) (1790–1822), Rabbiner;
    Om David Kaufmann (1852–99), jüd. Hist. u. Rel.philosoph in Budapest (s. ADB 51);
    1906 Amalie (1879–1956), absolvierte als eine d. ersten Frauen e. Studium d. Math. u. Physik an d. Univ. Wien, T d. Marcus Pollack, Rabbiner in Holleschau, sei|1890 in Wien, u. d. Minna Freistadt;
    2 T Cora (* 1907, Ernst, S d. Ernst Singer, Schirmfabr. in Wien), Psychiaterin in Melbourne (Australien), Doris (* 1919. Herbert Liffman[n], um 1908-89), in Toorak (Australien) (s. W, L).

  • Leben

    O. studierte 1899-1905 Philosophie, Pädagogik und Alte Geschichte an der Univ. Wien. 1906 belegte er eine Vorlesung Sigmund Freuds (1856–1939). Seit 1908 unterrichtete er Latein und Griechisch am Akademischen Gymnasium. 1909 schickte er Freud ein Manuskript, das diesen durch profunde Kenntnisse der antiken Geschichte und Mythologie beeindruckte. Im Januar 1910 wurde O. in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung (WPV) aufgenommen. Er beteiligte sich aktiv am wissenschaftlichen Vereinsleben (u. a. im Febr. 1910 durch e. Vortrag „Das Feuer als Sexualsymbol“) und publizierte unter dem Pseudonym „unus multorum“ seine Arbeit „Der Selbstmord im kindlichen Lebensalter“. Gemeinsam mit Freud verfaßte er 1911 die Arbeit „Träume im Folklore“, die erst postum veröffentlicht wurde. Als es zum Zerwürfnis zwischen Freud und Alfred Adler (1870–1937) kam, verließ O. mit Adlers Anhängern im Oktober 1911 die WPV und wurde Gründungsmitglied der neuen Schule der Individualpsychologie.

    Im 1. Weltkrieg kämpfte er – anfangs mit begeistertem Patriotismus – an mehreren Fronten, wurde verwundet und hoch dekoriert, entwickelte sich aber zunehmend zum überzeugten Pazifisten. 1918 trat er der Sozialdemokratischen Partei bei und war bis zu deren Verbot 1934 aktives Mitglied. In den 20er Jahren betätigte sich O. im Wiener Verein für Individualpsychologie und präsidierte öffentliche wissenschaftliche Sitzungen. In Vorträgen und Aufsätzen, die in der „Internationalen Zeitschrift für Individualpsychologie“ veröffentlicht wurden, ging er psychologischen Fragen in der Dichtung nach. Im Mai 1938 wurde er von den nationalsozialistischen Machthabern vom Dienst als Gymnasiallehrer suspendiert und zwangspensioniert. Beide Töchter O.s konnten nach Australien emigrieren, ihm selbst gelang es, einen Teil seiner umfassenden Bibliothek zu retten, indem er sie an nahestehende Schüler (z. B. Friedrich Heer, Erwin Ringel) verteilte. Er wurde zusammen mit seiner Frau Amalie am 21.10.1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo man dem Diabetiker O. das lebensnotwendige Insulin vorenthielt. Seine Ehefrau überlebte und folgte 1946 ihren Töchtern nach Melbourne.

  • Werke

    Der Selbstmord im kindl. Lebensalter, in: Diskussionen d. WPV, H. 1, Über d. Selbstmord, insbes.insbesondere üb. d. Schülerselbstmord, 1910;
    Dichtung u. Menschenkenntnis, Streifzüge durch alte u. neue Lit., 1926;
    Träume im Folklore, in: S. Freud, Über Träume u. Traumdeutung, 1971 (mit S. Freud);
    Selbsterziehung u. Fremderziehung nach Seneca (1930), in: Seneca als Philos., hg. v. G. Maurach, 1975;
    … von Eurem treuen Vater David“, D. E. O. in seinen Briefen 1938-1942, hg. v. A. Gaisbauer, unter Mitarb. v. Doris O.-Liffmann, 1996 (P).Zu Doris u. Herbert Liffman: Fremde Freiheit, jüd. Emigration nach Australien, Briefe 1938-1940, hg. v. V. E. Pilgrim, D. u. H. Liffman, 1992.

  • Literatur

    H. Nunberg u. E. Federn, Protokolle d. Wiener Psychoanalyt. Vereinigung, II: 1908-10, 1977, III: 1910-11, 1979;
    B. Handlbauer, Die Adler-Freud-Kontroverse, 1990;
    D. Liffman, Brief Biography of D. E. O., Unveröff. Ms. (im Bes. d. Vf.);
    E. Mühlleitner, Biogr. Lex. d. Psychoanalyse, 1992.

  • Portraits

    Zahlr. Fotos in: Einer, der uns fehlte, D. E. O. 1881-1943, Fernsehdok. v. J. Peltner-Rambeck, Südwind-Film, München.

  • Autor/in

    Bernhard Handlbauer
  • Empfohlene Zitierweise

    Handlbauer, Bernhard, "Oppenheim, David" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 564 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119319799.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA