Lebensdaten
um 1688 bis 1748
Geburtsort
Vicenza
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119286947 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Matthielli, Lorenzo
  • Mattielli, Lorenz
  • Mattielli, Lorenzo
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Mattielli, Lorenzo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119286947.html [16.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V N.N.;
    M N.N.;
    1) Wien 1712 Elisabeth ( 1717), T d. Franz Persij Sacconi, kaiserl. Hofgärtner, u. d. Catharina N. N., 2) Wien 1723 Maria Magdalena, T d. Martin Franz Kronawetter, Einkäufer d. Kaiserin Amalia;
    4 K aus 1), 7 K aus 2), u. a. Franz Anton (* 1725), Bildhauer u. Mitarbeiter M.s, seit 1745 Insp. d. antiken u. modernen Statuen in Dresden.

  • Leben

    M. ist einer der wichtigsten Vertreter der Barockplastik ital. Provenienz nördlich der Alpen. Sein Stil zeigt eine für Oberitalien charakteristische zarte Ausprägung mit Betonung des Sentiments und klassizierender Neigung im Spätwerk. Die Fähigkeit, in Stein, Holz und Stuck zu arbeiten, erwarb M. wohl bei Orazio Marinali in Vicenza. 1710/11 schuf er in Wien die Bauplastik für das sog. Engelskirchnerische Lusthaus auf der Wieden nach Entwürfen Antonio Beduzzis (zerstört). 1714 wurde ihm die Hoffreiheit bestätigt und der Titel eines Hofbildhauers verliehen. Die Werkstatt M.s wurde zum führenden Bildhauerbetrieb im 2. und 3. Jahrzehnt des 18. Jh. in Wien. Sie war maßgeblich an den Bauunternehmungen Kaiser Karls VI. beteiligt, so 1725-28 an der skulpturenreichen Fassade der Karlskirche, 1726 an der Bauplastik der Hofbibliothek. 1728/29 entstanden die Herkulesgruppen und die Attikafiguren an der Fassade der Reichshofkanzlei in der Hofburg. M. erhielt auch zahlreiche Aufträge von Hochadel und Klerus. Die Raptusgruppen im Park des Wiener Palais Schwarzenberg (1719–24) zählen zu seinen bekanntesten Werken. M. führte hier die von Giambologna bis Bernini erprobten Möglichkeiten der Figurenverschränkung vor, wobei sein zartgliedriger Figurenstil und die ursprünglich porzellanartige Polierweißfassung den Skulpturen eine unbeschwert dekorative Note verliehen – ganz im Gegensatz zu den massig-schweren Herkulesgruppen der Hofburg, die dem heroischen Thema entsprechen mußten.

    Nicht nur die thematisch bedingte Wahl eines bestimmten Darstellungsmodus, auch der arbeitsteilige Schaffensprozeß erschwert die Beurteilung von M.s persönlichem Stil. Häufig arbeitete er mit dem Theatralingenieur Antonio Beduzzi zusammen, nach dessen malerischen Entwürfen u. a. die Erzengelgruppen an der Fassade der Wiener Michaelerkirche (1724/25) und die Bauplastik in Schloß Hetzendorf (ca. 1716/18) entstanden. Seit 1714 war M. vor allem mit der Anfertigung von Tonmodellen beschäftigt, deren Umsetzung ins große Format besonders im Falle von Schnitzplastik andere Künstler besorgten, so beim Hochaltar der Stiftskirche in Melk (1730/31). Nach den Ideen Giuseppe|Galli-Bibienas entstanden Tonmodelle M.s für die Altarfiguren (Modell des Daniel, Nürnberg, German. Nat.mus.), die schließlich von dem St. Pöltner Bildhauer Peter Widerin geschnitzt wurden. M. neigte schon in der Spätphase seiner Wiener Tätigkeit zu klassizierender Formensprache, wie seine reliefartig aufgebauten Stuckgruppen im Festsaal von Schloß Eckartsau (Apoll und Daphne, 1731) belegen. 1738 verließ M. Wien, wo er seinem Konkurrenten G. R. Donner bei dem Projekt für den Mehlmarktbrunnen unterlegen war. In Dresden erhielt er eine besonders privilegierte Stellung als Hofbildhauer Augusts des Starken und den Großauftrag, 78 Statuen für die kath. Hofkirche G. Chiaveris zu fertigen. Davon wurden 66 bis zu seinem Tod geliefert, 39 sind nach Zeichnungen Stefano Torellis von Lorenzo Zucchi als Stiche publiziert worden. Die Statuen fallen durch die Variation gemäßigter barocker Bewegungsmotive auf, die häufig mit klassizierenden Faltenformationen verbunden sind und so ihre Aufgabe, Silhouette und Pfeilerfigur zu sein, ideal erfüllen. Auch in Dresden wurde M. vom Adel beschäftigt, vor allem vom Kabinettsminister Graf v. Brühl. 1945 wurden diese Werke beim Luftangriff größtenteils zerstört.

  • Werke

    Weitere W in Österreich: Stift Melk, Bauplastik nach Riß J. Prandtauers, Stuckplastik f. d. Treppenhaus, 1714-18;
    Mariazell, Wallfahrtskirche. Modelle d. Gnadenstuhlgruppe d. Hochaltars nach Entwurf v. J. B. Fischer v. Erlach (Silberausführung J. B. Känischbauer), 1716;
    Lambach. Stiftskirche. Altarstatuen d. Hochaltars, 1717-18;
    Wien, Dominikanerkirche, Johann Nepomuk-Altar, 1724;
    ebd., St. Peter, Johann Nepomuk-Altar, um 1729, Nischenstatuen d. Choraußenwand, 1730-34;
    ebd., Bürgerl. Zeughaus, Fassaden u. Attikaskulpturen (Personifikationen d. Devise Karls VI. „Constantia et Fortitudine“) nach Entwurf A. Ospels;
    Stift Klosterneuburg, 8 Termen f. d. Sala Terrena. n. 1735;
    Wien, Kirche d. Barmherzigen Brüder, Hochaltarfiguren, 1735/36;
    Die hl. Sippe, Terrakotta, 1736 (Wien, Österr. Gal.);
    in Mähren:
    Gartenplastiken f. Stift Klosterbruck b. Znaim, heute im Schloßpark d. Neuen Schlosses v. laispitz;
    in Dresden:
    Bauplastik f. d. Palais Brühl, Augustusstr., Kaskadenwerk mit Neptunsgruppe nach Entwurf v. Z. Longuelune, ehem. im Brühlschen Garten, Friedrichstr., 1741–44, Gartenplastik f. d. Palais Moczynski, 1740.

  • Literatur

    ADB 20;
    E. Haenel, L. M., d. Bildhauer Chiaveris, in: Zs. f. Bildende Kunst NF 11, 1899, S. 106-12, 121-28;
    R. Milesi, L. M., Diss. Graz 1946 (ungedr.);
    E. Hempel, Gaetano Chiaveri, 1955, S. 127-61 (mit zahlr. Abb. d. Statuen d. Hofkirche in Dresden u. d. Stichen L. Zucchis);
    G. Schikola, Wiener Plastik d. Renaissance u. d. Barocks, in: Gesch. d. Bildenden Kunst in Wien, Plastik in Wien, 1970, S. 125 ff.;
    E. Baum, Kat. d. Österr. Barockmus. im Unteren Belvedere in Wien II/1, 1980, S. 290-94 (mit Angabe v. Qu. u. d. älteren L z. Wiener Schaffensperiode);
    W. G. Rizzi, A. Beduzzi u. J. L. v. Hildebrandt, in: Alte u. Moderne Kunst 1979, H. 166/167, S. 36 ff.;
    ders., Zur Baugesch. d. Schlosses Hetzendorf in d. Zeit d. Hochbarock, in: Wiener Gesch.bll. 37, 1982, S. 94 f. u. Anm. 62;
    ders., Das ehem. Palais Engelskirchner auf d. Wieden – e. Werk v. Antonio Beduzzi, in: Wiener Jb. f. Kunstgesch. 36, 1983, S. 233-42;
    A. Bärnreuther, Stud. z. Leben u. Werk L. M.s, Mag. arb. Erlangen-Nürnberg 1981;
    I. Schemper-Sparholz, Skulptur u. dekorative Plastik z. Z. d. Prinzen Eugen, in: Prinz Eugen u. d. barocke Österreich, hrsg. v. K. Gutkas, 1985, S. 339-49;
    Wurzbach 17;
    ThB.

  • Autor/in

    Ingeborg Schemper-Sparholz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schemper-Sparholz, Ingeborg, "Mattielli, Lorenzo" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 416-417 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119286947.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Matthielli: Lorenzo M., Bildhauer, geb. 1688 zu Vicenza. Um 1734 arbeitete M. zu Wien vier Colossalgruppen, Darstellungen von vier Kämpfen des Herkules, welche die Seiten des Portales an der ehemaligen Reichskanzlei zieren, ferner den Sieg des h. Michael über den Satan in der Barnabitenkirche, eine thronende Madonna in dem Kapuzinerkloster und unter Mader (s. o. S. 32) an den Reliefs aus dem Leben des h. Carl Borromäus, welche die Schäfte der zwei kolossalen Säulen vor der Carlskirche schmücken. Seine Hauptthätigkeit entwickelte der Künstler zu Dresden. Seine Werke sind folgende: Für das königliche Jagdschloß zu Hubertusburg zwei Trophäen für 2100 Thlr. und die Füllung des Hauptgiebels mit Mars und Venus und dem großen sächsisch-polnischen Wappen für 1470 Thlr.; für die katholische Hofkirche zu Dresden 78 Colossalfiguren von Heiligen; diese nach Zeichnungen von Stefano Torelli gefertigten Figuren sind bemerkenswerth durch klare, weithinwirkende Haltung und perspectivische theils Verkürzung, theils Verlängerung einzelner Körpertheile. M. erhielt für die zuerst aufgestellten Figuren des h. Lucas und des Apostel Thaddäus je 900 Thlr., für die folgenden durchschnittlich je 500 Thlr. Bei Anfertigung der Figuren stand dem Künstler sein Sohn Francesco zur Seite, welcher 1745 zum Inspector der antiken und modernen Statuen ernannt wurde. Für des Ministers Grafen Brühl Palais auf der Augustusstraße die Figuren der Wachsamkeit, Wissenschaft, des Meleager und der Flora, für Brühl's Garten auf der Friedrichsstraße das berühmte Kaskadenwerk mit der Neptunsgruppe nach dem Entwurfe des Architekten Zacharias Longuelune, und die Gruppen Rom und Athen, Herkules und Omphale, welche sich jetzt im Garten des Palais des Prinzen Georg, Herzogs zu Sachsen, befinden. Für das vom Oberlandbaumeister Schwartze errichtete ehemalige Gartenpalais des Grafen Mosczynski die Figuren Apollo, Diana, Mars, Venus, Theseus und Ariadne. Ferner eine Anzahl Vasen, welche sich jetzt in den öffentlichen Anlagen der Stadt Dresden befinden. Der Künstler erbaute auf königliche Kosten an der Ecke der Königstraße und des Kirchplatzes zu Neustadt-Dresden ein Haus mit Ateliers, in|welchem er öfter den Besuch des Königs August III. empfing, z. B. am 28. Juni 1740. Die Figuren der katholischen Hofkirche wurden hier gearbeitet. Ein zweites Atelier des Meisters befand sich auf dem Plantagengute zu Hosterwitz. M. soll zuerst den König August III. auf die drei herkulanischen Figuren der Sammlung des Prinzen Eugen zu Wien aufmerksam gemacht haben, und zu deren Erwerbung für das Dresdner Antikencabinet beigetragen haben. Er starb am 29. April 1748 zu Dresden. L. Zucchi hat 39 Figuren der katholischen Hofkirche gestochen.

  • Autor/in

    Steche.
  • Empfohlene Zitierweise

    Steche, "Mattielli, Lorenzo" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 673-674 unter Matthielli [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119286947.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA