Lebensdaten
1913 - 1960
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Düsseldorf
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 119128640 | OGND | VIAF: 95154933
Namensvarianten
  • Niebelschütz, Wolf von
  • Niebelschütz, Wolf von
  • Niebelschuetz, Wolf von
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Zitierweise

Niebelschütz, Wolf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119128640.html [16.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst (1879–1946), Offz., Redakteur, Schriftst., Kunsthist., Sonderbeauftragter d. Landeskonservators d. Prov. Sachsen, S d. Claus (1853–98), preuß. Hptm., u. d. Helene v. Görne (1855–1932);
    M Elisabeth (1888–1968), T d. Friedrich v. Dechend (1851–1934), Dr. phil., Mitgl. d. Patentamtes, Geh. Reg.rat, u. d. Ida Marck (1862–1938);
    Ur-Gvm Hermann v. Dechend (1814–90), Reichsbankpräs. (s. NDB III);
    B Götz (1909–81, 1] Henriette Prn. Ypsilanti, 1905–51, 2] Ruth v. Bismarck, * 1927, Goldschmiedin, Malerin), Schriftst., Kulturattaché in Italien (Kürschner, Lit.-Kal. 1973);
    Magdeburg 1937 Ilse (* 1911), T d. Bildhauers Friedrich Schwenzel u. d. Anna Himmstädt;
    2 S, 2 T.

  • Leben

    N., der in Magdeburg aufwuchs, war 1927-32 Schüler in Schulpforta. Anschließend begann er ein Studium der Geschichte in Wien und München, das er bereits Ende 1932 aus finanziellen Gründen abbrechen mußte. 1933 trat er als Volontär bei der Magdeburg. Zeitung ein, bei der auch sein Vater seit 1920 tätig war, und wurde 1935 als Nachfolger Gerhard F. Herings Feuilletonredakteur. 1937 wurden Vater und Sohn wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ entlassen. N. ging daraufhin 1938 zur Rheinisch-Westfäl. Zeitung nach Essen. 1939 publizierte er einen ersten Band Gedichte, „Preis der Gnaden“, womit seine im engeren Sinn literarische Laufbahn begann. 1940 zog er nach Hösel bei Düsseldorf um. Im selben Jahr wurde er zur Wehrmacht einberufen und redigierte, meist in Frankreich stationiert, vor allem Wehrmachtszeitungen. Er hielt auch Vorträge zu literarischen Themen und nahm an kulturpolitischen Veranstaltungen des NS-Regimes teil (u. a. Weimarer Dichtertage 1942). Bereits 1942 erschien ein zweiter Lyrik-Band, „Die Musik macht Gott allein“, der Gedichte seit 1935 enthielt. Mit diesen formkonservativen Werken (häufig Sonette, generell starke Anlehnung an musikalische Formen) erwarb er sich gewisses Ansehen. N. gehörte in diesen Jahren zum Umkreis des S. Fischer- und späteren Suhrkamp-Verlages und der von Paul Alverdes und Benno v. Mechow im Verlag Langen-Müller herausgegebenen Zeitschrift „Das Innere Reich“. – Nach kurzer Kriegsgefangenschaft kehrte N. 1945 nach Hösel zurück, etablierte sich als freier Autor und begann eine rege Vortragstätigkeit, die im wesentlichen bis 1950 andauerte. 1951 erschien mit „Sternen-Musik“ ein letzter Band Gedichte der Jahre 1942–51. In den fünfzehn Jahren bis zu seinem Tod verfaßte N. neben Literarischem eine Reihe von Gelegenheitsschriften, vor allem Firmenfestschriften (u. a. Robert Gerling, 1954).

    Literaturhistorischer Rang kommt N. durch seinen 1942 begonnenen Roman „Der Blaue Kammerherr“ (4 Bde., 1949, gekürzt 1961, ungekürzt 1972/80/90) zu, dessen Grundlage ein Libretto-Fragment Hugo v. Hofmannsthals ist („Danae oder die Vernunftheirat“, 1919). Dieser Roman, dessen Handlung den Wirren um die Verheiratung der Thronfolgerin eines fiktiven Mittelmeerstaates folgt, beschreibt in äußerst kunstvoller Form das Gesellschaftsleben eines gelegentlich als „Operetten-Barock“ bezeichneten Zeitalters. Im Erscheinungsjahr wirkte das Werk befremdlich und hatte zugleich Signalcharakter für den Neubeginn in der Bundesrepublik. In der zeitgenössischen Kritik war es umstritten, fand aber später immer wieder prominente Befürworter (u. a. Walter Jens, Marcel Reich-Ranicki, Peter Härtling, Eckhard Henscheid, Peter Wapnewski). Thematisch nahe steht dem „Blauen Kammerherrn“ die 1940 erschienene Erzählung „Verschneite Tiefen“, die jedoch den Konflikt zwischen Neigung und Pflicht für die Beteiligten tragisch wendete. Nach Erscheinen des „Blauen Kammerherrn“ wurde es still um N. Der zweite Roman, „Die Kinder der Finsternis“ (1959, zahlr. Neu- und Tb.aufll., zuletzt 1996), der während des 12. Jh. in Südfrankreich spielt, fand nicht weniger Leser, hat aber geringere literaturhistorische Bedeutung als der Vorgänger.|

  • Auszeichnungen

    Lyrik-Preis d. Zs. „Die Dame“ (1942), Schrifttumsförderungspreis d. Stadt Essen (1944), Immermann-Preis d. Stadt Düsseldorf (1952).

  • Werke

    Weitere W u. a. Freies Spiel d. Geistes, Reden u. Essays, 1961;
    Gedichte u. Dramen, 1962;
    Die Gedichte, 1962 (numerierte Liebhaberausg.);
    Der Helikon, Idylle, 1965 (Faks.);
    Über Dichtung, 1979 (Vorträge);
    Über Barock u. Rokoko, 1981 (Vorträge u. Essays);
    Barbadoro, Erz., 1982;
    Auch ich in Arkadien, Respektlose Epistel an d. Freunde, 1987.

  • Literatur

    M. Kotthaus, W. v. N., Der Blaue Kammerherr, Diss. Bonn 1957 (ungedr.);
    Wiebke Meier, in: Criticon, 1983, H. 80, S. 245-49;
    Jens M. Fischer, Kammerherr im Kahlschlag, Der Autor W. v. N., in: Merkur 39, 1985, Nr. 432, S. 152-57;
    D. Haberland, Dammi il paradiso, Zu d. Roman „Der Blaue Kammerherr“ v. W. v. N., in: Textkritik u. Interpretation, FS f. K. K. Polheim z. 60. Geb.tag, 1987, S. 385-403;
    W. v. N., Dossier, in: Juni 4, 1990, H. 1, S. 8-43 (R. Wagner, D. Haberland, W. Delabar) u. H. 2-3, S. 179-88 (H. Drafz);
    D. Haberland, in: Philobiblon 34, 1990, H. 1, S. 13-24 (W-Verz.);
    Poet. Nachbarschaft, W. v. N. u. J. v. Eichendorff, Ausst.kat. Ratingen-Hösel 1990 (Oberschles. Landesmus.);
    D. Schöttker, in: Krit. Lex. d. Gegenwartslit., 37. Nachlfg., 1991;
    M. Windfuhr, Die unterhaltende u. intellektuelle Doppelfunktion d. Romans, W. v. N. als Erzähler, in: Bilanz Düsseldorf '45, Kultur u. Ges. v. 1933 bis in d. Nachkriegszeit, hg. v. G. Cepl-Kaufmann u. a., 1992, S. 287-304;
    M. Schweizer, W. v. N., Das Frühwerk, Die Journalist. Arbb. 1932-1944, Die Gedichte, Die Erz. „Verschneite Tiefen“, 1994;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy.

  • Autor/in

    Walter Delabar
  • Empfohlene Zitierweise

    Delabar, Walter, "Niebelschütz, Wolf von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 213 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119128640.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA