Lebensdaten
1834 bis 1858
Geburtsort
Hausneindorf bei Quedlinburg
Sterbeort
Pillnitz/Elbe bei Dresden
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119111527 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Reubke, Friedrich Julius
  • Reubke, Julius
  • Reubke, Friedrich Julius
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Reubke, Julius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119111527.html [26.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf (1805–75), aus Halberstadt, Kunstdrechsler, dann Klavier- u. Orgelbauer, baute u. a. die Orgeln in St. Jacobi u. im Dom zu Magdeburg (s. MGG), S d. Georg Benjamin (1775–1819), Beamter d. kursächs. Domänenkammer, u. d. Helene Wiederholt ( um 1840);
    M Elise Wiederholt (1804–77);
    Ov Carl Gustav (1812- um 1880), Drucker in Berlin;
    B Emil (1836–85), führte d. Unternehmen d. Vaters nach dessen Tod fort (s. Riemann; MGG; New Grove), Karl (1840–60), Orgelbauer, Otto (1842–1913), Organist, Pianist, Komp., 1881-1911 Dirigent d. Robert Franz-Singak. Halle/Saale, seit 1892 Univ.musikdir., 1895 Prof. (s. MGG); – ledig;
    N Emma (* 1876, Albrecht Höpfher, 1877–1920, Schausp., Dir. d. Dt. Theaters in Hannover, s. Kosch, Theater-Lex.).

  • Leben

    R. erhielt seine musikalische Grundausbildung sowie Orgel- und Klavierunterricht bei Hermann Bönicke (1821–79) in Quedlinburg. Seit 1851 besuchte er das neugegründete Konservatorium für Musik in Berlin, wo er bei Theodor Kullak (1818–82) Klavier und bei Adolf Bernhard Marx (1795–1866) Komposition studierte und Freundschaft mit dem Pianisten Alexander Winterberger (1834–1914) schloß. Aus dieser Zeit sind die Mazurka in E-Dur und das Scherzo in d-Moll für Klavier erhalten. Vermutlich im Dez. 1855 fand in Berlin die erste Begegnung zwischen R. und Franz Liszt statt, dem er durch Hans v. Bülow als bester Schüler des Konservatoriums empfohlen worden war; vermutlich im Frühjahr des folgenden Jahres ging R. als Schüler Liszts nach Weimar. 1857 entstanden die beiden Hauptwerke R.s, die Liszt gewidmete Klaviersonate b-Moll und kurz darauf die Orgelsonate „Der 94. Psalm“ in c-Moll, die R. auf der neuen Ladegast-Orgel des Merseburger Domes am 17.6.1857 zur Uraufführung brachte. Nach vergeblicher Bewerbung um eine Organistenstelle an der Johannis-Kirche in Magdeburg übersiedelte R. um die Jahreswende 1857/58 nach Dresden. Hier wurde er in den Tonkünstlerverein aufgenommen und gab verschiedene Konzerte. Im Mai reiste er nach Pillnitz, einem nahegelegenen Kurort, wo er sich Linderung seines Lungenleidens erhoffte, verstarb jedoch schon kurze Zeit später. Peter Cornelius (1824–74) schrieb für die Gedenkfeier in Weimar ein Trauergedicht.

    Die beiden großen Sonaten für Klavier bzw. Orgel von R. sind unmittelbar durch Liszts Sonate in h-Moll für Klavier bzw. seine Orgelfantasie über „Ad nos ad salutarem undam“ angeregt, bewahren jedoch in der Technik der Themenentwicklung und ihrer formalen Struktur Eigenständigkeit. Beide Werke besitzen drei ineinander übergehende, in sich abgerundete Sätze. Die Orgelsonate ist durch Verse des 94. Psalms inspiriert, die der Erstausgabe des Werks im Druck vorangestellt wurden. Das monothematische, genialische Werk, das durch eine große Schlußfuge abgerundet wird und Prinzipien der symphonischen Dichtung auf die Orgelmusik überträgt, gilt als Meilenstein in der Orgelliteratur zwischen Mendelssohn und Max Reger. Beide Sonaten wurden 1871 im Rahmen einer von R.s Bruder geplanten, nicht vollendeten Gesamtausgabe der Werke R.s erstmals gedruckt.

  • Literatur

    R. Pohl, in: Neue Zs. f. Musik 48, 1858, Beil. zu Nr. 25;
    M. Keller, in: Musik u. Kirche 29, 1959, S. 36-39;
    D. W. Chorzempa, J. R., Life and works.|Diss. Minnesota 1971, Ann Arbor 1971 (L);
    M. Gailit, J. R. (1834-1858), Leben u. Werk, 1995 (W-Verz, L, P);
    S. Keym, Originalität oder Epigonentum? Zur motiv.-themat. Struktur d. „b-Moll-Sonate“ v. J. R. im Vgl. mit Liszts „h-Moll-Sonate“, in: Die Musikforsch. 51, 1998, S. 34-46;
    Riemann mit Erg.bd.;
    MGG;
    New Grove;
    New Grove2. – Zur Fam.: Die Orgelbaufam. R. aus Hausneindorf, hg. v. Kultur- u. Heimatgesch.ver. Hausneindorf, 1994.

  • Portraits

    Gipsmedaillon (Weimar, Stiftung Weimarer Klassik), Abb. b. Gailit (s. L).

  • Autor/in

    Marion Brück
  • Empfohlene Zitierweise

    Brück, Marion, "Reubke, Julius" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 450-451 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119111527.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA