Lebensdaten
1854 bis 1928
Geburtsort
Riga
Sterbeort
Majorenhof bei Riga
Beruf/Funktion
Schriftstellerin
Konfession
evangelisch,katholisch
Normdaten
GND: 118992996 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Marholm, Leonhard (Pseudonym)
  • Marholm, Laura (Pseudonym)
  • Mohr, Laura
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Zitierweise

Mohr, Laura, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118992996.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrik Wilhelm Theodor (1820–1915), Schiffskapitän in Nykøbing (Dänemark);
    M Amalie (1823–97), T d. Andreas Roeder u. d. Dorothea Brun;
    Kopenhagen 1889 Ola Hansson (1860–1925), schwed. Schriftst. (s. L), S d. Bauern Hans Nilsson u. d. Karna Jönsdotter;
    1 S.

  • Leben

    Ungeachtet der Herkunft des Vaters aus einer angesehenen dän.-norweg. Familie und der politischen Zugehörigkeit ihrer Heimat zu Rußland stand die sprachliche und literarische Sozialisation M.s ganz im Zeichen der deutschen Kultur. Ihre ersten Erfolge erzielte sie am Rigaer Theater mit historischen Dramen in der Nachfolge Gutzkows. Durch Georg Brandes' Schriften in die geistige Welt Ibsens eingeführt, brach sie 1885 nach Kopenhagen auf, wo sie in engsten Kontakt mit Brandes und seiner Familie kam (1895 verarbeitet im Drama „Karla Bührung“) und als Übersetzerin und Essayistin eine rastlose Vermittlungstätigkeit zwischen skandinav. und deutscher Literatur entfaltete.

    Die entscheidende Wende in ihrem Leben bedeutete die Begegnung mit dem schwed. Dichter Ola Hansson, den sie 1889 heiratete. M. stellte ihre beträchtlichen organisatorischen Fähigkeiten in den Dienst von Hanssons Werk, das sie ins Deutsche übertrug, und|trat ihrerseits mit geistesverwandten Arbeiten hervor. In Übereinstimmung mit Hanssons Nietzsche-Rezeption und der Dominanz des Erotischen in seinem Frühwerk (u. a. „Sensitiva amorosa“, 1887) bildete das erotische Erlebnis das Zentrum aller Versuche M.s, die Psychologie der Frau theoretisch oder dichterisch zu deuten. Aufsehen erregte ihre Artikelserie „Die Frauen in der skandinav. Dichtung“ in der Zeitschrift „Freie Bühne“ (1890). Zu einem Bestseller entwickelte sich der Sammelband „Das Buch der Frauen“ (1895), der von einer grundlegenden Verschiedenheit des weiblichen und des männlichen Geschlechts ausgeht, zugleich die Bedeutung der Sexualität betont und in die provozierende These mündet: „Des Weibes Inhalt ist der Mann“.

    Das Leben des Ehepaars Hansson ist durch zahlreiche Ortswechsel mit den Schwerpunkten Deutschland, Frankreich und Schweden gekennzeichnet. Bei Aufenthalten in Berlin und Friedrichshagen 1890-93 kam sie mit den wichtigsten Vertretern der frühen Berliner Moderne in Berührung. Die Reaktionen auf das dominante Auftreten M.s schwankten zwischen Bewunderung (Przybyszewski) und heftiger Ablehnung (G. Hauptmann). Zum Entstehen einer Negativ-Legende trug nicht zuletzt Strindberg bei, der in Friedrichshagen seine Selbständigkeit durch das Engagement der Hanssons für ihn bedroht glaubte und M. als „Frau Blaubart“ denunzierte. Das Ehepaar Hansson zog sich darauf nach Schliersee zurück, wo die Frauenschriftstellerin M. ihre fruchtbarste und erfolgreichste Periode durchlebte (1894-97). Nicht zuletzt von der christlichen Sozialpolitik und der bayer. Bauernbewegung beeindruckt, konvertierten M. und ihr Mann 1898. Ein verlorener Prozeß um einen Vorschuß des Albert Langen Verlags und andere Rückschläge erschütterten ihre seelische Gesundheit; von April bis Oktober 1905 war M. in der Münchner Kreisirrenanstalt interniert. Danach hat sie Deutschland für immer verlassen, zunächst in Richtung Österreich. Längere Aufenthalte in Meudon bei Paris folgten. Die letzten Jahre verbrachte M. in Riga. Erst seit 1918 sollte sie wieder in bescheidenem Umfang schriftstellerisch tätig werden; an ihre früheren Erfolge konnte sie nie mehr anknüpfen.

    Konversion und psychischer Zusammenbruch sind als Symptome für die Gefährdung eines Freiheitsverlangens zu verstehen, das seine Basis ausschließlich in der eigenen Individualität besitzt. Das Schicksal M.s verdeutlicht die Kosten des weiblichen Emanzipationsprozesses, obwohl es außerhalb der Frauenbewegung, z. T. in offener Konfrontation mit ihr verlief. Die Leistung, die sie als literarische Interpretin der weiblichen Psyche und als Mittlerin zwischen skandinav. und deutscher Moderne vollbrachte, wird durch ihr persönliches Scheitern nicht beeinträchtigt.

  • Werke

    Das Buch d. Frauen, Zeitpsycholog. Porträts, 1895;
    Wir Frauen u. unsere Dichter, 1895;
    Zur Psychol. d. Frau, 1897-1903;
    Die Frauen in d. socialen Bewegung, 1900;
    Der Weg nach Altötting u. a. Novellen, 1900. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Lund, Universitetsbtbliotek.

  • Literatur

    M. Scott-Jones, M. and the Question of Female Nature, in: S. L. Cocalis u. K. Goodman (Hrsg.), Beyond the Eternal Feminine, 1982, S. 203-23;
    S. Brantly, The Life and Writings of L. M., 1991 (P);
    P. Sprengel, „Entgleisungen“ in Hauptmanns Nachlaß, in: Orbis Litterarum 47, 1992, S. 31-51;
    B. A. Sørensen, L. M., F. Nietzsche u. G. Hauptmanns „Einsame Menschen“, ebd., S. 52-62;
    Dt.balt. Biogr. Lex.;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Friedrichs;
    Killy. – Zu Ola Hansson: I. Holm, Ola Hansson, En Studie i åttitalsromantik, 1957 (P);
    A. Widell. Ola Hansson i Tyskland, 1979;
    KLL.

  • Autor/in

    Peter Sprengel
  • Empfohlene Zitierweise

    Sprengel, Peter, "Mohr, Laura" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 711 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118992996.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA