Lebensdaten
erwähnt 1529, gestorben 1536
Geburtsort
Sankt Lorenzen, Pustertal
Sterbeort
Innsbruck
Beruf/Funktion
österreichischer Täuferführer ; Organisator der Täufergemeinschaften in Mähren
Konfession
katholisch,Täufer
Normdaten
GND: 118820303 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hutter, Jakob
  • Huetter, Jakob
  • Hueter, Jakob
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Zitierweise

Huter, Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118820303.html [19.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Schw Agnes, Mitgl. d. Gemeinde in Welsperg;
    - Katharina, T d. Lorenz Purst in Mähren, hingerichtet 1538 in Schöneck/Südtirol.

  • Leben

    H. war ein Hutmacher, er dürfte aber durch seinen Lehrer und Freund, Gregor Weber von Pflaurenz bei Moos, eine höhere Bildung erhalten haben. Wahrscheinlich wurde er in Kärnten mit der Lehre der Täufer bekannt. 1529 trat er als Vorsteher einer kleinen Gemeinde in Welsperg im Pustertal an die Öffentlichkeit. Nach der Hinrichtung Jörg Blaurocks wurde H. der Führer der Tiroler Täufer. Die grimmige Verfolgung 1529 veranlaßte ihn, sich persönlich davon zu überzeugen, ob es in Mähren eine Lebensmöglichkeit für seine Glaubensgenossen gäbe; nach seiner Rückkehr sandte er Schar um Schar nach Mähren. Er hatte sich damals bereits für jene Gruppe der widerstandslosen Täufer entschieden, die unter Führung Jakob Widemanns im Gegensatz zur Nikolsburger Gemeinde jede Anwendung von Gewalt ablehnten und in Gütergemeinschaft in Austerlitz lebten. 1531 und 1533 zog H. wieder nach Mähren, dies letzte Mal für längere Zeit. Nach Schlichtung von Streitigkeiten als unbestrittener Bischof und Führer der Gemeinde anerkannt, hat er im Laufe von zwei Jahren jene Organisation der Erzeuger- und Verbrauchergenossenschaften aufgebaut, die „Bruderhöfe“ genannt werden. Als 1535 die schwere Verfolgung hereinbrach, sandte ihn die Gemeinde nach Tirol zurück. Dort fiel er, von Häschern umstellt, in der Nacht vom 30.11./1.12.1535 in die Hände des Stadtrichters von Klausen, wurde nach Innsbruck gebracht, unter grausamer Folter verhört und zum Feuertode verurteilt. Er starb als tapferer Bekenner seines Glaubens.

    Die von H. erhaltenen 8 Sendschreiben atmen den Geist der apostolischen Zeit; die biblische Grundlage gibt ihnen ihre eindringliche Kraft und Sprachgewalt. In gleicher Weise muß er durch seine Predigten wie ein Apostel gewirkt haben.

  • Werke

    8 Sendschreiben: verz. v. R. Friedmann, Die Schrr. d. H.ischen Täufergemeinschaften, Gesamtkat. ihrer Ms.bücher, ihrer Schreiber u. ihrer Lit. (1529–1667), in: Denkschrr. d. Österr. Ak. d. Wiss., Phil.-Hist. Kl., 86, 1965, S. 118 f.;
    teilweise veröff. v. Lydia Müller, Glaubenszeugnisse oberdt. Taufgesinnter, in: Qu. u. Forschungen z. Ref.gesch. 20, 1938, S. 148-90;
    ganz, allerdings in modernem Deutsch, wiedergegeben v. Hans Fischer, J. H., Leben, Frömmigkeit, Briefe, in: Mennonite Historical Series 4, 1956.

  • Literatur

    ADB 13;
    J. Loserth, Der Anabaptismus in Tirol v. s. Anfängen b. z. Tode J. H.s (1526-36), in: AÖG 78, 1892;
    Hans Fischer, J. H., s. W;
    G. Mecenseffy, Gesch. d. Protestantismus in Österreich, 1956;
    H. J. Hillerbrand, Bibliogr. d. Täufertums 1520-1630, in: Qu. z. Gesch. d. Täufer X, 1962, S. 76;
    V. Peters, All things common, The Hutterian Way of Life, Minneapolis 1965;
    W. Schäufele, Das missionar. Bewußtsein d. Täufer, in: Btrr. z. Gesch. u. Lehre d. ref. Kirche 21, 1966;
    - zu H.s Wirkung auf Nachfolger in Nord- u. Südamerika:
    A. J. F. Zieglschmid, Unpublished 16th Century Letters of the Hutterian Brethren, in: Mennonite Quarterly Review, April, 1941;
    ders., Die älteste Chronik der H.ischen Brüder, 1943;
    ders., Das Klein-Gesch.buch d. H.-ischen Brüder, 1947;
    R. Friedmann, Hutterite Studies, hrsg. v. Mennonite Historical Society, 1961;
    Mennonit. Lex. II, 1937, S. 375-78;
    Mennonite Enc. II, 1956, S. 851-54;
    RGG.

  • Autor/in

    Grete Mecenseffy
  • Empfohlene Zitierweise

    Mecenseffy, Grete, "Huter, Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 91 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118820303.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Huter: Jakob H. (nicht Hutter), geb. zu Welsberg im Pusterthal, schließt sich den Täuferischen an und wird dann zum Diener des Worts in einer Gemeinde seiner Heimath gewählt. Um 1528 besucht er im Auftrag seiner Glaubensgenossen die täuferische Gemeinde zu Austerlitz zum Zweck der Erkundigung. Seitdem leitet er die tirolische Auswanderung nach Mähren, und ist überhaupt ein Mann hervorragenden Ansehens in beiden Ländern. Seine Wirksamkeit ist eine doppelte: in Tirol Propaganda, in Mähren Regierung und Gesetzgebung. Vom 11. August 1533 bis ins dritte Jahr weilt er unausgesetzt in Mähren, an der Spitze der Anspitzer, dann der Mährischen überhaupt. In dieser Zeit gelingt es ihm, die Spaltungen unter den Brüdern zu beseitigen und eine dauernde Ordnung zu gründen. Er nimmt dadurch in der Geschichte der Mährischen, beziehungsweise der oberdeutschen Täuferischen eine ähnliche Stellung ein wie zu gleicher Zeit Menno Simons bei den niederländischen Taufgesinnten, die von Menno den Namen Mennoniten erhalten haben, wie den Mährischen der Name der Huterischen geblieben ist. In der zweiten Hälfte des J. 1535 kehrte H. nach Tirol zurück und fiel dort der Verfolgung zum Opfer. Er starb zu Innsbruck auf dem Scheiterhaufen am 25. Februar 1536. — Das Einzelne seiner Lehren, Thaten und Schicksale ist durchweg der Aufklärung und Würdigung bedürftig.

    • Literatur

      Die Mährische Wiedertäufer-Chronik, herausgeg. von Wolny im Archiv f. K. österr. Gesch.qu., 1850. — v. Kripp, Beitrag zur Gesch. d. Wiedertäufer in Tirol, 1857. — Cornelius, Gesch. d. Münsterischen Aufruhrs, II. 1860.

  • Autor/in

    Cornelius.
  • Empfohlene Zitierweise

    Cornelius, Carl Adolf, "Huter, Jakob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 460 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118820303.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA