Lebensdaten
1944 bis 2001
Geburtsort
Sangerhausen (Sachsen-Anhalt)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Maler ; Bühnenbildner ; Regisseur ; Schriftsteller ; Photograph
Konfession
-
Normdaten
GND: 118818724 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schleef, Einar Wilhelm Heinrich
  • Schleef, Einar
  • Schleef, Einar Wilhelm Heinrich
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Schleef, Einar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118818724.html [26.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm, Architekt in S.;
    M Gertrud, Näherin, T d. N. N. Hoffmann, Schuster u. Kutscher, u. d. N. N., Schuhstepperin;
    B Hans-Reiner (* 1936); Lebensgefährtin Gabriele Gerecke, Miterbin v. S.s. bildner. Nachlaß (s. W, L); K.

  • Leben

    Während seiner Schulzeit 1959-64 an der Geschwister-Scholl-Oberschule erhielt S., von seinem Kunstlehrer gefördert, erste Ausstellungen. 1962 gestaltete S. sein erstes Bühnenbild für eine Szene aus „Die Mutter“ von Bert Brecht anläßlich einer Aufführung der Schultheatergruppe, 1963 entstand der früheste Prosatext „Traum“. Seit 1964 studierte S. Malerei an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin, die er wegen Beleidigung eines Professors 1965 verlassen mußte. Danach war er u. a. als Bühnenbildassistent am Berliner Maxim Gorki Theater sowie am Berliner Ensemble tätig und begann, als Fotograf zu arbeiten. 1967 konnte er sein Studium in Weißensee wieder aufnehmen und wechselte zu Heinrich Kilger (1907–70) in das Fach Bühnenbild. 1971-73 war er Meisterschüler des Bühnenbildners Karl v. Appen (1900–81) an der Akademie der Künste. 1972 übernahm er seine erste Ausstattung an einem Theater für Tirso de Molinas „Don Gil von den grünen Hosen“ (Berliner Volksbühne, Regie Brigitte Soubeyran). für die er den Kritikerpreis der Berliner Zeitung erhielt. Im selben Jahr kam es zur Zusammenarbeit mit dem Regisseur Bernd Klaus Tragelehn (* 1936), mit dem er am Berliner Ensemble Erwin Strittmatters „Katzgraben“ als Bühnengestalter und erstmals auch als Co-Regisseur in Szene setzte. Es folgten weitere vielbeachtete und in der DDR umstrittene Produktionen an diesem Haus wie Wedekinds „Frühlings Erwachen“ (1974) und Strindbergs „Fräulein Julie“ (1975), das auf persönliche Anordnung Erich Honeckers nach wenigen ausverkauften Vorstellungen vom Spielplan genommen wurde. Die zunehmenden Einschränkungen in der künstlerischen Arbeit bewogen S., damals einer der interessantesten und vielversprechendsten Jungregisseure der DDR, dazu, 1976, nach einer Probenarbeit am Wiener Burgtheater, in Westdeutschland zu bleiben.

    Hier machte er zunächst nur als Schriftsteller auf sich aufmerksam, etwa mit dem zweibändigen Roman „Gertrud“, einer eigenwilligen, in Monologform angelegten Biographie seiner Mutter, in der er das Leben in Ostdeutschland schilderte (2 Bde., 1980–84). Zudem schrieb S. Erzählungen, Hörspiele und Theaterstücke, für die er mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde. 1978-82 studierte er Regie an der Dt. Film- und Fernsehakademie in Berlin. Er war für den Hörfunk (u. a. Republikflucht, Hess. Rundfunk 1978) und als Schauspieler im Experimentalfilm „Zufall“ (ZDF 1984, Regie: Hans-Peter Böffgen) tätig. Erst 1985 erhielt S. am Schauspiel Frankfurt unter der Intendanz Günther Rühles (* 1924) die Möglichkeit, wieder als Regisseur zu arbeiten. Dort stellte er seine Inszenierungen in leere Bühnenräume mit weißen Hintergründen und wenigen symbolischen Wirklichkeitszitaten; häufig hob eine lange Rampe, die in den Zuschauerraum führte, die Trennung zwischen Publikum und Bühne auf. Diese „mythischen Räume“ sollten durch die rhythmischen und aggressiven Bewegungen des Chores gefüllt und damit „komplettiert“ werden. Diese Neukonzeption des antiken Chores, wie etwa in der Antikenadaption „Mütter“ (1986) nach Aischylos, blieb ein wichtiger Bestandteil von S.s Regiearbeit, zog von Anfang an aber auch extreme Reaktionen der Kritik nach sich. Seine zweite Regiearbeit in Frankfurt, Hauptmanns „Vor Sonnenaufgang“ (1987) wurde jedoch 1988 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. 1993 zeichnete er für die Uraufführung von Rolf Hochhuths Stück „Wessis in Weimar“ am Berliner Ensemble verantwortlich. Während den Autor die Interpretation des „Regieberserkers“ S. derart befremdete, daß er sie verhindern wollte, wurde S.s Leistung von der Presse gerühmt. Am Düsseldorfer Schauspielhaus brachte S. 1997 Oscar Wildes „Salome“ heraus, die man wie seine Burgtheater-Inszenierung von Elfriede Jelineks „Ein Sportstück“ (1998) zum Theatertreffen nach Berlin einlud. 1997 veröffentlichte er den Essay „Droge Faust Parsifal“, eine theoretische Abhandlung seiner Theaterarbeit und seine Autobiographie.

  • Auszeichnungen

    Preis d. Jürgen Ponto-Stiftung f. „Gertrud“ (1981); Kodak-Fotobuchpreis f. „Zuhause“ (1981); Kritikerpreis (1986); Alfred-Döblin-Preis (1989); Kortner-Preis 1990 (mit B. K. Tragelehn); Mühlheimer Dramatikerpreis (1995); Bremer Lit.preis f. „Droge Faust Parsifal“ (1997); Josef-Kainz-Medaille d. Stadt Wien (1999); Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis (postum 2001).

  • Werke

    u. a. Schrr.: Zuhause, 1981;
    Die Bande, 1982;
    Wezel, 1983;
    Schlangen, Die Gesch. d. Stadt Theben, 1986 (mit Hans-Ulrich Müller-Schwefe);
    Die Schauspieler, 1986;
    Arthur, 1986;
    Waffenruhe,|1987 (mit Michael Schmidt);
    Republikflucht Waffenstillstand Heimkehr, Ausst.kat. Berlin 1992;
    Heimkehr (= Drucksache 2), 1993;
    Zigaretten, 1998;
    Vom Leichtfuß, 1998;
    Totentrompeten 1-4, Stücke u. Materialien, 2003;
    Mooskammer, 2004;
    Tagebuch 1953-1963, hg. v. W. Menninghaus, 2004;
    Theaterstücke:
    Berlin, ein Meer d. Friedens, 1973/74;
    Lucrezia Borgia nach Victor Hugo u. Georg Büchner, 1978;
    Das lustige Land, 1984;
    Die Nacht nach Wolfgang Amadeus Mozart (mit Bertrand Sauvat u. G. Gerecke), 1987;
    Die Schauspieler, 1988;
    Totentrompeten 1-4: Totentrompeten, 1995;
    Drei Alte tanzen Tango, 1997;
    Wilder Sommer nach Carlo Goldoni, 1999;
    Dt. Sprache schwere Sprache, 2000;
    Gute Reise auf Wiedersehen (Fragment);
    - Inszenierungen: Die Schauspieler, v. E. S., 1988;
    Gesch. Gottfriedens v. Berlichingen mit d. eisernen Hand dramatisirt, 1989;
    Neunzehnhundertachtzehn oder Sklavenkrieg, v. Lion Feuchtwanger, alle Schauspiel Frankfurt, 1990;
    Herr Puntila u. sein Knecht Matti, v. Bertolt Brecht, Berliner Ensemble, 1996;
    Wilder Sommer, E. S. nach Carlo Goldoni, ebd., 1999;
    Verratenes Volk, E. S. nach Alfred Döblin, John Milton, Friedrich Nietzsche u. Edwin Erich Dwinger, Dt. Theater Berlin, 2000;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Berliner Akademie d. Künste; ca. 4000 Zeichnungen u. 140 Gem.: Moritzburg (Halle/Saale, Leihgabe v. G. Gerecke u. Dr. H.-U. Müller-Schwefe).

  • Literatur

    H. Schödel, in: SZ v. 2.8.2001 (P);
    G. Stadelmaier, in: FAZ v. 2.8.2001 (P);
    Ch. Funke, in: NZZ v. 3.8.2001;
    N. Eckert, Das Bühnenbild im 20. Jh., 1998, S. 154 f.;
    M. Dreysse Passos de Carvalho, Szene vor dem Palast, Die Theatralisierung d. Chors im Theater E. S.s, 1999;
    G. Gerecke, Harald Müller u. H.-U. Müller-Schwefe (Hg.), E. S. Arbeitsbuch, 2002 (P);
    Schwarz Rot Gold/Glaube Liebe Hoffnung, E. S.: Malerei/Text/Fotogr./Theater, Ausst.kat. Kestner Ges. Hannover 2002;
    W. Behrens. E. S., Werk u. Person, 2003 (Biogr., W-Verz., Kritiken, P);
    D. Roesner, Theater als Musik, Verfahren d. Musikalisierung in chor. Theaterformen b. Christoph Marthaler, E. S. u. Robert Wilson, 2003;
    E. S., Kontaktbögen, Fotografie 1965-2001, hg. v. Harald Müller u. W. Behrens, Ausst.kat. d. Ak. d. Künste, Berlin, 2006;
    Killy;
    Sucher, Theaterlex., 1999;
    Munzinger;
    Krit. Lex. z. dt.sprachigen Gegenwartsliteratur.

  • Autor/in

    Ulrike Krone-Balcke
  • Empfohlene Zitierweise

    Krone-Balcke, Ulrike, "Schleef, Einar" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 34-35 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118818724.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA