Lebensdaten
1780 bis 1857
Geburtsort
Ziebigk bei Köthen (Anhalt)
Sterbeort
Ziebigk bei Köthen (Anhalt)
Beruf/Funktion
Naturforscher ; Ornithologe
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 118785761 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Naumann, Johann Friedrich

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Zitierweise

Naumann, Johann Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118785761.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Andreas (1744–1826), Landwirt, Ornithologe in Z. (s. ADB 23), S d. Bauern Theodor Andreas ( 1755) in Z.;
    M Christiane Marie Sophie Liessmann (1760–89) aus Mosigkau;
    B Carl Andreas (1787–1854), anhalt. Leibjäger, Förster;
    Zschernitz 1807 Marie Juliane (1788–1849), T d. Bauern Michael Troitsch in Zschernitz;
    5 S (2 früh †), Julius (1809–67), Tier- u. Pflanzenmaler, Theodor (1817–78), Tierarzt in Calbe, Edmund (1821–98), Landwirt, N.s Nachfolger als Insp. d. hzgl. Naturalienkab. in Köthen, 4 T;
    E Helene Bertha (⚭ Peter Thomsen, 1875–1954, Oberstud.-dir. in Dresden, s. L).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Hauptschule in Dessau (1790–94) arbeitete N., der ein talentierter Zeichner war, für seinen Vater als Illustrator für dessen im Selbstverlag erscheinende „Naturgeschichte der Land- u. Wasservögel des nördlichen Deutschland“ (4 Bde., 1795–1804). Ab dem 3. Band trug er nicht nur Abbildungen, sondern auch Beobachtungen bei und komplettierte des Vaters Werk 1804-17 mit der Herausgabe von acht „Nachträgen“, für die er 233 Tafeln zeichnete und stach. Dies war der Auftakt zu N.s Hauptwerk, der „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands nach eigenen Erfahrungen entworfen“ (1820-44), einer umfassenden Monographie der Vögel Mittel- und Nordeuropas, die bald hochgeschätzt war. Dazu trugen neben den auf Lebendbeobachtung – statt, wie bisher üblich, auf Stopfpräparate – gegründeten Abbildungen und den zahlreichen Beobachtungen seines Bruders Carl Andreas auch die vergleichend anatomisch-physiologischen Abschnitte bei, die der Hallesche Zoologe Christian Ludwig Nitzsch (1782–1837) verfaßte. Das Werk enthält ausführliche Schilderungen der Lebensweise der Arten (Wandel im Federkleid, Lebensgewohnheiten, Nahrung, Brut und Brutfürsorge, Gesänge und Rufe) und viele Details über das Verhalten und die Verbreitung. Wenngleich aus heutiger Sicht nicht ohne Mängel, diente es doch der Schulung von Generationen von Ornithologen. Als Voraussetzung für den Artenvergleich erweiterte N. die schon vom Vater angelegte Vogelsammlung und vervollkommnete seine Fähigkeiten im Präparieren und Aufstellen, so daß viele Originalpräparate der in der „Naturgeschichte“ dargestellten Vögel bis heute erhalten blieben. Seine Sammlungen wurden 1821 vom Hzgt. Anhalt-Köthen erworben und N. zu deren Kustos bestellt. Das auf diesen Beständen fußende naturkundliche Museum trägt seinen Namen. – Prof.-titel (1837); Dr. phil. h. c. (Breslau 1839); Gründungspräs, d. dt. Ornitholog. Ges. (1850).

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Eier d. Vögel Dtld.s u. d. benachbarten Länder in naturgetreuen Abb. u. Beschreibungen, 1818-28;
    Ueber den Haushalt d. nord. Seevögel Europa's, 1824;
    Taxidermie od. d. Lehre, Thiere aller Klassen am einfachsten u. zweckmäßigsten f. Kabinette auszustopfen, 1815, 21848 (Nachdr. 1982).

  • Literatur

    ADB 23;
    P. Leverkühn, Biographisches üb. d. drei N.s u. Bibliographisches üb. ihre Werke, in: Naturgesch. d. Vögel Dtld.s, 21904, Bd. 1, S. IX-XLVI;
    O. Heinroth, in: Btrr. z. Fortpflanzungsbiol. d. Vögel, hrsg. v. L. Schuster, N.-Gedächtnish., 1930 (W, P);
    P. Thomsen, J. F. N., d. Altmeister d. dt. Vogelkde., Sein Leben u. seine Werke (postum bearb. u. erg. v. E. Stresemann), 1957, in: Lebensdarst. dt. Naturforscher, hrsg. v. d. Dt. Ak. d. Naturforscher Leopoldina, Nr. 6 (W, P);
    E. Stresemann, Die Entwicklung d. Ornithol., 1951;
    W. Wenzel, Verz. d. Pflanzendarst. im Nachlaß v. J. F. N. in: Wiss. Hb. d. PH „Wolfgang Ratke“ 8, 1981, S. 83-105;
    L. Baege, Verz. d. Schrr. u. d. N.-Erbpflege. in: Bll.|a. d. Naumann-Mus. 5, 1981, 9, 1986;
    ders., Kat. d. N.-Korr. in d. Slgg. d. Naumann-Mus., in: ebd. 8, 1984;
    D. v. Knorre, Das Naumann-Mus. in Köthen, in: Neue Mus.kde., 31, 1988, S. 46-53 (P).

  • Autor/in

    Ilse Jahn
  • Empfohlene Zitierweise

    Jahn, Ilse, "Naumann, Johann Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 771 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118785761.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Naumann: Johann Friedrich N., Sohn des vorigen, wurde am 15. Febr. 1780 zu Ziebigk geboren. Bis zu seinem zehnten Jahre besuchte er die Schule seines Geburtsortes, dann die Schule zu Dessau; doch schon in seinem fünfzehnten Jahre wurde er von seinem Vater zurückgerufen, um die Landwirthschaft zu erlernen. Zugleich aber ließ ihn sein Vater an seinen ornithologischen Beobachtungen theil nehmen und, da er ein großes Talent zum Zeichnen und Malen an ihm wahrnahm, hielt er ihn dazu an, jeden Vogel, der lebend oder todt in seine Hände kam, so oft zu malen, bis das Gemälde dem Urbilde völlig glich. Bald erreichten diese Abbildungen einen hohen Grad von Vollendung, und es entstand eine Sammlung von Abbildungen aller in der Gegend vorkommenden Vögel. Mit dieser mechanischen Fertigkeit verband N. eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe und einen unermüdlichen Fleiß. So gelang es ihm bald, in seine Lieblingswissenschaft immer weiter einzudringen und sich durch mehrere kleinere Werke als tüchtiger Ornithologe bekannt zu machen. Seine erste Arbeit ist „Taxidermie“ 1815, worin er seine Methode, Vögel auszustopfen, erläutert. Er hatte sich in dieser Kunst eine solche Fertigkeit erworben, daß seine Sammlung ausgestopfter Vögel, welche später im herzoglichen Schlosse zu Cöthen aufgestellt wurde, durch die sorgfältigste Nachahmung der Natur alle anderen derartigen Sammlungen weit übertraf. — In Folge mehrfacher Aufforderungen beschloß er, das Werk seines Vaters in neuer Auslage erscheinen zu lassen und die Sammlung von Abbildungen, die er im Lause der Zeit angefertigt hatte, hiebei zu verwerthen. Auf Veranlassung seines Vaters stach er dieselben selbst in Kupfer. Ein Viertel Jahrhundert hat er diesem Werke gewidmet und zahlreiche mehr oder weniger ausgedehnte Reisen mußte er unternehmen, um die in Anhalt nicht nistenden Vögel in ihrer Heimath zu beobachten und abzubilden. Im Jahre 1822 erschien der erste Band dieser „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands“ und 1844 wurde das Werk mit dem zwölften Bande geschlossen. Es enthält 350 meisterhaft ausgeführte Kupfertafeln und bildet die Grundlage aller späteren Forschungen der deutschen Ornithologie; fast durchweg auf eigenen, höchst genauen Beobachtungen basirend, behandelt es mit erschöpfender Gründlichkeit die Synonymik eines jeden Vogels, die Beschreibung der verschiedenen Geschlechter und Alterszustände, die sorgfältige Angabe der Lebensgewohnheiten, des Aufenthalts, der Nahrung, der Fortpflanzung, der Feinde, der Jagd und des Nutzens oder Schadens. Nachträge dazu erschienen von Blasius, Baldamus und Sturm 1851—60.

    Wenn auch die Ornithologie Naumann's Lieblingsbeschäftigung war, so interessirte er sich doch auch in hohem Maße für alle übrigen Zweige der Naturgeschichte,|In seinem Garten cultivirte er die verschiedensten Pflanzen, die er theilweise von seinen Reisen mitgebracht hatte, und er hat das nicht geringe Verdienst, viele Obst- und Weinsorten, welche sich für das Klima seiner Heimath besonders eignen, eingeführt zu haben. In Anerkennung seiner Verdienste wurde er vom Herzoge von Anhalt-Cöthen zum Professor und Inspector des ornithologischen Museums ernannt. In seltener körperlicher Rüstigkeit und Geistesfrische erreichte er das 75. Lebensjahr; da befiel ihn ein Augenleiden, welches seine rastlose Thätigkeit hemmte, und nun ging es rasch mit ihm abwärts. Am 15. August 1857 starb N. ohne Krankheit in einem Alter von 77 Jahren und wurde zu Prosigk neben seiner bereits 1859 verstorbenen Gattin bestattet. Ihm und seinem Vater zu Ehren hat die ornithologische Gesellschaft ihr Organ „Naumannia“ genannt. Im Jahrgange 1857 findet sich seine ausführliche Biographie.

  • Autor/in

    W. Heß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heß, Wilhelm, "Naumann, Johann Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 315-316 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118785761.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA