Lebensdaten
1881 bis 1954
Geburtsort
Braunfels/Lahn
Sterbeort
Lager Wladimirowka (Sowjetunion)
Beruf/Funktion
Generalfeldmarschall
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118777319 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kleist, Ewald von

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Zitierweise

Kleist, Ewald von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118777319.html [23.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Hugo (1848–1923), Dr. phil., Prof., Geh. Studienrat, Vf. v. Schrr. üb. Plotin, S d. Julius (1809–73), preuß. Premierlt. a. D., u. d. Anna Oßmann;
    M Elisabeth (1856–1956), T d. Rudolf Gley, auf Kuhbier u. Voßberg b. Pritzwalk, u. d. Emilie Schmidt;
    Hannover 1910 Gisela (1889–1958), T d. Hptm. a. D. u. Kaufm. Edmund Wachter u. d. Alice Röber;
    2 S.

  • Leben

    Als Führer größerer Panzerverbände, die nach ihm benannt waren und operative Erfolge errangen (1940 und 1941), ist K. oder zumindest sein Name bereits in der ersten Hälfte des 2. Weltkrieges vielen Soldaten des Heeres ein fester Begriff gewesen. Dennoch war er kein ungestümer Draufgänger wie Guderian, sondern pflegte, wo es nur angängig war, die Risiken abzuwägen und unnötige Verluste der Truppe zu vermeiden. K.s militärische Laufbahn vollzog sich in zwei Abschnitten. – Der junge Artillerieoffizier (Fahnenjunker 1900) wechselte 1912 als Oberleutnant zur Kavallerie, zog mit dem Danziger 1. Leibhusaren-Regiment in den 1. Weltkrieg, vollendete seine Generalstabsausbildung und bekleidete seit 1916 verschiedene Stellungen als Generalstabsoffizier in höheren Stäben. 1919 ließ K. sich in die Reichswehr übernehmen (1922 Major) und stieg dort, im üblichen Wechsel von Chef- und Kommandeursstellungen, rasch auf. 1932 übernahm er die 2. Kavallerie-Division in Breslau und wurde ein Jahr später zum Generalleutnant befördert. Im Zuge des Ausbaus des Reichsheeres wurde K. 1933 territorialer Befehlshaber für Schlesien|(Wehrgau Breslau). Mit dem oft auf dessen Besitzung Öls weilenden Kronprinzen Wilhelm verband ihn eine kameradschaftliche Freundschaft; der NSDAP stand er mit innerer Ablehnung und deutlicher Distanz gegenüber. Einem bald einsetzenden Konflikt wegen örtlicher militärpolitischer Aspirationen der SA unter Obergruppenführer Heines bereiteten die Ereignisse des 30.6.1934 ein Ende. 1935 übernahm K. das Kommando über das VIII. Armeekorps in Breslau und wurde am 1.8.1936 zum General d. Kavallerie befördert. Da seine kritische Einstellung zum Nationalsozialismus gleichwohl anhielt, erfolgte im Zusammenhang mit den personellen Veränderungen anläßlich der Fritsch-Krise seine Verabschiedung zum 28.2.1938.

    Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges dennoch zurückgeholt, übernahm K. für den Feldzug gegen Polen das neu aufgestellte und zum Teil aus schnellen Truppen bestehende XXII. Armeekorps und trug im September 1939 zur raschen Ausschaltung der polnischen Südarmee bei. Da sich hierbei erstmals die raumgreifenden Erfolge motorisierter Verbände eindrucksvoll zeigten, wurde K. anläßlich der Vorbereitungen zur Westoffensive Anfang März 1940 auf Vorschlag des OKH mit der Führung einer Panzergruppe betraut. Mit ihr unternahm er im Mai den Durchstoß bei Sedan, erreichte die Küste bei Abbeville und schuf damit die Voraussetzungen für die Einschließung der gegnerischen Truppen im Raume Dünkirchen. Nach Umgruppierung der Kräfte stieß er im Juli mit seinen Panzerverbänden von der Somme nach Süden bis Lyon und zur Schweizer Grenze vor. Seit 19.7.1940 Generaloberst, führte er im April 1941 während des Balkanfeldzuges die Panzergruppe 1 von Bulgarien aus nach Jugoslawien hinein und erreichte in wenigen Tagen Niš und Belgrad, später auch, mit nach Süden abgedrehten Kräften, Saloniki und Athen. Beim Angriff auf die Sowjetunion war K. wieder Befehlshaber der Panzergruppe 1. Im Bereich der Heeresgruppe Süd waren seine Korps an den Kesselschlachten von Uman und Kiew beteiligt, überschritten den Dnjepr und nahmen am 21.11.1941 Rostow am Don.

    Trotz aller Erfolge gab sich K. niemals als der typische „Panzergeneral“; seine Stärke lag – darin unterstützt von seinem langjährigen Chef des Stabes, General Zeitzler, – in der behutsamen und verantwortungsbewußten Führung der Verbände, was ihn dann auch später in Konfliktsituationen gegenüber Hitler gebracht hat. Die schnell notwendig gewordene Wiederaufgabe Rostows wurde freilich damals dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd (Generalfeldmarschall von Rundstedt) angelastet. 1942 führte er die inzwischen in 1. Panzerarmee umbenannte Panzergruppe im Verbande der Heeresgruppe A (Generalfeldmarschall List) bis in den Kaukasus. Nachdem sich List mit Hitler überworfen und sein Kommando niedergelegt hatte (10.9.1942), wurde die verwaiste Heeresgruppe nach mehr als zwei Monaten K. übergeben (22.11.42), der nunmehr – besonders nach der Katastrophe von Stalingrad – lediglich mehr Rückzugsoperationen zu leiten hatte (1.3.1943 Generalfeldmarschall). K. setzte bis zum März 1943 seine durch Umfassung bedrohte Heeresgruppe A in Richtung auf den Kuban-Brückenkopf und das Asowsche Meer ab und verstand es, während des Jahres im Rahmen seiner begrenzten Möglichkeiten die Südfront stabil zu halten, doch war im Sommer ein Rückzug bis zum Dnjepr erforderlich, und Anfang 1944 mußte, da auch die Dnjepr- und Ingulec-Linie nicht mehr zu verteidigen war, die Halbinsel Krim aufgegeben werden. Da inzwischen die Konflikte mit Hitler zugenommen hatten, und dieser schließlich K. sowie den Generalfeldmarschall von Manstein (Hgr. Süd) für den Verlust der Krim unmittelbar verantwortlich machte, enthob er beide Marschälle ihrer Posten (30.3.1944). K. wurde danach zur Führerreserve versetzt und nicht mehr verwendet.

    Nach Kriegsende geriet K. in Gefangenschaft und wurde 1946 an Jugoslawien ausgeliefert. Dort verurteilte ihn ein Gericht wegen Kriegsverbrechen zu 15 Jahren Zwangsarbeit (4.8.1948); wenig später (1949) gaben die Belgrader Behörden einem Ersuchen Moskaus statt, das die Überstellung in die Sowjetunion zur Folge hatte. Einzelheiten über einen dort geführten Prozeß sind nicht bekannt geworden. K. starb 1954 im sowjetischen Lager Wladimirowka.

  • Literatur

    A. Philippi u. F. Heim, Der Feldzug gegen Sowjetrußland 1941–45, Ein operativer Überblick, 1962.

  • Portraits

    in: Gotha. Genealog. Taschenbuch d. Adeligen Häuser A, 1942.

  • Autor/in

    Thilo Vogelsang
  • Empfohlene Zitierweise

    Vogelsang, Thilo, "Kleist, Ewald von" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 12 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118777319.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA