Lebensdaten
1831 bis 1900
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Schauspieler ; Theaterdirektor
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118776045 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jauner, Franz (bis 1889)
  • Jauner, Franz Ritter von
  • Jauner, Franz (bis 1889)
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Jauner, Franz Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118776045.html [03.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1808–89), k.k. Hofgraveur;
    M Maria Spitäller (1812–84);
    B Heinrich (1833–1912), Medailleur, Hof-Kammergraveur, übernahm väterl. Medaillenfirma (s. ThB; ÖBL), August Rr. Jauner v. Schroffenegg (1835–1907), Hofrat, Kanzleidir. d. Herrenhauses d. Reichsrats (s. ÖBL), Theodor (1844–1913), Dir. d. niederösterr. Landesbuchhaltung, Lukas ( ca. 1885), Dir. d. Eskompte-Bank;
    - Dresden 1859 Emilie (1831–1914), Hofopernsängerin (nicht: Schauspielerin Emilie Krall, 1875–1900, in W.), T d. Kaufm. Karl Krall ti. d. Magdalena Swoboda; K.

  • Leben

    J. studierte in Wien bei G. Preyer und J. v. Seyfried Klavier und Musiktheorie, wandte sich aber bald dem Theater zu. Seit 1848 spielte er am Pasqualati-Theater, einer 1841 von Amalia Freiin v. Pasqualati eröffneten Liebhaberbühne in Wien. Hier sah ihn Heinr. Laube und engagierte ihn daraufhin ans Burgtheater, wo J. 1854/55 in kleineren Rollen beschäftigt war. 1855/56 vervollkommnete er seine Ausbildung in Paris. Danach trat er ein 2jähriges Engagement als Schauspieler in Hamburg an, kehrte 1858 für einige Monate nach Wien zurück und ging dann nach Dresden, wo er bis 1871 erfolgreich in ersten Rollen wirkte, vorwiegend im Fach des jugendlichen Liebhabers und Bonvivants.

    Dann übernahm J. von Anton Ascher die Direktion des Carl-Theaters in Wien, einer Bühne, deren Repertoire sich aus Operetten, aktuellen Sprechstücken und spektakulären Ausstattungsdramen zusammensetzte. Dank seines Organisationstalents, seiner Geschäftstüchtigkeit und seiner Begabung für buntbewegte, reich ausstaffierte Inszenierungen mit ausgezeichneten Darstellern erzielte J. beachtliche künstlerische und finanzielle Erfolge. Daraufhin berief man ihn an die Spitze der arg defizitären Hofoper, wo er bis 1878 – solange behielt er noch die Leitung des Carl-Theaters – provisorischer, 1878-80 definitiver Direktor war. Er holte Verdi persönlich nach Wien, brachte die Wiener Erstaufführung von Bizets „Carmen“ heraus und führte die Aussöhnung Wagners mit der Hofoper herbei, so daß Wien als erste Stadt nach Bayreuth den kompletten „Ring“ zeigen konnte.

    Im Herbst 1881 übernahm J. das Ringtheater, die 1874 eröffnete Wiener „Opéra comique“. Hier kam es am 8.12.1881 anläßlich einer Aufführung von „Hoffmanns Erzählungen“ zu einem folgenschweren Theaterbrand, bei dem fast 400 Menschen den Tod fanden. J. wurde, zusammen mit anderen Verantwortlichen, vor Gericht gestellt, zu einer Kerkerstrafe verurteilt, jedoch nach wenigen Wochen begnadigt. Jede Bühnentätigkeit war ihm vorerst untersagt. Doch schon 1884 begann er eine neue Karriere als artistischer Leiter des Theaters an der Wien (Direktion: Alexandrine v. Schönerer), wo seine prächtig und minuziös ausgestatteten Operetteninszenierungen – insbesondere die Uraufführung des „Zigeunerbarons“ (24.10.1885) – exemplarisch für den Regiestil der Ringstraßenzeit wurden. 1892 arbeitete er in verantwortungsvoller Position bei der Internationalen Musik- und Theaterausstellung in Wien mit; 1895 übernahm er nochmals die Direktion des Carl-Theaters. Krankheit, finanzielle Schwierigkeiten und zuletzt auch Mißerfolge dürften für seinen Entschluß zum Selbstmord verantwortlich gewesen sein.

  • Literatur

    Der Prozeß üb. d. Ringtheater-Katastrophe vor d. k. k. Landesgerichte in Wien als Erkenntnißgericht, Nach Stenograph. Aufnahmen bearb. u. hrsg. v. A. Zeiß, 1882;
    A. v. Sardagna, Mein Vater F. v. J., in: Neues Wiener Tagbl. v. 18.12.1940;
    R. Holzer, Die Wiener Vorstadtbühnen, 1951;
    Th. Jauner, Fünf J. Wiener Operntheater 1875–80, F. J. u. s. Zeit, 1962;
    H. Pemmer, Die Fam. Jauner, in: Unsere Heimat 39, 1968;
    E. Knipel, K.K. Hofoperntheater unter d. Leitung F. J.s, Diss. Wien 1969 (ungedr.);
    Eisenberg;
    Kosch, Theater-Lex.;
    ÖBL (Irrtum b. Angabe v Ehefrau).

  • Portraits

    Lith. v. N. N. Jäger (Wien, Nat.bibl.);
    v. R. Fenzl, um 1900 (ebd.)

  • Autor/in

    Hilde Haider-Pregler
  • Empfohlene Zitierweise

    Haider-Pregler, Hilde, "Jauner, Franz Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 368 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118776045.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA