Lebensdaten
erwähnt 1343, gestorben nach 1349
Beruf/Funktion
Mystiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118774107 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hermann
  • Hermann von Fritschelar
  • Fritzlar, Hermann von
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Zitierweise

Hermann von Fritzlar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118774107.html [16.10.2019].

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  • Leben

    H.s Name wird am Ende seines „Heiligenlebens“ genannt. Aus ihm kennen wir auch den Titel eines zweiten, früheren Werkes Hs: di blume der schowunge, ein anonym überlieferter Traktat über die mystische vita contemplativa. Das „Heiligenleben“, rund 90 Predigten zum Weihnachtsfestkreis und zu den Heiligenfesten des Jahres, entstand 1343-49. Seinen Charakter beschreibt H. selbst: Diz buch ist zu sammene gelesen uzze vile anderen bucheren und uzze vile predigaten und uzze vil lereren. Legendar und mystische Spekulation stehen kaum vermittelt nebeneinander. Hauptquelle der mystischen Texte ist eine nach 1323 von Heinrich von Erfurt (s. Literatur) angelegte Predigtsammlung. Enge, bisher kaum untersuchte Beziehungen zur Postille Heinrichs und daher auch zum „Heiligenleben“ zeigt die unter dem Namen Härtung von Erfurt (s. Literatur) überlieferte Predigtsammlung. Wie der mystische Teil des „Heiligenlebens“, so weist auch das eigentliche Legendär auf eine Erfurter Quelle, wofür neben Ortsangaben die Legenden des heilig Severus und der Elisabeth von Thüringen sprechen. H.s eigene Leistung bestand wohl nur in der Kompilation dieser verschiedenartigen Teile. Über sein Leben wissen wir so wenig wie über seinen Stand. Wahrscheinlich ist der 1290 an der Universität Bologna als Student bezeugte Hermannus de Fri(e)sler mit H. nicht identisch. H.s Beschreibungen von Örtlichkeiten und Gebräuchen in Italien stammen nicht aus eigenem Erleben, sondern aus den Quellen. Fritzlar war wohl H.s Heimat: „Die Blume der Schauung“ wurde zu Sorga bei Bad Hersfeld geschrieben. Von der Forschung wird H. als Laie angesehen. Stichhaltige Argumente dafür sind jedoch allenfalls, daß H. nicht „Bruder“ oder „Vater“ genannt wird und daß die schöne Ausstattung der „Heiligenleben“-Handschrift eher für einen begüterten bürgerlichen Auftraggeber spricht.

  • Werke

    Ausgg.: Das Heiligenleben, hrsg. v. F. Pfeiffer, in: Deutsche Mystiker d. 14. Jh. I, 1845, Neudr. 1962, S. 1-258;
    Die Blume d. Schauung, hrsg. v. W. Preger, in: Gesch. d. dt. Mystik im MA II, 1881, S. 426-34.

  • Literatur

    ADB VIII (unter Fritzlar);
    F. Pfeiffer, in: Das Heiligenleben, S. XIII-XXII, s. W;
    J. Haupt, Btrr. z. Lit. d. dt. Mystiker, I: Neue Hss. z. H. v. F., in: SB d. Kaiserl. Ak. d. Wiss. Wien, phil.-hist. KL, 76, 1874, S. 51-104;
    W. Preger, Gesch. d. dt.|Mystik im MA II, 1881, S. 89-107;
    F. Wilhelm, Dt. Legenden u. Legendare, Texte u. Unterss. zu ihrer Gesch. im MA, 1907, S. 148-74, dazu: Ph. Strauch, in: Dt. Lit.ztg., 1908, Sp. 2206 f.;
    A. Spamer, Über d. Zersetzung u. Vererbung in d. dt. Mystikertexten, Diss. Gießen 1910, S. 119-241;
    G. Lichenheim, Stud. z. Heiligenleben H.s v. F., Diss. Halle 1916;
    Vf.-Lex. d. MA II. - Zu Hartung v. Erfurt: J. Haupt, Btrr. z. Lit. d. dt. Mystiker II, in: SB d. Kaiserl. Ak. d. Wiss. Wien, phil.-hist. Kl., 94, 1879, S. 235-334;
    Vf.-Lex. d. MA II, V;
    LThK2. - Zu Heinr. v. Erfurt: Vf.-Lex. d. MA II.

  • Autor/in

    Peter Kesting
  • Empfohlene Zitierweise

    Kesting, Peter, "Hermann von Fritzlar" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 645 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118774107.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Fritzlar: Hermann v. F., wol nach seiner Heimath Fritzlar in Hessen genannt, wird, obgleich wahrscheinlich nicht Geistlicher, sondern gelehrter Laie, dem Kreise der deutschen Mystiker beigezählt durch sein „Buch von der Heiligen Leben“, welches, im Dialecte des mittleren Deutschland und in einem gewandten und lebhaften Prosastile abgefaßt, nur in einer einzigen von 1343—1349 geschriebenen Handschrift vorliegt. Das Buch, nach des Verfassers oder genauer des Veranstalters Bekenntnisse, aus vielen andern Büchern, aus Predigten und theologischen Werken zusammengelesen, enthält nach der Ordnung der kirchlichen Gedächtnißtage durch das Jahr außer legendarischen Erzählungen auch mit|diesen verknüpfte oder unter sie eingestreute Predigten und Betrachtungen, die, wie die Legenden für die prosaische Erzählungslitteratur, so für die Geschichte der deutschen Mystik von Belang sind. Ein früheres, von H. v. F. erwähntes Buch „Die Blume der Schauung“ ist nicht auf uns gekommen. Von Hermann's v. F. Leben wissen wir nichts, doch schließen wir ans zahlreichen Stellen seines Buchs, daß er weit herumgekommen sei, außer verschiedenen Theilen Deutschlands auch Frankreich, Spanien, Portugal und Italien gesehen habe, obwol auch manche jener Stellen schon in der Vorlage gestanden haben werden. Neuere noch nicht abgeschlossene Forschungen weisen noch andere und für den betrachtenden Theil des Heiligenlebens viel ausgedehntere Ueberlieferungen nach und gelangen zu dem Ergebnisse, daß um das J. 1340 eine große, das ganze Kirchenjahr umfassende, auf den Werken der Mystiker fußende und einen freisinnigen antihierarchischen Geist athmende Sammlung von Erklärungen der Evangelien und Episteln veranstaltet worden sei, von der Hermann's „Heiligenleben“ nur eine Auswahl biete.

    • Literatur

      Hermann von Fritslar, Nicolaus von Straßburg, David von Augsburg. Zum ersten Mal herausgegeben von Franz Pfeiffer. Leipzig 1845. (Deutsche Mystiker des vierzehnten Jahrhunderts. Erster Band.) — Beiträge zur Litteratur der deutschen Mystiker von Joseph Haupt. I. Neue Handschriften zum Hermann von Fritzlar in den Sitzungsberichten der philos.-hist. Classe der kaiserl. Akademie der Wissensch., 76. Band, Jahrg. 1874, Wien 1874, S. 51 ff.

  • Autor/in

    Bechstein.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bechstein, Reinhold, "Hermann von Fritzlar" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 118-119 unter Fritzlar [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118774107.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA