Lebensdaten
1889 bis 1969
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Schmalenbeck (heute Großhansdorf, Hamburg)
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
-
Normdaten
GND: 118744089 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Reimann, Albert Hans
  • Bunge, Max (Pseudonym)
  • Heinrich, Hans (Pseudonym)
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Reimann, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118744089.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Albert, Kohlenhändler in L;
    M N. N. (früh †);
    1) 1913 1923 Thea (Dorothea) Weide, Opernsängerin, 1923-35 in Malcesine/Gardasee, T e. sächs. Hoflieferanten, 2) 1939 Wilma Bekendorf, Tänzerin;
    2 S aus 1) u. a. Peter (Ps. Pal Isander, 1919–55), Zeichner u. Karikaturist in L., seit 1953 in West-Berlin (s. L);
    E Andreas (* 1945), Dichter, Chansontexter, Graphiker in L. (s. L); Schwager Ludwig Weide, Kriegsger.rat in Leipzig.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Nicolaischule, dem Abitur an einer Privatschule in Leipzig und einem Studium der Philologie und Kunstgeschichte in München wurde R. Mitarbeiter im Kurt-Wolff-Verlag in Leipzig. 1914-17 war er Soldat im 1. Weltkrieg. Nach Leipzig zurückgekehrt, entfaltete er seine vielseitige Begabung: Neben der Mitarbeit am „Berliner Tageblatt“, am „Simplizissimus“ und später an satirischen Blättern wie „Kladdaradatsch“|oder „Brennessel“ war R. 1921-23 Herausgeber der satirischen Wochenschrift „Der Drache“. Außerdem trug er 1921-23 als initiierender Mitbegründer, Texter und – neben seiner Frau – Akteur für das Kabarett „Die Retorte“ besondere Verantwortung, wo er u. a. mit Walter Mehring, Joachim Ringelnatz, Lina Carstens, Max Hermann- Neisse und Erich Weinert zusammenarbeitete. 1923 wechselte R. als Leiter an das Kabarett „Astoria“ in Frankfurt/M. Hier gab er 1924-29 die satirische Zeitschrift „Das Stachelschwein“ heraus.

    Viele humoresk-satirische Texte R.s erlangten über das Kabarett große Beliebtheit. Seine Parodien, Glossen, Anekdoten, Reise- und Städtebücher, Geschichten und Romane erzielten mit ihrem ungewöhnlich breiten Spektrum komischer Gestaltungsweisen großen Erfolg. Besonders die Geschichte und den Alltag Sachsens sowie den sächs. Dialekt, der von R. phonetisch innovativ ins Schriftliche fixiert wurde, entdeckte er als „seine“ Stoffe (Sächs. Miniaturen, 5 Bde., 1922 ff., Neudr. 1991; Sächsisch, 1931, Neudr. 1995).

    1933 schrieb R. zu einem adaptierten Stoff – „Besuch im Karzer“ von Ernst Eckstein – das Drehbuch für den Film „So ein Flegel“ (1934, Regie: Robert A. Stemmle). 1944 entstand in Adaption desselben Stoffs zusammen mit Heinrich Spoerl (1887–1955) das Szenarium für die Bestseller-Verfilmung „Die Feuerzangenbowle“ (Regie: Helmut Weiss), wiederum mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle. Um der Aufmerksamkeit mißtrauischer NS-Stellen zu entgehen, hatte R. seine Autorschaft für die Roman-Edition – er hatte 1932 die erste Fassung geschrieben – an Spoerl abgegeben, der seither als alleiniger Verfasser gilt.

    1939 übersiedelte R. nach Bernried (Oberbayern), war 1940-45 als „Frontunterhalter“ dienstverpflichtet und lebte seit 1951 in Schmalenbeck. 1957/58 wurde er von dem Schriftsteller Moritz Lederer (1888–1971) verleumdet, er sei Beiträger des SS-Organs „Schwarzes Korps“ gewesen; ein Gerichtsverfahren endete mit R.s Rehabilitierung. Aus den Nachkriegsveröffentlichungen ragt die 1952 begonnene Reihe literaturkritischer Jahresbände „Literazzia“ hervor.

  • Werke

    u. a. Die Dame mit d. schönen Beinen u. a. Grotesken, 1916, 21922;
    Die Schwarze Liste, Ein heikles Bilderbuch, 1916;
    Der Floh, Skizzen aus d. Krieg, 1918;
    Tyll, 1918 (autobiogr.);
    Das Paukerbuch, Skizzen aus d. Gymnasium, 1918, Neudr. 1922, 1931;
    Lit. Albdrücken, 1919, 21924;
    Mit roter Tinte, 1919;
    (Ps. Artur Sünder) Die Dinte wider d. Blut, 1921;
    Von Karl May bis Max Pallenberg in 60 Minuten, 1924;
    Komponist wider Willen, 1928;
    Männer, die im Keller husten, Parodien auf Edgar Wallace, 1929;
    Vergnügl. Hdb. d. dt. Sprache, 1931, 41940, Neudrr. 1952, 1965;
    Das Buch v. Kitsch, 1936;
    Hast du Töne!, Anekdoten, 1942, Neudr. 1958;
    R. reist nach Babylon, 1951;
    Hinter den Kulissen d. dt. Sprache, 1951;
    Der Leierkastenmann, Mit seiner leicht angesächselten Drehorgel, 1954;
    Mein blaues Wunder, 1959 (Autobiogr.).

  • Literatur

    R. Hösch, Kabarett v. gestern, nach zeitgenöss. Berr., Kritiken u. Erinnerungen, 1969, S. 204, 208, 212;
    H. R., Peter Reimann, Andreas Reimann, Beschreiben u. Bezeichnen, Aus d. Chronik e. Leipziger Künstlerfam., hg. v. d. Stadt Leipzig, 1997 (Bibliogr., P);
    Frankfurter Biogr.;
    Metzler Kabarettlex.;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (Bibliogr.);
    Killy;
    Kussmaul;
    Munzinger.

  • Autor/in

    Christel Hartinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Hartinger, Christel, "Reimann, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 335-336 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118744089.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA