Lebensdaten
erwähnt 937, gestorben 957
Beruf/Funktion
Bischof von Freising
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11872617X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lantbert von Freising
  • Lantbert
  • Lantbert von Freising
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Zitierweise

Lantbert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11872617X.html [21.11.2018].

CC0

  • Leben

    Wohl noch im späten 9. Jh. geboren und vermutlich einem (allerdings nicht näher bestimmbaren) bayer. Landadelsgeschlecht entstammend, übernahm L. nach dem Tod Bischof Wolframs (926–937) als 13. Nachfolger des hl. Korbinian wohl im Sommer oder Herbst 937 die Leitung des Bistums Freising. Möglicherweise hatte er seine Erziehung auf dem Freisinger Domberg, einer damals bereits angesehenen Bildungsstätte, erhalten; wahrscheinlich gehörte er zum Zeitpunkt seiner Bischofswahl dem Freisinger Domklerus an. Obwohl er nachweislich seit dem 11. Jh. als Heiliger verehrt wurde (für 1142 ist erstmals auch ein Lantbertsaltar im Freisinger Dom bezeugt), hat er doch das ganze Mittelalter hindurch offenbar keinen Biographen gefunden. Indes ist aus seiner Regierungszeit, die zusammenfällt mit der durch äußere und innere Erschütterungen (Ungarnnot, Empörung Liudolfs) gekennzeichneten ersten Hälfte der Regierungszeit Ottos I. (936–973), ein Bestand von 68 Tausch- und Schenkungsurkunden überliefert. Dieser vermittelt einen Eindruck von der zielstrebigen Sorge L.s, in unheilvoller, entmutigender Situation die wirtschaftliche Grundlage seines Bistums als Voraussetzung kirchlich-seelsorglicher Wirksamkeit wie politischer und sozialer Pflichterfüllung zu erhalten und zu mehren. Weitere Aufschlüsse über L.s bischöfliches Wirken lassen die überlieferten Quellen aber kaum zu.

    Kg. Otto I. gegenüber, der nach Herzog Arnulfs Tod 937 das verselbständigte, zum „Regnum Bavariae“ erstarkte bayer. Stammesherzogtum wieder unter die königl. Oberhoheit zwang und damit zugleich auch die bayer. Landeskirche wieder in die Reichskirche eingliederte, scheint L. sich als loyaler Vasall erwiesen zu haben, wenn auch nur je einmal seine Anwesenheit am königl. Hoflager (durch zwei Urkunden vom 29.5, 940) und auf einem Reichstag (auf dem mit einer Reichssynode verbundenen Reichstag auf dem Lechfeld im Aug. 952) zu belegen ist. Dem Aufstand des Königssohnes Liudolf 953/54 blieb er gleich den übrigen bayer. Bischöfen (mit Ausnahme des Salzburger Erzbischofs Herold) fern, ohne aber den König aktiv zu unterstützen. Daß er 955 auf wunderbare Weise den Freisinger Domberg vor dem Ansturm der Ungarn gerettet habe, ist Legende. Von seiner oder seiner Dienstmannen Teilnahme an der Lechfeldschlacht desselben Jahres ist nichts überliefert. Es kann auch keine Rede davon sein, daß er als Bischof von Freising auf Grund königl. Privilegierung bereits eine Art landesfürstlicher Stellung erlangt habe. – L. starb schon zwei Jahre nach der Lechfeldschlacht (sofern die von einer Hand des späten 11. Jh. nachgetragene Angabe des Todesjahres im ältesten erhaltenen Freisinger Kalendarium [Ende 10. Jh.] zutrifft). Wiederaufbau und kirchliche Erneuerung des Bistums Freising – nach Maßgabe der Beschlüsse der von L. besuchten Reichssynode auf dem Lechfeld – fielen als Aufgabe dem lang regierenden Nachfolger, Bischof Abraham (957–993/94), zu.

  • Literatur

    H. Strzewitzek, Die Sippenbeziehungen d. Freisinger Bischöfe im MA, in: Beiträge zur altbayerischen Kirchengeschichte 16, N. F. 3, 1938, 202 f.;
    J. A. Fischer, L. v. Freising 937-57, 1959;
    ders., Der hl. L., Bischof v. Freising, in: G. Schwaiger (Hrsg.), Bavaria Sancta, Zeugen christl. Glaubens in Bayern I, 1970, S. 186-98;
    ders., Die Freisinger Bischöfe v. 906-57, 1980, S. 79-156.

  • Autor/in

    Manfred Weitlauff
  • Empfohlene Zitierweise

    Weitlauff, Manfred, "Lantbert" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 621 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11872617X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA