Lebensdaten
1866 bis 1923
Geburtsort
Oberdorf bei Wigstadtl (Österreichisch-Schlesien)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
österreichischer Gewerkschafter ; Schriftsteller
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 118701460 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hanusch, Ferdinand

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Zitierweise

Hanusch, Ferdinand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118701460.html [23.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Josef ( 1866), Hausweber;
    M Karoline Laser ( 1888);
    1) 1891 Anna Domes ( 1895), 2) Wigstadtl 1895 Julie, T d. Maurers Anton Gill u. d. Johanna Fitzke;
    1 T aus 1) (früh †), 2 S, 1 T aus 2).

  • Leben

    Nach dem Tode seines Vaters geboren, besuchte H. eine 5klassige Volksschule und bildete sich danach in zähem Selbststudium weiter. Schon als 13jähriger mußte er zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Zuerst Taglöhner im Baugewerbe, arbeitete er später in einer Bandfabrik. In den Jahren der Wanderschaft zwischen 1885 und 1887 kam er nach Wien, Triest und Berlin, nach Ungarn und Rumänien, ja sogar in die Türkei. Bald nach seiner Heimkehr fand er Beschäftigung in einer Seidenfabrik und 1891 Anschluß an die Arbeiterbewegung. Auf Grund seiner Aktivität berief man H. 1897 zum Gewerkschaftssekretär und dem der Sozialdemokratischen Partei in Sternberg. 1900 wurde er Sekretär der neugegründeten Union der Textilarbeiter in Wien. Zahlreiche Agitationsreisen führten ihn kreuz und quer durch die Donaumonarchie und ließen ihn das soziale Gefüge der einzelnen Länder und Provinzen aus eigener Anschauung kennenlernen. H. betätigte sich vor allem auf dem Gebiet des Lohnkampfes und erreichte Verkürzungen der Arbeitszeit sowie Verbesserungen der Arbeitsverträge. Vorstandsmitglied der Österreichischen Gewerkschaftskommission seit 1903, beteiligte er sich mit Verhandlungsgeschick und Überzeugungskraft an den internationalen Kongressen der Textilarbeiterschaft. 1907 zog er als sozialdemokratischer Abgeordneter in den Reichsrat ein. Auch hier trat er mit großer Energie für die Lösung brennender sozialer Probleme ein. Im 1. Weltkrieg setzte er unter anderem eine Arbeitslosenunterstützung für Textilarbeiter und die 6stündige Arbeitszeit am Samstag durch. Nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns wurde H. österreichischer Staatssekretär für soziale Fürsorge (seit 1919: Verwaltung). Während seiner Amtszeit (Oktober1918-Oktober 1920) vermochte er durch geeignete Maßnahmen, besonders auf den Gebieten des Versicherungs- und Krankenkassenwesens sowie der Kriegsopferfürsorge, die Basis für die heutige Sozialstruktur Österreichs mitzuschaffen. Wenige Monate vor seinem Ausscheiden aus der Regierung hatte H. die Arbeiterkammer in Wien gegründet, um damit der Arbeiterschaft einen kontinuierlichen Einfluß auf Gesetzgebung und Verwaltung zu sichern. 1921 wurde er Direktor dieser Institution. Seit 1920 gehörte er dem Nationalrat an, in dem er den sozialpolitischen Ausschuß leitete; vorher war er bereits Mitglied der Provisorischen Nationalversammlung sowie der Konstituante gewesen. So sehr er sich auch das ganze Leben hindurch als bewußter, kämpferischer Proletarier erwiesen hatte, wirkte er doch im Interesse der Allgemeinheit. Im Werk des Schriftstellers H. vereint sich die politische Tendenz mit dem Autobiographischen und einem starken Heimatgefühl. Neben ausgesprochenen|Parteischriften in literarischem Gewand, Erzählungen und Romanen aus dem eigenen Leben sowie Geschichten in schlesischer Mundart von sehr unterschiedlichem Wert hat er auch eine Reihe von Agitationsstücken verfaßt.

  • Werke

    Erzz.: Weber-Seff, 1905;
    Der Agitator, 1907;
    Auf d. Walz, 1907;
    Die Namenlosen, 1910;
    Leibeigene, 1912;
    Aus d. Heimat, 1916;
    Aus d. grünen Schles', 1917;
    In d. Heimat, 1918;
    Heimatland, 1919;
    Allerlei Menschen, 1920;
    - Aus m. Wanderj., 1907;
    Der kleine Peter, 1912;
    Lazarus, 2 Bde., 1912 (Entwicklungsroman). - Dramen: Dunkle Mächte, 1912;
    Die Enterbten, 1912;
    Der Kampf, 1912;
    Der Bauernphilosoph, 1913;
    Der Invalide, in: F. H., Der Mann u. s. Werk, 1924;
    -Edle Seelen, 1912 (Schwank);
    Der Narr, 1913 (Komödie);
    Waldpeter, 1922 (Roman). - Parlament u. Arbeiterschutz, 1913;
    Die Regelung d. Arbeitsverhältnisses im Kriege, in: Wirtsch.- u. Soz.-gesch. d Weltkrieges, 1923;
    Soz.pol. in Österreich 1919-23, 1923.

  • Literatur

    R. Charmatz, Der Staatssekretär als Schriftst., in: Neues Wiener Journal v. 12.3.1919;
    Arbeiter-ztg. Wien v. 29.9.1923;
    Arb. u. Wirtsch., 1923, H. 20;
    F. H., der Mann u. s. Werk, 1924;
    E. Palla, in: NÖB I, 1927, S. 43-57;
    F. Walden, Ich gab Euch Zeit!, 1948 (Jugendschr.);
    H. Reissner, F. H., sein Leben u. literar. Werk, Diss. Wien 1950 (ungedr.);
    H. Sumpolec, F. H. u. s. soz.pol. Werk, Diss. Wien 1963 (ungedr.);
    ÖBL;
    Kosch, Lit.-Lex.

  • Portraits

    Phot. v. A. Jilg;
    v. Th. Bauer (beide Wien, Nat.bibl.);
    Ölgem. v. F. Markart, 1919 (ebd., Bundesmin. f. soz. Verwaltung);
    Büste auf d. Republik-Denkmal v. Wollek (Wien I, Ringstr.).

  • Autor/in

    Walter G. Wieser
  • Empfohlene Zitierweise

    Wieser, Walter G., "Hanusch, Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 643 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118701460.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA