Lebensdaten
1751 bis 1817
Geburtsort
Bernburg (Anhalt)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
preußischer Gesandter ; Orientalist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118678469 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Diez, Heinrich Friedrich von (seit 1786)
  • Diez, Heinrich F. von
  • Diez, Heinrich Friedrich (bis 1786)
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Zitierweise

Diez, Friedrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118678469.html [17.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Christian Frdr. (* 1715), Kaufm. in B., S des Gottfr. u. der Anna Charl. Römer;
    M Elis. Zollikoffer aus Magdeburg; ledig.

  • Leben

    D. studierte seit April 1769 in Halle Jura und wurde eifriges Mitglied der sittliche Ziele und gegenseitige Unterstützung anstrebenden „Amicistenloge Constantia“. In ihrem Banne verfaßte er seine ersten, im wesentlichen philosophische Schriften. Nach Abschluß seines Studiums kam er als Referendar an die Regierung zu Magdeburg, wo|er bald Kanzleidirektor wurde und dies 11 Jahre hindurch blieb. D. Wunsch nach einem längeren Aufenthalt im Orient, den er durch Sprachstudien unterstützte, ging 1784 in Erfüllung, indem König Friedrich II. (durch Vermittlung des damaligen Geheimen Archivars beim Departement für Auswärtige Angelegenheiten Chr. Wilhelm Dohm) nach persönlicher Rücksprache mit D. den 33jährigen als Chargé d'affaires nach Konstantinopel sandte. In einer ausführlichen, oft weitschweifigen Berichterstattung, die uns D. in ihrer Kleinlichkeit und Überheblichkeit wenig sympathisch macht, ihn jedoch als mutigen und zähen Freund des Osmanischen Reiches zeigt, vertrat er den Gedanken, Konstantinopel zum Mittelpunkt preußischer außenpolitischer Aktivität zu machen; dies widersprach jedoch der Konzeption des Königs, der keine über den Freundschafts- und Handelsvertrag mit der Pforte von 1761 hinausgehende Festlegung wünschte. Als nach dem Tode Friedrichs II. der Leiter der preußischen Außenpolitik E. F. Graf Hertzberg das Entstehen und den Verlauf des russisch-österreichischen Krieges mit der Pforte (1787–91) dazu benutzen wollte, durch das Einschalten von Preußens Vermittlung die preußische Ostgrenze zu verbessern, befürwortete der inzwischen von Friedrich Wilhelm II. geadelte und zum Gesandten ernannte D. gegenüber den Varianten des Hertzbergschen „Großen Plans“ ein Bündnis Preußens mit der Pforte, Schweden und Polen. Als D. endlich einen Allianzvertrag unterzeichnete, in dem er die ihm erteilten, keineswegs klaren Instruktionen zugunsten der Pforte überschritt und damit unter anderem die Gefahr heraufbeschwor, Preußen um der Krim willen in einen Konflikt mit Rußland hineinzuziehen, wurde er Januar 1790 abberufen. - Als Geheimer Legationsrat mit guter Pension in den Ruhestand versetzt, im Besitz eigenen Vermögens, auch Inhaber einer Pfründe des Domstifts von Kolberg, hatte nun D. reichliche 25 Jahre hindurch die Möglichkeit, sich ganz seinen orientalistischen Studien zu widmen. Zunächst auf einem selbsterworbenen Gut, dann in Kolberg und seit 1807 auf einem Besitz im Stralauer Viertel von Berlin, führte D. ein von mannigfachen persönlichen und brieflichen Verbindungen begleitetes, von orientalischen Lebensformen mitbestimmtes und von lutherischer Frömmigkeit getragenes Dasein. Jetzt erschien eine Reihe von Übersetzungen und Werken, unter denen das „Buch des Kabus“ (1811) sowie die „Denkwürdigkeiten aus Asien“ (2 Bände, 1813-15) besondere Bedeutung gewannen. Goethe bezeichnete D. „Arbeiten als die Basis…, worauf sich meine Kenntnisse des Orients gründeten“ und empfing daraus wertvolle Anregungen für seinen „West-östlichen Divan“; sie führten zu einem Briefwechsel zwischen ihm und D. Andererseits veranlaßten die „Denkwürdigkeiten“ heftige wissenschaftliche Auseinandersetzungen, am bekanntesten die mit dem Wiener Orientalisten Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall. D. verstarb über der Arbeit an einer Übersetzung der Bibel ins Türkische. Er hinterließ sein Vermögen der Berliner Domgemeinde, wie er schon vordem den Ertrag seiner stets von ihm selbst finanzierten Werke wohltätigen Zwecken zugeführt hatte. D. orientalistisch wertvolle Bibliothek von circa 17 000 Bänden und 835 Handschriften sowie seine Münzsammlung erbte die Königlich Preußische Staatsbibliothek (Bibliotheca Dieziana).

  • Werke

    W Vorteil geh. Gesellschaften f. d. Welt: von einem Unzertrennlichen in d. A[micitia], Halle 1772 (anonym);
    Beobachtungen üb. d. Natur d. Menschen, ebd. 1773;
    Versuch üb. d. Patriotismus, Frankfurt u. Leipzig 1774;
    Der Stand d. Natur, Lemgo 1775;
    Über Duldung u. Preßfreiheit, Dessau 1781;
    Ermahnung an Islambol od. Strafgericht üb. d. Ausartung d. Osmanen, 1811 (Übers. d. türk. Dichters Uweissi);
    Wesentliche Betrachtung od. Gesch. d. Krieges zw. d. Osmanen u. Russen i. d. J. 1768 u. 1774, 1813 (Übers, u. Erl. d. türk. Diplomaten Resmi Achmed Efendi);
    Vom Tulpen- u. Narcissen-Bau i. d. Türkei, 1814 (Übers. d. Scheich Muhammed Lalezari);
    Unfug u. Betrug i. d. morgenländ. Lit. usw., 1815;
    Briefwechsel zw. Goethe u. D., hrsg. v. K. Siegfried, in: Goethe-Jb. XI, 1890, S. 24-41.

  • Literatur

    J. W. Zinkeisen, Gesch. d. Osman. Reiches in Europa, VI, 1859, S. 467-93, 509-14, 518-611, 671 bis 763;
    F. Babinger, Ein oriental. Berater Goethes, H. F. v. D., in: Goethe-Jb. 34, 1913, S. 83-100 (W, P);
    ders., Der Einfluß v. H. F. v. D.s „Buch d. Kabus“ u. „Denkwürdigkeiten von Asien“ auf Goethes „Westöstl. Divan“, in: German.-Roman. Mschr. 5, 1913, S. 577-92;
    J. W. v. Goethe, Noten u. Abhh. z. besserem Verständnis d. Divans, in: Weimarer Ausg. d. Ces. Werke VII, 1888, S. 222 ff.;
    Goedeke IV, 2, S. 499, VII, S. 806 f.

  • Autor/in

    Johann Albrecht von Reiswitz
  • Empfohlene Zitierweise

    Reiswitz, Johann Albrecht Freiherr von, "Diez, Friedrich von" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 712-713 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118678469.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA