Lebensdaten
1722 oder 1712 bis 1800
Geburtsort
Stendal
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Verleger ; Buchhändler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118678345 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dieterich, Johann Christian
  • Diederich, I. C.
  • Diederik, Johann Kristian
  • mehr

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Zitierweise

Dieterich, Johann Christian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118678345.html [20.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Benedict, Goldschmied in Stendal, S des Goldschmieds Joachim;
    M Marie Elis. Budermann;
    ⚭ Christine Elis. (1735–1805), T des Buchhändlers Joh. Paul Mevius (1698–1762) in Gotha;
    2 S, 2 T, u. a. Heinrich (1761–1837, 1) 1792 Charl. Wilh. [1766–93], T des Orientalisten Joh. David Michaelis [ 1791], s. ADB XXI), 2) Jeanette Christiane Friedheim aus Gotha), leitete den Verlag 1800|bis 1824;
    E Hermann (1797–1847), führte den Verlag fort.

  • Leben

    Anfangs kaufmännischer Lehrling, dann Seidenhändler in Berlin, übernahm D. 1752 in Gotha die Buchhandlung von Johann Paul Mevius. Er lebte sich, trotz geringer Schulbildung, mit kommerziellem verlegerischen Geschick rasch in den Buchhandel ein. 1765-75 gab er den Gothaischen Hofkalender (Almanach de Gotha) heraus, der sich in der Folge zu einem weitverbreiteten genealogischen Handbuch entwickelte. So wurde D. bereits in Gotha zum bedeutendsten deutschen Almanachverleger seiner Zeit.

    Angeregt durch G. Achenwall und andere Göttinger Professoren, die der aufstrebenden Georgia Augusta neben der älteren Firma Vandenhoeck eine zweite Universitätsbuchhandlung zu geben wünschten, hatte D. bereits 1760 in Göttingen eine Filiale errichtet. Das Privileg eines Universitätsbuchhändlers erhielt er 1765. Nachdem er 1770 mit dieser Buchhandlung eine Druckerei verbunden hatte, verkaufte er den Verlag in Gotha an Karl Wilhelm Ettinger und siedelte 1776 nach Göttingen über. Durch den Göttinger Musenalmanach (1770–1804), der auf das Vorbild von Delalains Almanach des Muses (Paris 1765) zurückgeht und der ein Sammelpunkt für die Dichter des Hainbundes und der frühen Goethezeit wurde, verknüpfte D. seinen Namen mit der deutschen Nationalliteratur. Den Höhepunkt seiner Entwicklung erreichte der Musenalmanach 1774 mit den Beiträgen Klopstocks und Goethes. In Heinrich Chr. Boie, der mit Friedrich Wilhelm Gotter den Musenalmanach begründete, und Gottfried August Bürger gewann D. bedeutende Herausgeber, in den Kupferstechern Daniel Chodowiecki, Johann Heinrich Meil, Ernst Ludwig Riepenhausen fand er ausgezeichnete Illustratoren. Daneben verlegte D. seit 1776 den für weitere Kreise bestimmten Göttinger Taschenkalender (mit Lichtenberg als Herausgeber) und seit 1793 den Revolutionsalmanach, der antirevolutionäre Tendenzen verfolgte.

    Neben Georg Ch. Lichtenberg, dem Altphilologen Ch. G. Heyne, dem Astronomen Johann Tob. Meyer im 18. Jahrhundert, sammelte der Verlag im 19. Jahrhundert noch eine Reihe bedeutender Autoren um sich, außer Arnim und Brentano zeitweise die Brüder Grimm, unter den Göttinger Gelehrten vor allem Bouterwek, de Lagarde, Dahlmann, Benecke, Herbart, Otfried Müller. Ferner erschienen im Verlag die Abhandlungen der Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen, die Göttingischen Gelehrten Anzeigen, der Philologische Anzeiger. Die Firma ging dann in andere Hände über. Die Druckerei wurde abgetrennt, später (1886) das Sortiment und Antiquariat verselbständigt, während der Verlag 1897 von Theodor Weicher nach Leipzig verlegt wurde.

  • Literatur

    ADB V;
    G. Chr. Lichtenberg, Briefe an D. 1770 bis 1798, hrsg. v. E. Grisebach, 1898;
    H. Grantzow, Gesch. d. Göttinger u. d. Vossischen Musenalm., 1909, = Berliner Btrr. z. german. u. roman. Philol., Germanist. Abt., Nr. 22;
    Wendelmuth, Zur Gesch. d. Hofkal., 1763-1813, in: Gothaischer genealog. Kal., 1913, S. VII-XXVI;
    P. Neumann, J. Chr. D., in: Börsenbl. f. d. Dt. Buchhandel, Frankfurter Ausg., Jg. 9, 1953, Nr. 9, S. 51;
    M. Gfn. Lanckorońska u. A. Rumann, Gesch. d. dt. Taschenbücher u. Alm. a. d. klass.-romant. Zeit, 1954.

  • Autor/in

    Hans Lülfing
  • Empfohlene Zitierweise

    Lülfing, Hans, "Dieterich, Johann Christian" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 670 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118678345.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dieterich: Johann Christian D. wurde zu Stendal im J. 1712 geboren, erlernte die Handlung und errichtete ein Seidenwaarengeschäft zu Berlin, später zu Gotha. Hier heirathete er die Tochter des Buchhändlers Merius 1749 und übernahm die Merius'sche Buchhandlung. Das Ministerium in Hannover veranlaßte ihn, im J. 1760 eine Buchhandlung unter seinem Namen in Göttingen zu gründen, indem er sein Geschäft in Gotha nebenbei betrieb und zwar bis er es im J. 1776 an seinen ersten Commis, Ettinger, verkaufte, welcher jenes Geschäft unter seinem eigenen Namen fortsetzte. Seine Handlung zu Göttingen hat er bis zu seinem 1800 erfolgten Tode allein fortgetrieben. Auch hatte er 1770 eine Druckerei dortselbst errichtet, welche, sowie seine Buchhandlung, noch besteht. Dieterich's ältester Sohn Heinrich, 1761 in Göttingen geboren und 1837 daselbst gestorben, übernahm nach des Vaters Tode das ganze Geschäft und setzte es bis zum J. 1824 fort, wo er es seiner Familie abtrat. Die Buchhandlung nahm nun die Firma: Dieterich'sche Buchhandlung an undwurde von Fr. Schlemmer geleitet, welcher in Baireuth 1799 geboren war, in Leipzig den Buchhandel gelernt hatte und seit 1824 in der Dieterich'schen Buchhandlung conditionirte, 1827 Procuraträger, 1831 aber Compagnon wurde. Im J. 1847 ging das Geschäft in andere Hände über und besteht heute nochunter der gleichen Firma. Seit 1765 hatte Dieterich Antheil an dem von E. Klüpfel (vgl. Bd XVI S. 255 ff.) gegründeten Almanac de Gotha; von 1766—1776 führte er ihn allein. Nach Göttingen übergesiedelt gründete er dort nach dem Vorbilde des nun auf Ettinger übergehenden Goth. Hofkalenders den „Göttinger Almanach“. Er ist der Verleger von Grimm's deutscher Grammatik, Grimm's Weisthümern und noch vielen anderen Schriften von Grimm, Mertens' Recueil etc., sowie sich denn an seinen Verlag die bedeutendsten Namen aus der Gelehrtenwelt knüpfen, welche ihre Werke bei ihm erscheinen ließen, wie: Dahlmann, Lichtenberg, Gebrüder Grimm, Gottfried Müller, Zachariä, Langenbeck, Gauß, Benecke, Leutsch, Schneidewin etc. D. stand in freundschaftlichem Verkehr und Briefwechsel mit Gottfried August Bürger, dessen Schriften er auch verlegte. Den berühmten Göttinger Musenalmanach, welchen D. ebenfalls verlegte, redigirte Bürger von 1776—1801. (Strodtmann, Briefe von und an Gottfried August Bürger, Berlin 1874, 4 Bde.)

  • Autor/in

    Kelchner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kelchner, Ernst, "Dieterich, Johann Christian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 156 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118678345.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA