Lebensdaten
1802 bis 1844
Geburtsort
Olten
Sterbeort
Solothurn
Beruf/Funktion
Schweizer Karikaturist ; Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11867207X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Disteli, Martin

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Zitierweise

Disteli, Martin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11867207X.html [14.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus alteingesessenem Oltner Geschl.;
    V Urs Martin (1755–1839), Baumwollfabrikant, Unterstatthalter der Helvetik, später verarmt, S des Urs Jos. Martin, Fabrikant, u. der Anna Maria Kissling aus Kappel (Solothurn);
    M Anna Maria Kümmerli, aus Oltner Handwerkerfamilie;
    1828 Theresia Gisiger aus Hauenstein.

  • Leben

    D. studierte 1821/22 in Freiburg (Breisgau), 1822/23 in Jena Naturwissenschaften und Geschichte. Er war Burschenschafter. Wegen eines Pereats auf Goethe relegiert, wandte er sich, angeregt von Cornelius, englischen und französischen Karikaturisten, der Kunst zu. D. deutet in seinen linearen, volksverbundenen Zeichnungen im Kampf für eine wehrhafte Schweiz ihre Geschichte pathetisch und das zeitgenössische Ringen als Vorkämpfer des liberalen, antiklerikalen Kleinbürgertums. Er schuf „Umrisse zu A. E. Fröhlichs Fabeln“ (1829), Tierfabelbilder und historische Blätter für die „Alpenrosen“ und andere Taschenbücher und Kalender, Zeichnungen zu E. Münchs „Pantheon der Geschichte des Teutschen Volkes“, zu F. J. Hugis „Naturhistorische Alpenreise“ (1830) und zum „Morgenstern“ (1836). Seit 1839 war er Herausgeber und Illustrator des „Schweizerischen Bilderkalenders“ mit historischen, zeitgeschichtlichen und karikaturistischen Lithographien und Holzschnitten. Radierungen zu G. A. Bürgers „Münchhausen“ (1841), Zeichnungen zur „Geschichte des deutschen Michels“ (1843), zu „Reineke Fuchs“, zu Gedichten Goethes, Uhlands und andere stammen von seiner Hand. Nach seinem Tode erschien „Stüffels des Heuschrecken Lebenslauf“. Seit 1836 war D. Zeichenlehrer an der Kantonschule Solothurn. D. bestimmte die Vorstellungen des Schweizervolks von seiner Geschichte stark, wirkt aber vor allem als Karikaturist und Tierfabelzeichner nach.

  • Werke

    Neuausg.: Der Mann v. Welt od. d. Grashüpfer, hrsg. v. J. Coulin, 1920;
    Münchhausen, hrsg. v. G. Wälchli, 1935, Zürich 1943;
    Romant. Tierbilder z. Fabeln u. Versen v. A. E. Fröhlich (u. a.), eingel. u. hrsg. v. G. Wälchli, ebd. 1940; Weiteres in d. Kunstmus. Olten u. Solothurn.

  • Literatur

    ADB V;
    A. Hartmann, M. D., 1861;
    G. Zehnder, M. D., Basel 1883;
    J. Coulin, Der Anti-Philister, 1920;
    G. Wälchli, M. D., Zeit, Leben, Werk, Zürich 1943 (P);
    ThB;
    HBLS (P).

  • Portraits

    Selbstbildnisse im M. D.-Mus. Olten;
    Bildnisse v. J. Senn, J. Ziegler u. a.

  • Autor/in

    Gottfried Wälchli
  • Empfohlene Zitierweise

    Wälchli, Gottfried, "Disteli, Martin" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 744 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11867207X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Disteli: Martin D., Maler und geistreicher Carrikaturenzeichner, geb. zu Olten (im schweizerischen Canton Solothurn) 1. Mai 1802, sollte sich anfänglich dem Staatsdienst widmen; sein ausgesprochenes Talent zur Tendenzzeichnung führte ihn aber schon auf den Hochschulen zu Freiburg im Br. und zu Jena der Kunst zu. Noch jetzt sieht man im Carcer der letztgenannten Musenstadt den „Raub der Sabinerinnen" in halblebensgroßen Figuren, und „Marius“ mit Schlafmütze und Thonpfeife nachdenklich „auf den Trümmern von Carthago“ sitzend, welche beiden Situationen er mit so genialer Hand an die Wand zeichnete, daß selbst der Großherzog Karl August ihrer urkomischen Wirkung nicht widerstehen konnte und durch Abschluß des Zimmers für ihre Erhaltung sorgte. D. vertauschte die Universität Jena mit der Akademie München und führte hier sein erstes größeres Gemälde aus, das von Seiten der Composition Anerkennung fand. In richtiger Kenntniß seiner Stärke jedoch entsagte er der Palette und widmete sich fortan in Olten, wohin er als relegirter Burschenschafter zurückgekehrt war, beinah ausschließlich der Composition. In seinen Stoffen durchaus nicht wählerisch — denn er war durch ökonomische Zerrüttung seiner Familie auf den Broterwerb angewiesen — zeichnete er Aushängeschilder, Schweizerschlachten, Illustrationen für Zeitschriften und zu bekannten Werken (Münchhausen), Taschenbücher ("Die schweizerischen Alpenrosen"), auch Bildercyklen ("Die Heuschrecken"); einen besonders geachteten Namen erwarb er sich durch seine Zeichnungen zu den Fabeln des bekannten Schweizerdichters Ab. Eman. Fröhlich. Alle seine früheren Leistungen wurden aber in Schatten gestellt durch seinen seit 1839 herausgegebenen Kalender ("Distelikalender"), der jährlich eine Menge der geistreichsten und witzigsten Zeichnungen brachte und durch Bild und Wort besonders dem Zopfthum in Staat und Kirche scharf auf den Leib ging und zwar, wenn es sein mußte, in ungescheutem persönlichstem Angriff. Am derbsten und stärksten trat er im letzten der von ihm selber besorgten Jahrgänge (1844) auf; die Folge war das Verbot seines Kalenders in allen ultramontanen Cantonen. Seine historischen Zeichnungen aus der Schweizergeschichte, die der „Distelikalender“ gleichfalls in großer Anzahl enthält, sind an scharf markirter Originalität kenntlich, leiden aber an Uebertreibung der Kraftfülle und streifen, natürlich ohne Wissen und Willen des Künstlers, an die Carrikatur. D. am 18. März 1844 an den Folgen einer regellosen, mit Liebesgram in ursächlichem Zusammenhang stehenden Lebensweise.

    • Literatur

      Vgl. Alfr. Hartmann, Gallerie berühmter Schweizer der Neuzeit, Baden 1868. I. Bd.

  • Autor/in

    J. Mähly.
  • Empfohlene Zitierweise

    Mähly, J., "Disteli, Martin" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 256 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11867207X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA