Lebensdaten
1666 bis 1727
Geburtsort
Bindersleben bei Erfurt
Beruf/Funktion
Musiker ; Komponist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118665618 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Buttstett, Johann Heinrich
  • Buttstedt, Johann Heinrich
  • Buttstett, Johann Heinrich

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Zitierweise

Buttstedt, Johann Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118665618.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus alteingesessener Fam. in Erfurt, unter den Vorfahren Handwerker u. Akademiker;
    V Joh. Heinr., seit 1664 Pfarrer in Bindersleben;
    12.7.1681 Martha Lämmerhirt, Cousine 2. Grades der M v. Joh. Seb. Bach ( 1750);
    7 S, 3 T;
    E Franz Vollrath B. (1735–1814), Organist u. Komponist.

  • Leben

    Noch während seines Besuches des evangelischen Ratsgymnasiums zu Erfurt (1681-84) wurde B. Schüler von Johann Pachelbel, 1684 Organist an der Reglerkirche und 1687 an der Kaufmannskirche; gleichzeitig unterrichtete er an der Kaufmannsschule als fünfter Schulkollege. 1691 übernahm er das Organistenamt an der Predigerkirche und wurde damit einer der Nachfolger Pachelbels an der Compenius-Orgel. Nebenbei spielte er die Orgel in einer der acht katholischen Kirchen Erfurts. Zu seinen Schülern gehörten der Merseburger Hoforganist Georg Fr. Kauffmann und der Organist, Komponist und Lexikograph J. G. Walther. - B.s Bedeutung liegt weniger in seinen musikalischen Schöpfungen als in seinem theoretischen Werk begründet, das ihn als einen späten Vertreter jener für das Deutschland des Barock so eigentümlichen Musikanschauung erscheinen läßt, in der sich die Traditionen spätmittelalterlichen, quadrivialen Denkens bruchlos mit einem „gläubigen Rationalismus“ und den Erkenntnissen einer modernen, „natürlichen Theologie“ verbinden. So ist für B., der in Wesentlichem auf Andreas Werckmeister fußt, der Dreiklang eine harmonia aeterna und „vollkommenes Abbild der hochheiligen Dreieinigkeit“, der Dur-Dreiklang (Ut, Mi, Sol) Abbild der göttlichen, der Moll-Dreiklang (Re, Fa, La) Abbild der menschlichen Natur Christi. Seine Schrift „Ut, Mi, Sol, Re, Fa, La … “ (1716) ist eine Erwiderung auf „Das neueröffnete Orchestre“ (1713) von Johannes Mattheson, in dem dieser sich zum ungleich gewandteren Sprecher einer moderneren, aufgeklärten und säkularisierten Musikanschauung machte. Insbesonders entzündete sich der Streit an dem in Praxis und Lehre schon lange fragwürdig gewordenen System der Solmisation, das B. für die Vokalmusik erhalten wollte, das Mattheson dann aber mit seiner Schrift „Das beschützte Orchestre“ (1717) endgültig zu Grabe trug, wogegen B.s „Öffentliche Erklärung“ (1718) ergebnislos aufbegehrte.

  • Werke

    Verz. d. Kompositionen in: MGG;
    Schrr.: Ut, Mi, Sol, Re, Fa, La, Tota Musica et Harmonia Aeterna, Erfurt u. Leipzig 1716;
    Der wider d. Beschützte Orchestre ergangenen öffentl. Erklärrung zweite Aufl., Erfurt 1718 (1. Aufl. verschollen).

  • Literatur

    ADB III;
    E. Ziller, Der Erfurter Organist J. H. B., 1935, = Btrr. z. Musik-F, hrsg. v. M. Schneider, Bd. 3;
    F.Blume, in: MGG (W, L, auch f. Franz Vollrath B.).

  • Autor/in

    Harald Heckmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Heckmann, Harald, "Buttstedt, Johann Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 81 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118665618.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Buttstett: Johann Heinrich B., Organist und Componist, geb. 25. April 1666 zu Bindersleben bei Erfurt, Schüler des berühmten Johann Pachelbel, 1684 Organist an der Regler-, 1687 an der Kaufmanns- und 1691 an der Prediger-Kirche zu Erfurt, gestorben in diesem Amte 1. Dec. 1727. Er war ein vortrefflicher Orgel- und Clavierspieler, auch kein ungeschickter Tonsetzer; seine nicht sehr kunstvollen aber angenehmen Claviersachen wurden viel gespielt und die zu Erfurt 1713 erschienene „Vorrathskammer“ erlebte zwei Auflagen. Doch ist er gegenwärtig fast nur noch bekannt durch seinen mit Mattheson wegen der alten Musik und Solmisation geführten Streit, in welchem er solchergestalt den|kürzeren zog, daß seine besseren Eigenschaften darüber vergessen sind und er fast nur noch als eine komische Figur erscheint. Mattheson hatte in seinem „Neu-eröffneten Orchestre“, Hamb. 1713, seine Freude darüber kundgegeben, daß die alte Musik unter die verloren gegangenen Dinge zu rechnen sei, von der „verhaßten Solmisation“ gesprochen, und dem Guido von Arezzo nachgesagt, daß er mit seinen sechs Silben wenig Ehre eingelegt habe (S. 245. 290). B. glaubte sich zum Vertheidiger des Alterthums und der Solmisation berufen und erließ gegen Mattheson seine bekannte Schrift: „Ut re mi fa sol la, Tota musica et harmonica aeterna etc.“, Erfurt bei Werther o. J. (1714—16), worin er mehr Leidenschaft und Eifer als Verstandesklarheit und Beruf zum Denker verrieth, und Dinge behauptete, die einem besser beschlagenen Gegner nur willkommen sein konnten. Mattheson, der anfangs versucht hatte, den Streit brieflich beizulegen, was ihm aber nicht gelungen war, veröffentlichte darauf sein: „Beschütztes Orchester etc.“, Hamburg bei Schiller 1717, worin er mit einem großem Aufwande von Gelehrsamkeit, belustigendem Witz und anzüglicher Grobheit, B. der allerdings wohlverdienten Lächerlichkeit preis gab und der Solmisation wenigstens für die Folgezeit den Garaus machte, wenn sie auch für den Augenblick immer noch gewichtige und weit bedeutendere Anhänger als B. hatte (wie z. B. Joh. Jos. Fux, vergl. den Briefwechsel Crit. mus. II. 181 ss.). Von da an ließ B. in dieser Angelegenheit nichts mehr öffentlich von sich hören; Mattheson aber, der auch einem besiegten Feinde nicht leicht verzieh, bewahrte ihm seine Verachtung noch manches Jahr, wir u. a. aus Ehrenpf. 354 Anm. hervorgeht. Von Buttstett's Compositionen ist nicht viel gedruckt: vier Messen, Erfurt 1720; ein Kirchenstück „Zeuch mich dir nach, so laufen wir“, 4 voc. Streichinstr. BC. ebend. 1719. Außerdem nur Claviersachen: „Musikal. Vorrathskammer“, enth. vier Präludien und Fugen, eine Arie mit zwölf Var., zwei Partien, ebend. 1713 und Leipzig 1716; zwei Choräle mit Var. „Allein Gott in der Höh“, ebend. 1705, und „Wo Gott zum Haus nicht gibt“, ebend. 1706 (s. Walther). Eine Anzahl figurirter Choräle und andere Clavierstücke verschiedener Art waren handschriftlich im Umlauf.

  • Autor/in

    v. Dommer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dommer, Arrey von, "Buttstedt, Johann Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 662-663 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118665618.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA