Lebensdaten
1862 bis 1939
Geburtsort
London
Sterbeort
Genf
Beruf/Funktion
Diplomat
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118656562 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bernstorff, Johann Heinrich Graf von
  • Bernstorff, Heinrich Graf von
  • Bernstorff, Johann Heinrich Graf von
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Zitierweise

Bernstorff, Heinrich Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118656562.html [24.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Albrecht s. (1);
    Berlin 1887 Jeanne Luckemeyer, N der Dichterin Mathilde Wesendonck (1828–1902);
    1 S; 1 T.

  • Leben

    Zunächst aktiver Gardeoffizier, trat B. 1890 in den diplomatischen Dienst über, wurde Attaché in Konstantinopel, 1892 Legationssekretär in Belgrad, 1894 in Dresden, 1896 in Petersburg, 1898 Legationsrat in München und 1903 Botschaftsrat in London. Hier wie als Generalkonsul in Kairo (seit 1906) zeigte er sich nach Maßgabe seiner Möglichkeiten bemüht, die Spannung zu England (Marokkokrise) zu mildern entsprechend seiner Auffassung, daß Deutschland sich die „Politik der freien Hand“ auf die Dauer nicht leisten könne und daß die Option für England der für Rußland vorzuziehen sei. Seit 1908 Botschafter in den USA versuchte B., der seit der Marneschlacht an einen deutschen Sieg nicht mehr glaubte und einen Kompromißfrieden für erstrebenswert hielt, Präsident Wilson in seiner Vermittlungspolitik zu bestärken. Er arbeitete deshalb gegen den deutschen U-Bootkrieg, dessen Erfolgsaussichten er von vornherein gering einschätzte, und hatte wichtigen Anteil daran, den uneingeschränkten U-Bootkrieg und den Kriegseintritt der Vereinigten Staaten bis 1917 hinauszuzögern, indem er das Auswärtige Amt konsequent auf die Folgen der verschärften Seekriegführung hinwies und alle Krisen im amerikanisch-deutschen Verhältnis mit großem Geschick überbrücken half, nicht zuletzt dank des persönlichen Vertrauens, das er bei führenden amerikanischen Politikern wie E. House, W. J. Bryan, R. Lansing und auch Wilson besaß (Lusitania- und Arabiczwischenfall 1915, Sussexzwischenfall 1916, Sabotageprozesse Rintelen und Fay und damit verbundene Ausweisung der deutschen Militärattachés F. von Papen und K. Boy-Ed Dezember 1915). B. trug damit entscheidend dazu bei, deutscherseits die Voraussetzungen für Wilsons Friedensaktion Ende 1916 zu schaffen, auf die er große Hoffnungen setzte. Im übrigen versuchte er nicht, das im wesentlichen ohne Verständigung mit ihm beschlossene selbständige deutsche Friedensangebot (12.12.1916) zu verhindern, da seiner Ansicht nach die amerikanische Vermittlung dadurch nicht ernstlich gefährdet, sondern erst durch den Übergang zum uneingeschränkten U-Bootkrieg unmöglich wurde. Von der alldeutschen Richtung und der Obersten Heeresleitung (Ludendorff) wegen seines Strebens nach einem Verständigungsfrieden und als „Demokrat“ scharf kritisiert, wurde B. nach seiner Rückkehr im März 1917 zunächst vom Kaiser nicht empfangen, im September 1917 aber mit dem Botschafterposten in Konstantinopel betraut, nachdem G. Michaelis und R. von Kühlmann die Leitung der deutschen Politik übernommen hatten. Im November 1918 unterstützte B. Prinz Max von Baden bei seinen Bemühungen, einen Ausgleich mit den revolutionären Kräften zu finden, lehnte aber Eberts Vorschlag, als Nachfolger U. Graf Brockdorff-Rantzaus 1919 Außenminister zu werden, ab und schied aus dem aktiven diplomatischen Dienst aus. In Weiterbildung seiner von jeher gemäßigt liberalen Anschauungen schloß er sich der Demokratischen|Partei an, für die er als Mitherausgeber der Zeitschrift „Deutsche Einheit“ und Mitglied des Reichstages (seit 1921) wirkte, wo er die Fraktion bei außenpolitischen Fragen leitete. Als Präsident der deutschen Liga für Völkerbund setzte er sich seit 1922 im In- und Ausland energisch für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ein und wurde 1929 zum Präsidenten des Weltverbandes der Völkerbundligen gewählt. Seit 1926 fungierte er als ständiger deutscher Vertreter in der vorbereitenden Abrüstungskommission des Völkerbundes und gehörte allen deutschen Delegationen zum Völkerbund an. 1933 nahm er seinen ständigen Wohnsitz in der Schweiz.

  • Werke

    Deutschland u. Amerika, Erinnerungen aus d. fünfjähr. Kriege, 1920 (auch engl.);
    Erinnerungen u. Briefe, Zürich 1936 (P).

  • Literatur

    J. B. Scott, Diplomatic Corr. between the United States and Germany Aug. 1.1914-Apr. 6.1917, New York 1918;
    E. Sperry, German Plots and Intrigues in the United States During the Period of Our Neutrality, Washington 1918;
    K. Boy-Ed, Die Vereinigten Staaten v. Amerika u. d. U-Bootkrieg, 1918;
    ders., Verschwörer?, Die ersten 17 Kriegsmonate in d. Vereinigten Staaten v. Nordamerika, Erinnerungen, 1920;
    E. Ludendorff, Meine Kriegserinnerungen 1914–18, 1919;
    A. v. Tirpitz, Erinnerungen, 1919;
    ders., Pol. Dokumente II: Dt. Ohnmachtspolitik im Weltkriege, 1926;
    Th. v. Bethmann-Hollweg, Betrachtungen z. Weltkriege II, 1922;
    Das Werk d. Parlamentar. Untersuchungsausschusses d. Verfassunggebenden Dt. Nationalversammlung u. d. Dt. Reichstages, 1919–28, 3. Reihe, Bd. 2, 3 u. 4, 1927, u. ö.;
    Die Große Politik d. Europ. Kabinette 1871 bis 1914, Bd. 19 ff., 1925 ff.;
    W. J. Bryan, War Memoirs, 1925;
    The Intimate Papers of Colonel House, hrsg. v. Ch. Seymour I, II, London 1926;
    Prinz Max v. Baden, Erinnerungen u. Dokumente, 1928;
    Ch. Seymour, American Diplomacy During the World War, Baltimore 1934;
    ders., American Neutrality 1914–17, New Haven 1935;
    Papers Relating to the Foreign Relations of the United States 1914-17 u. Suppl., Washington 1922–33;
    R. S. Baker, Woodrow Wilson IV-VII, New York 1931–39;
    R. Lansing, War Memoirs, Indianapolis 1935;
    R. v. Kühlmann, Erinnerungen, 1948;
    F. v. Papen, Der Wahrheit eine Gasse, 1952;
    Who's who in America IX, 1917;
    Rhdb. I, 1930 (P);
    Enc. Americana III, 1947.

  • Portraits

    Phot. in: F. W. Wile, Rings um d. Kaiser, 1913.

  • Autor/in

    Friedrich Hermann Schubert
  • Empfohlene Zitierweise

    Schubert, Friedrich Hermann, "Bernstorff, Heinrich Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 141 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118656562.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA