Lebensdaten
1683 bis 1753
Geburtsort
Kleinbobritzsch bei Frauenstein (Erzgebirge, Sachsen)
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Orgelbauer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118614304 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Silbermann, Gottfried

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Zitierweise

Silbermann, Gottfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118614304.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Michael (I.) (1640–1713), Zimmermann in K., Tischlermeister, seit 1686 in F. (s. Fam.art.), S d. Veit;
    M Anna Maria, T d. Caspar Preußler, in Großwaltersdorf (Erzgebirge, Sachsen);
    Ur-Gvv Georg;
    Geschw u. a. Andreas (1678–1734, ⚭ Anna Marie, T d. Caspar Schmidt, Stellmacher, Mitgl. d. Gr. Rats in Straßburg), Tischler, Orgelbauer (s. Fam.art.); – ledig;
    N Johann Andreas (I) (1712–83, 1] Anne Salome, 1725–69, T d. Johann Nikolaus Mannberger, Stellmacher in Straßburg, 2] Anna Elisabeth, 1724–1808, T d. Johann Jakob Schatz, 1691–1760, Gymnasiarch, Bibl. d. Univ. Straßburg, Geogr., Archäol., s. Meusel), Johann Daniel (1717–66, 1] Marie Elisabeth, 1750, T d. Philipp Baer, Kaufm., 2] Susanna Christiana Rockenthien), Johann Heinrich (I) (Jean Henry) (1727–99, ⚭ Catharina Margarethe, 1796, T d. Johann Jakob Mosseder, Weinhändler in Straßburg), alle Orgelbauer (alle s. Fam.art.; NDBA);
    Gr-N Johann Andreas (II) (1752–94), Kaufm. in Sraßburg, Johann Heinrich (II) (1771–1823), Drucker, Jur. (beide s. NDBA).

  • Leben

    S. verbrachte seine Kindheit seit 1686 in Frauenstein und wurde seit 1701 bei seinem Bruder Andreas in Straßburg ausgebildet. Während dessen Aufenthalt in Paris 1704–06 leitete S. die Straßburger Werkstatt und arbeitete 1708/09 selbst in Frankreich. 1710 ließ er sich in Freiberg (Sachsen) nieder und errichtete dort auf Empfehlung des Komponisten Johann Kuhnau (1667–1722) die große Domorgel (erhalten). Als kgl. poln. und kfl. sächs. Hof- und Landorgelbauer seit 1723 schuf S. insgesamt 46 Orgeln in Mitteldeutschland sowie zahlreiche Saitenklaviere. Dabei beteiligte er sich u. a. mit dem „Cembal d'Amour“ aktiv an der Weiterentwicklung des Klavierbaus und verstand darüber hinaus, seine starke Position so gut zu nutzen, daß er es zu einem für einen Instrumentenbauer erstaunlichen Wohlstand brachte.

    Ähnlich qualitätvoll in der Verarbeitung, sind S.s Orgeln noch kompakter als die der im Elsaß tätigen Familienmitglieder angelegt. Es lassen sich fünf verschieden große Grundtypen erkennen. Alle Register finden in einem einzigen Gehäuse Platz. Die Gehäusefronten sind mit Ausnahme der repräsentativen, mit Türmen und Ornamenten verzierten Großprojekte flach gehalten und zeigen meist einen doppelgeschossigen Pfeifenprospekt. Die Pedalklaviatur hat reine Baßfunktion und ist nicht mit Solostimmen besetzt. Lediglich die wenigen dreimanualigen Orgeln, etwa in Freiberg und Dresden, weichen|hiervon ab und zeigen mit einigen Zungenregistern franz. Einflüsse. Vereinzelt setzte S. zusätzliche Farbregister ein; bevorzugt wurden jedoch Prinzipale und Flöten. Die Terzreihe gehört bei S. stets zu den Prinzipalen; ein fest zusammengestelltes Cornett (wie bei den Straßburger Instrumenten) kommt nur in großen Orgeln vor. Auch für die Manualklaviaturen baute S. nur bei großen Orgeln Zungenregister.

    Den begrenzten Registerfundus und die bereits damals obsolete Temperierung, die nicht das Spiel in allen Tonarten ermöglichte, kritisierte nicht nur Johann Sebastian Bach. Andererseits wurde S. für seine Orgeln häufig mit Lobgedichten bedacht; von ihm selbst sind Registrieranweisungen erhalten. Ähnlich den Instrumenten aus der Straßburger Werkstatt wurden auch diejenigen aus Freiberg fast pietätvoll behandelt. In Oederan und Mylau übernahm man sie sogar mit neuem Gehäuse in die neugotischen Kirchen.

    Nicht zuletzt aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse in der DDR wurden S.s Werke zwischen 1945 und 1989 kaum substantiell verändert. Die gut zwei Dutzend erhaltenen Instrumente sind mittlerweile durchweg denkmalpflegerisch restauriert. Besonders in (schwach besetzten) Dorfkirchen werden S.s Orgeln heute mitunter als laut und penetrant empfunden; ursprünglich konzipiert für volle Kirchen, sollten sie den prot. Gemeindegesang führen. Die gängige mitteldt. freie und liedgebundene Orgelliteratur der Zeit ist auf den kleineren Instrumenten in der Regel authentisch darstellbar; die großen Orgelwerke Bachs und der norddt. Orgelliteratur verlangen dagegen die Möglichkeiten der beiden größten Bautypen S.s.

    Aus der Freiberger Werkstatt gingen zahlreiche Mitarbeiter und Schüler hervor, unter denen Zacharias Hildebrandt (1688–1757) und Joachim Wagner (1690–1749) die bekanntesten sind. Der Baustil S.s hielt sich über mehrere Generationen bis ins letzte Drittel des 19. Jh. Da im überwiegend prot. Mitteldeutschland häufig die (politischen) Gemeinden Auftraggeber der Orgeln waren, gingen hier die Aufträge im Gefolge der Säkularisation weniger stark zurück. – Seit den 1980er Jahren gibt es von den einzelnen Orgeltypen S.s weltweit – etwa auch in Finnland oder den USA – Rekonstruktionen, die dem spezifisch hellen, obertonreichen Klangcharakter teilweise erstaunlich nahe kommen. Ein kleines Instrument wurde für das – 1983 eröffnete – Gottfried-Silbermann-Museum in Frauenstein eigens kopiert.

  • Werke

    W u. a. Freiberg, Dom, 1714/38; Ringethal, um 1725; Crostau, um 1732; Etzdorf, 1734 od. früher (seit 1939 Bremen, Dom, Westkrypta); Ponitz, 1737; Großhartmannsdorf, 1741; Dresden, Hofkirche, 1755; nicht erhalten: Dresden, Frauenkirche, 1736; Zittau, Johanniskirche, 1741.

  • Literatur

    ADB 34;
    E. Falde, G. S., Ein Btr. z. Gesch. d. dt. Orgel- u. Klavierbaus im Za. Bachs, 1953;
    U. Dähnert, Die Orgeln G. S.s in Mitteldtld., 1953, Nachdr. mit Ergg. u. Berichtigungen, 1968;
    Werner Müller, Auf den Spuren v. G. S., 1968, 81993;
    ders., G. S., Persönlichkeit u. Werk, 1982;
    F.-H. Greß, Die Klanggestalt d. Orgel G. S.s, 1989, 21998;
    ders., Die Orgeln G. S.s, 2000;
    Ch. Ahrens u. K. Langrock (Hg.), Geprießner S., Gereimtes u. Ungereimtes z. Einweihung v. Orgeln G. S.s, 2003;
    Riemann;
    MGG;
    MGG2;
    New Grove;
    NDBA.

  • Autor/in

    Markus Zimmermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Zimmermann, Markus, "Silbermann, Gottfried" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 409-410 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118614304.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA