Lebensdaten
1903 bis 1986
Geburtsort
München
Sterbeort
Zams (Tirol)
Beruf/Funktion
Bischof von Innsbruck
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118604244 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rusch, Peter Paul
  • Rusch, Paul
  • Rusch, Peter Paul

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Zitierweise

Rusch, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118604244.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Jakob (1857–1921), Zimmermann, Baumeister u. Architekt in M., seit 1906 in Bregenz, S d. Johann Josef, Zimmermann in Bludenz, u. d. Magdalena Tschanett;
    M Emilie Franziska (1868–1911), T d. Leo Reichelmeyr, kgl. Landger.assessor in Ellingen, später kgl. Oberamtsrichter in Neumarkt/Rott, u. d. Anna Käsbohr;
    B Wilhelm Wolfgang (1898–1973), Trafikant in Bregenz.

  • Leben

    1906 übersiedelte R.s Familie von München nach Bregenz, wo R. die Volksschule besuchte und – nach dem Abschluß der Realschule in Lindau – seit 1920 als Bankangestellter arbeitete. Am Bregenzer Realgymnasium legte er 1927 als Privatist die Maturaprüfungen ab und nahm im selben Jahr als Alumnus des Collegium Canisianum in Innsbruck das Studium der Scholastischen Philosophie und 1928 das der Theologie an der dortigen Universität auf (Dr. phil. 1930; Dr. theol. 1934). 1933 zum Priester geweiht, wurde R. im Sommer 1934 Pfarrsubstitut in Lech am Arlberg, im Herbst desselben Jahres Pfarrhelfer in Hohenems (Vorarlberg), 1936 Regens im theol. Internat des Priesterseminars in Innsbruck. 1938 ernannte ihn Papst Pius XI. zum Apostolischen Administrator von Innsbruck-Feldkirch und zum Titularbischof von Lykopolis in der Thebris (1947 nach Meloe in Isaurien transferiert). R. war der jüngste Bischof der kath. Welt sowie erster Diözesanbischof der 1964 zum Bistum erhobenen Apostolischen Administratur bzw. seit 1968 erster Diözesanbischof der um Feldkirch verkleinerten Diözese Innsbruck.

    Während der NS-Zeit war R., dessen Bestellung zum Bischof von den Behörden der „Ostmark“ als nicht vollzogen betrachtet wurde, zahlreichen Schikanen ausgesetzt. Wohl nur aus Staatsräson wurde er nicht verhaftet, doch wurde sein Provikar Dr. Carl Lampert (1894–1944) hingerichtet; er war der ranghöchste dt.sprachige Geistliche unter den Opfern der Nationalsozialisten.

    Nach dem Ende der NS-Herrschaft förderte R. den sozialen Wohnungsbau und den Ausbau kirchlicher Einrichtungen; Kath. Aktion und Arbeiterbewegung bildeten weitere Schwerpunkte seines Engagements, das ihm spätestens nach der Verlautbarung des Sozialhirtenbriefes der österr. Bischöfe 1957, an dessen Formulierung R. federführend beteiligt war, den Ruf eines „linken Bischofs“ einbrachte. Während des II. Vatikan. Konzils (1962–65) war R. Mitglied der Kommission für Priesterfragen, auf gesamtösterr. Ebene 1952-71 Präsident der Pax-Christi-Bewegung und in der österr. Bischofskonferenz Referent für die Auslandsseelsorge und für theol. und soziale Fragen zuständig; als Vertreter Österreichs nahm er 1967 an der ersten Bischofssynode in Rom teil und gehörte seit 1973 der Röm. Glaubenskongregation an.

    Seit den 60er Jahren begann sich R.s Bild in den Augen vieler Tiroler vom Fortschrittsorientierten zum vermeintlich Autoritären zu wandeln. Dazu trugen seine Mahnworte zu den Gefährdungen des Tourismus v. a. für das Leben in den Familien ebenso bei wie zahlreiche Versuche in den 70er Jahren, seine als unzeitgemäß empfundenen Vorstellungen von Jugendarbeit und Glaubensverkündung – ungeachtet massiver öffentlicher Proteste – gegen Jugendinitiativen, fortschrittliche Seelsorger und Theologen durchzusetzen. 1980 bat R. Papst Johannes Paul II. um seinen Rücktritt, stand der Diözese noch bis zur Ernennung seines Nachfolgers Reinhold Stecher 1981 vor und lebte anschließend im Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern des Hl. Vinzenz von Paul in Zams..|

  • Auszeichnungen

    Gr. Goldenes Ehrenzeichen mit Stern d. Rep. Österr. (1962); Ehrenring d. Landes Tirol (1963); Ehrenbürger d. Stadt Innsbruck (1974).

  • Werke

    u. a. Versuch e. Theorie d. synthet.-notwendigen Urteile, Diss. phil. Innsbruck 1930 (ungedr.);
    Wurzeln u. Anfänge d. allegor. Liturgieerklärung in Morgen- u. Abendland, Diss. theol. Innsbruck 1935 (ungedr.);
    Gott will es, Zur soz. Gerechtigkeit, 1935;
    An junge Christen, 1946;
    Wachstum im Geiste, Ein Buch priesterl. Betrachtung, 1949, 21962;
    Junger Arbeiter wohin?, 1953;
    Der Sozialhirtenbrief d. österr. Bischöfe, hg. i. A. d. Bf.konferenz u. mit Kommentar versehen v. Bf. Dr. P. R., 1957;
    Kirche im Gebirge u. anderswo, 1959;
    Aktuelle Bibelfragen, 1969;
    Christl. Ges.modell für d. Zukunft, 1976;
    Waage d. Zeit – Wege d. Zeit, Erfahrungen, Erkenntnisse, Wege, Geleitwort v. Bf. Dr. R. Stecher, 1983 (P);
    Jesus, unser Bruder, Themat. Leben-Jesu-Meditationen, 1986.

  • Literatur

    J. Gelmi, Gesch. d. Kirche in Tirol, Nord-. Ost- u. Südtirol, 2001, S. 503-41 (P);
    H. Alexander, Kirchen u. Rel.gemeinschaften in Tirol, in: M. Gehler (Hg.), Tirol, Land im Gebirge, Zw. Tradition u. Moderne, 1999, S. 379-483;
    W. Ingenhaeff, Lehrer, Richter, Hirten, Die Bischöfe Tirols, 1981, S. 135-54 (P); .
    Gatz V;
    LThK;
    BBKL.

  • Portraits

    Foto in: Schematismus d. Diözese Innsbruck 26, 1980, S. 31.

  • Autor/in

    Helmut Alexander
  • Empfohlene Zitierweise

    Alexander, Helmut, "Rusch, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 295 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118604244.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA