Lebensdaten
1902 bis 1991
Geburtsort
Herbesthal (Kreis Eupen)
Sterbeort
Bad Neuenahr
Beruf/Funktion
katholischer Geistlicher ; Widerstandskämpfer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118602918 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rossaint, Joseph Cornelius
  • Rossaint, Joseph
  • Rossaint, Joseph Cornelius
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Zitierweise

Rossaint, Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118602918.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Josef, Straßenmeister;
    M Maria Hellenbrandt;
    N Alexander (* 1945), Dr med. dent., Zahnarzt (s. L).

  • Leben

    R. wurde nach dem Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Theologie (Dr. theol. 1926) und der Priesterweihe 1927 Kaplan in Oberhausen, 1932 in Düsseldorf. 1928 trat er dem „Friedensbund Dt. Katholiken“ bei, in dem er sich – auch noch nach dessen Verbot 1933 – ebenso stark engagierte wie in der kath. Jugendarbeit (Sturmscharen), wobei er auch Kontakt zu sozialdemokratischen und kommunistischen Jugendbewegungen unterhielt. 1929 trat R. der Zentrumspartei bei, verließ sie jedoch an dem Tag, als diese 1933 dem „Ermächtigungsgesetz“ zustimmte. Er glaubte zwar, daß das NS-Regime nur von außen wirksam zu bekämpfen sei, versuchte aber auch innenpolitisch eine Zusammenarbeit mit dem kommunistischen Jugendverband. 1936 wurde R. in einem Schauprozeß wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu elf Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Die NS-Presse brandmarkte ihn und die mit ihm Verurteilten als Kommunistenfreunde und Defätisten. Sie wollte damit nicht nur die kath. Jugendbewegung, sondern die Kirche insgesamt treffen. R. wurde zunächst nach Plötzensee gebracht, dann ins Zuchthaus Remscheid-Lüttringhausen. Nach 1945 setzte er sich als Publizist und Verleger für Frieden und gegen Wiederaufrüstung, atomare Bewaffnung und Notstandsgesetze ein. 1957 wurde R. einer der Vizepräsidenten der Internat. Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), 1961 einer der vier Präsidenten der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), 1971 deren alleiniger Präsident. Neben Wolfgang Abendroth (1906–85) und Martin Niemöller (1892–1984) gehörte er dem „Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte des Dt. Widerstands 1933-1945“ an. Trotz seiner Distanz zur Kirche blieben ihm insbesondere der Kölner Ebf. Joachim Kard. Meisner (* 1933) und Weihbf. Augustin Frotz (1903–94) persönlich verbunden, der über R. in einem Nachruf schrieb: „Er ist bewußt innerlich Priester geblieben und hat so gelebt“. – Dr. phil. h. c. (Humboldt-Univ. Berlin 1987); Aachener Friedenspreis (1989); Lenin-Medaille d. UdSSR; Friedensmedaille d. Weltfriedensrates; Gedenktafel d. Pfarrgde. St. Marien in Oberhausen b. Köln (1997).

  • Werke

    Bodenreform, 1946;
    Neues Dtld., Bund Christl. Sozialisten, 1947;
    Vollendung d. Demokratie als nat. Idee, Was ist heute u. in d. Zukunft bundesdt. nat. Politik?, 1974;
    Zur Außenpol. Dtld.s, 1954;
    Neue Ostpol., Neonazismus u. Restauration u. Aufgaben d. Widerstandes, 1968;
    Aspekte d. gegenwärtigen Lage in d. Bundesrep. Dtld., insbes. in Bezug auf d. neonazist. Gefahr, 1971;
    Widerstand gegen d. Nazismus in Oberhausen, 1983 (mit Michael Zimmermann);
    Vom Zweiten ins „Dritte Reich“, Weimar, Faschismus, Widerstand, 1986.

  • Literatur

    Präsidium d. VNN/Bund d. Antifaschisten (Hg.), Porträt e. Aufrechten – J. C. R., 1982;
    K. Hiekisch, J. R., 1989 (P);
    K. H. Jahnke. Antifaschisten, Unbequeme Zeugen d. 20. Jh., II, 1996, S. 140-63;
    ders. u. Alexander Rossaint, Dr. J. C. R. (1902-1991), Aus seinem Leben u. Werk, 1997 (Qu, W, L. P);
    dies., Hauptangeklagter im Berliner Katholikenprozeß 1937: Kaplan Dr. J. C. R., 2002 (P);
    L. Bies, Neue Dok. z. Berliner Katholiken-Prozeß 1937, In memoriam Dr. Dr. h. c. J. C. R, in: Btrr. z. Gesch. d. Arbeiterbewegung 34, 1992, S. 83-94;
    Lex. Widerstand;
    Schumacher. M. d. B.;
    Fernsehfilm
    „Ein dt. Schicksal“ v. W. Viebahn (WDR, 12.4.1987).

  • Autor/in

    Karin Nußbaum
  • Empfohlene Zitierweise

    Nußbaum, Karin, "Rossaint, Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 95 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118602918.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA