Lebensdaten
1890 bis 1971
Geburtsort
Würzburg
Beruf/Funktion
Bildhauerin ; Graphikerin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118601776 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Roeder, Emy

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Zitierweise

Roeder, Emy, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118601776.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1860–1909), Kaufm. in W., S d. Franz Karl (1831–75), Kaufm. in W., u. d. Emilie Siligmüller (1828–86);
    M Sophie Katharine Johanna (* 1868), T d. Georg Ludwig Geys (1837–1907), Malzfabr., u. d. Leopoldine Prager ( 1873);
    Berlin 1920 ( 1935) Herbert Garbe (1888–1945 in franz. Kriegsgefangenschaft, 2] 1940 Senta Rees, 1992, Tänzerin), aus Berlin, Bildhauer (s. L, P); kinderlos.

  • Leben

    R. besuchte 1908-10 die Zeichen- und Bildhauerklasse des „Polytechnischen Zentralvereins“ in Würzburg und lernte in der Werkstatt des Bildhauers Arthur Schleglmünig (1864–1956). 1912-14 war sie Schülerin von Bernhard Hoetger (1874–1949) in der Darmstädter Künstlerkolonie. 1919 bildete sie in der „Frau aus dem Moor“ (Kunststein) ihre eigene expressionistische Formensprache aus, die sie in den um 1920 entstandenen Gruppendarstellungen variierte. Neben Figuren wurden in der Folge Bildnisse und kleinformatige Tierdarstellungen zu Schwerpunkten ihres Œuvres.

    Seit 1918 in Berlin, zählte R. neben Renée Sintenis und Milly Steger zu den bekanntesten Bildhauerinnen der Kulturmetropole. Noch 1918 wurde sie Mitglied der „Freien Sezession“ und der „Novembergruppe“, später auch im „Verein der Berliner Künstlerinnen“ (1927-30) und der „Berliner Sezession“ (1929). Mit ihrem Ehemann, der ebenfalls der Novembergruppe angehörte, arbeitete sie in einem gemeinsamen Atelier. 1920 wurde sie von Hugo Lederer (1871–1940) als Meisterschülerin an die Preuß. Akademie der Künste aufgenommen. Bei einem Aufenthalt in Paris 1923 entdeckte sie für sich die Zeichnung als zusätzliche künstlerische Aussageform. 1933 unternahm sie eine weitere Reise nach Paris; ihre in den 30er Jahren entstandenen Frauenfiguren zeigen Einflüsse Aristide Maillols.

    1936 erhielt R. mit dem Villa-Romana-Preis und dem damit verbundenen Aufenthalt in Florenz die Möglichkeit, dem repressiven kulturellen Klima unter den Nationalsozialisten auszuweichen. Ein Jahr später wurde ihre Terrakottaplastik „Schwangere“ in der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München gezeigt. R. erhielt in Deutschland Ausstellungsverbot. Während sich ihr (geschiedener) Mann mit der neuen politischen Situation arrangierte, kehrte R. zunächst nicht nach Deutschland zurück. Sie verbrachte die Zeit bis 1944 im Künstlerkreis um Hans Purrmann (1880–1966), der seit 1935 die Villa Romana leitete, im Sommer arbeitete sie meist in Ronchi Poveromo in den Bergen an Tierzeichnungen. Nach der Besetzung von Florenz durch die Alliierten 1944 wurde R. in ein Internierungslager nach Padula (Provinz Salerno) gebracht. Aus den dort skizzierten Frauenakten entwickelte sie nach ihrer Entlassung 1945 das flache Bronzerelief als neues Ausdrucksmittel.

    1945-49 vorwiegend in Rom und der röm. Campagna tätig, zog sie 1950 nach Mainz, wo sie bis 1953 einen Lehrauftrag für Bildhauerei und Graphik an der Landeskunstschule hatte. Studienreisen führten sie u. a. nach Tripolis (1959) und Kairo (1960); die dort entstandenen Zeichnungen setzte sie in ihren Ateliers in Bad Aibling (Oberbayern) und Mainz in Bronze um. Mit den überlängten Frauendarstellungen „Tripoli III“ (1963) und|„Stehende Tripolitanerin“ (1967) nahm sie zuletzt stilistisch nochmals auf ihr Frühwerk Bezug.|

  • Auszeichnungen

    Preis d. Preuß. Ak. d. Künste (1920); Preis d. Stadt Köln (1929); Kunstpreis d. Stadt Berlin (1953), d. Landes Rheinland-Pfalz (1956), d. Landes Nordrhein-Westfalen (1960), der Stadt Mainz (1962); Ehrengast d. Villa Massimo in Rom (1958); Gr. BVK (1960); Mitgl. d. Berliner Ak. d. Künste (West) (1961); Prof. (1963).

  • Werke

    u. a. Portaits: Herbert Garbe, 1918 (Kunststein, zerstört);
    Die Blinde, 1927;
    Hans Purrmann, 1950/51;
    Erich Heckel, 1951/52;
    Karl Schmidt-Rottluff, 1955/56 (alle Bronze, alle Würzburg, Städt. Galerie);
    Bronzerelief:
    Phönix, Sed de suo resurgit rogo, 1960 (Univ. Mainz, Inst. f. Kunstgesch.);
    e. vollst. W-Verz. fehlt. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Würzburg, Städt. Gal.

  • Literatur

    A. Kuhn, E. R., 1921 (P);
    F. Gerke, E. R., Eine Werkmonogr., 1963 (P);
    H.-J. Imiela, E. R., o. J. [1971];
    H. Muth, E. R. 1890-1971, Eine Bildhauerin aus Würzburg, 1978;
    ders., in: Fränk. Lb. 14, 1991, S. 271-90 (Qu. L, Ausst.kat., P);
    E. R., Bildwerke, Handzeichnungen, Ausst.kat. Würzburg 1981 (P);
    E. R. 1890-1971 Akzente, Ausst.kat. Würzburg 1989/90 (P);
    M. Bushart, Der Formsinn des Weibes, Bildhauerinnen in d. zwanziger u. dreißiger J., in: Tradition ohne Profession, 125 J. Ver. d. Berliner Künstlerinnen, Ausst.kat. Berlin 1992, S. 135-150;
    E. Ranfft, German Women Sculptors 1918-1936, in: M. Meskimmon, S. West (Hg.), Visions of the „Neue Frau“, Women and the Visual Arts in Weimar Germany, 1995;
    Drei Bildhauerinnen: Wanda Pratschke – E. R. – Louise Stomps, Ausst.kat. Stadtmus. Hofheim am Taunus, 2000 (Abb., P);
    A. Cherdron, „Prometheus war nicht ihr Ahne“, Berliner Bildhauerinnen d. Weimarer Rep., 2000;
    ThB;
    Vollmer;
    BHdE II;
    zu H. Garbe:
    S. Lindenstädt, Der Bildhauer H. G., 1994 (P);
    Vollmer.

  • Portraits

    Marmorbüste v. H. Garbe, 1920 (Berlin, Berlinische Gal.);
    Selbstbildnis I u. II, Bronze, 1958 u. 1964 (Würzburg, Städt. Gal.);
    Phot., Abb. in: E. R., Ausst.kat. 1981 (s. L).

  • Autor/in

    Anja Cherdron
  • Empfohlene Zitierweise

    Cherdron, Anja, "Roeder, Emy" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 707-708 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118601776.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA