Lebensdaten
1620 oder 1621 bis 1701
Geburtsort
Lasino (Cavedine-Tal) bei Trient
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Funktion
Baumeister
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118593285 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pedrini, Antonio
  • Petrini, Antonio
  • Pedrini, Antonio

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Zitierweise

Petrini, Antonio, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118593285.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jacobus Pedrini;
    M unbek. (sofern d. Geb.datum 18.11.1620 zutrifft); oder V Balthasar Pedrinus;
    M Antonia (sofern d. Geb.datum 17.3.1621 zutrifft);
    Maria Katharina, Wwe d. Wolfgang Striegler, Stadtrat u. Verw. d. Juliusspitals in W.

  • Leben

    P. stammte aus einer Maurermeister- und Steinmetzfamilie „Pedrini“ aus Lasino im Cavedine-Tal, einer Gegend mit zahlreichen Familien dieses Namens, der auf die Tradition der Steinbearbeitung zurückgeht und bis in das 15. Jh. zurückzuverfolgen ist. Aufgrund der spärlichen Archivalien lassen sich weder P.s Eltern noch sein Geburtsdatum eindeutig feststellen. Über die Jugend P.s, seine Ausbildung und Tätigkeit in Italien ist nichts bekannt, vermutlich lebte er bereits 1650/51 in Würzburg, wo er in den Quellen als „Petrini“ erscheint.

    Unter den ital. Baumeistern und Architekten, die während des 17. Jh. in Süddeutschland tätig waren, nimmt P. eine besondere Stellung ein. Er stand vorwiegend im Dienste Johann Philipps v. Schönborn (1605–73), seit 1642 Bischof von Würzburg und seit 1647 Kurfürst und Erzbischof von Mainz, war aber auch selbst sehr geschäftstüchtig: Er erwarb mehrere Gebäude, um sie umzugestalten und mit Gewinn wieder zu verkaufen, stellte Arbeitskräfte aus verschiedenen Gegenden seiner Heimat an (wie z. B. den ebenfalls aus dem Trentino stammenden Valentino Pezzani ( 1716) bei Fortifikationen und Sakralbauten von Würzburg) und wirkte an mehreren Orten Deutschlands zugleich als Planer und Gestalter.

    P. begann als Festungsbaumeister der Neubefestigung des Marienberges (1650) und des neuen Mauerringes der Stadt Würzburg (1656). Danach wirkte er am Bau der Karmelitenkirche/Reuererkirche (1662–69) mit, dem ersten Bau des Frühbarocks in Würzburg, der noch starke Elemente der Renaissance und des Manierismus zeigt. Als sein Schlüsselwerk gilt die Kirche von Stift Haug (1670–91) in Würzburg, die bereits völlig den Zielsetzungen der Gegenreformation entsprach. Mit dieser Kirche war das Fundament zu einem Baustil vorgeprägt, den später Balthasar Neumann in Franken zu vollkommener Blüte entwickeln sollte. Seit 1696 arbeitete P. am Wiederaufbau der Universitätskirche/Neubaukirche (III. Bauperiode); von ihm stammen die zwei obersten Turmgeschoße und drei östliche Strebepfeiler an der Südseite der Kirche, während die Turmkuppel von Joseph Greising 1699 vollendet wurde. Außerdem wurde P. mit der Planung und Bauleitung des Juliusspitals in Würzburg betraut (1699-1701). Dieses Spätwerk belegt P.s Fähigkeit zur rhythmischen Gestaltung großer repräsentativer Anlagen.

    Über Franken hinaus bekannt und angesehen, war P. zur selben Zeit im Eichsfeld (1669–90), das zum Erzstift Mainz gehörte, tätig. 1660 war er nach Dortmund zur Begutachtung der Reinoldikirche gerufen worden, 1681 dreimal nach Paderborn. Seine Entwürfe für die dortige Jesuitenkirche kamen wegen Unstimmigkeiten zwischen Auftraggeber und Baumeister nicht zur Ausführung. 1698 reiste er in die Kurpfalz wegen Umbauten in Schwetzingen und Weinheim.

    P. gehört zur ersten Generation von Baumeistern und Architekten des fränk. Barocks, der|sich in massigen Festungstoren, neuen Kirchenfassaden und Kapellenbauten ausdrückte, und dessen Formen aus der Verschmelzung traditioneller Elemente der deutschen Spätrenaissance mit auch teilweise über Oberitalien vermittelten röm. Einflüssen entstanden.

  • Werke

    Weitere W Festungs- u. Stadttore (zugeschr): Würzburg, Festungsneutor, Außenseite, 1650 (?) u. Festungsbau, 1651 (?);
    Mainz, Zitadellentor, 1660;
    Kronach, Festungstor, 1662;
    Würzburg, Zellertor, 1664 u. Burkarder Tor, um 1680;
    Forchheim, Nürnberger Tor, 1687 (?);
    Bamberg, Riegeltor, 1697-98;
    Erfurt, Petersberger Tor, 1668-73 (urkundl. belegt). – Adelshöfe u. Wohnhäuser in Würzburg: Dietricher Spital, 1670;
    P.s Wohnhaus, 1685;
    Petersbau/Münze, begonnen 1689;
    Hof Emeringen, 1699;
    Bechtolsheimer Hof, Ende 17. Jh.;
    Rosenbachhof, 1699 ff.;
    Hauger Kapitelhaus, 1699-1703;
    Schlößchen am Rennweg, 1700–05. – Bauten (bzw. Pläne) in Franken: Eibelstadt, Pläne f. d. Kreuzkapelle, 1657;
    Bamberg, Aufriß f. d. Seitenansicht d. Schlosses Geyerswörth, 1677 (beides nicht ausgeführt);
    Bamberg, St. Stephanskirche, 1677 ff.;
    Wiesentheid, Umbau d. Pfarrkirche, 1680-83 u. Kreuzkapelle, 1686-89;
    Kitzingen, Ev. Pfarrkirche (ehem. Ursulinerkirche), 1686-93;
    Schloß Seehof b. Bamberg, 1686-96;
    Fährbrück, Wallfahrtskirche, 1686-98 (zugeschr.);
    Miltenberg, Franziskanerkirche, 1687;
    im Eichsfeld (urkundl. belegt):
    Worbis, Klosterbau u. -
    kirche d. Franziskaner, 1669-80;
    Anrode, Klosterkirche d. Zisterzienserinnen, u. Beuren, Neugestaltung d. Klosterkirche d. Zisterzianserinnen, 1672-79;
    Heiligenstadt, Plan f. d. Schulgebäude d. Jesuiten, 1677;
    Breitenworbis, Pfarrkirche, 1681-85;
    in Paderborn:
    Pläne f. d. Jesuitenkirche, 1681 (nicht ausgeführt);
    Franziskanerkirche, 1667-69 (zugeschr.);
    in d. Kurpfalz:
    Plan f. d. Schloß d. Kf. Johann Wilhelm, Weinheim, 1698 (zugeschr.).

  • Literatur

    A. Braun, A. P., d. Würzburger Baumeister d. Barock u. sein Werk, 1934;
    L. Longo, A. P. architetto (Calavino di Trento 1621 – Würzburg 1701), 1974;
    dies., A. P (um 1620/21-1701), Ein Barockarchitekt in Franken, 1985 (L);
    H. Lorenz, Domenico Martinelli u. d. österr. Barockarchitektur, 1991, S. 63, 211, 293. – Zu Valentino Pezzani: L. Longo, Note su V. P. impresario e architetto in Franconia, in: Studi Trentini di Scienze Storiche 56, 1977, 1, S. 49-57;
    dies., V. P. Werkmeister nelle fortificazioni di Würzburg, ebd. 59, 1980, 2, S. 185-96.

  • Autor/in

    Lucia Longo Endres
  • Empfohlene Zitierweise

    Longo Endres, Lucia, "Petrini, Antonio" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 267 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118593285.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA