Lebensdaten
erwähnt 12.-20. Jahrhundert
Beruf/Funktion
schwäbische Adelsfamilie
Konfession
katholisch,lutherisch
Normdaten
GND: 118589547 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oettingen, Grafen zu
  • Oettingen, Fürsten zu
  • Oettingen, zu
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Verknüpfungen

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Zitierweise

Oettingen, zu, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118589547.html [14.11.2018].

CC0

  • Leben

    Angehörige der edelfreien Familie, die sich nach Oettingen nennen, sind seit 1141 – mit dem Grafentitel erstmals 1147 – urkundlich bezeugt. Die ältere Forschung wollte in ihnen direkte Nachkommen und Besitznachfolger der im frühen 11. Jh. genannten Grafen im Riesgau sehen, die nach neueren Untersuchungen jedoch als Ahnen der Staufer gelten. Die O. könnten allerdings in weiblicher Linie von den Riesgaugrafen abstammen, wenn zutrifft, daß ein zwischen 1118 und 1147 häufig genannter edelfreier Konrad von Wallerstein mit einer Tochter des stauf. Pfalzgf. Ludwig verheiratet war und der erste Graf von O. dieser Ehe entstammte. In ihren Anfängen erscheinen die O. in starker Stellung im südlichen Franken und mit Erbbesitz auch im bad. Kraichgau, während sie im Ries zunächst nur im engeren Raum um Oettingen auftreten. Die Lage dieses namengebenden Herrschaftssitzes inmitten eines von Kaiser Heinrich III. 1053 der Eichstätter Bischofskirche übertragenen kgl. Bannforsts macht wahrscheinlich, daß die edelfreie Familie hier zur Wahrung stauf. Reichslandinteressen eingesetzt wurde. Seit der Mitte des 13. Jh. – und verstärkt nach dem Zusammenbruch des stauf. Hauses – konnten die O. ihre Herrschaft vom Kernraum um Oettingen her durch gezielte Erwerbung von Reichsgut und Kirchenvogteien und unter Zurückdrängung anderer edelfreier Geschlechter über das gesamte Ries ausbauen. Der Aufstieg des Hauses kulminierte mit einem Ausgriff in den Ansbacher Raum am Ende des 13. Jh.; im 14. Jh. sahen die O., gespalten in Parteigänger Ludwigs des Bayern und Friedrichs des Schönen, ihre Mittel erschöpft. Häufige Erbteilungen seit dem 15. Jh. verhinderten eine erfolgreiche Territorialpolitik ebenso wie die unterschiedliche Konfessionsentscheidung in der Reformation, welche die Linien des Hauses im 16. und 17. Jh. in einander feindliche Lager führte. Die staatsrechtliche Einheit der Grafschaft blieb von den Erbteilungen im Innern jedoch bis 1806 unangetastet, und trotz der Erhebung einzelner Linien des Hauses in den Reichsfürstenstand hatten die O. im Reichstag bis in die letzten Jahre des Alten Reichs nur Anteil an der Kuriatstimme der Schwäb. Grafenbank. Im 17. und 18. Jh. gelangen noch Erwerbungen kleinerer schwäb. Herrschaften, am folgenreichsten aber sollte die Erwerbung der linksrhein. Herrschaft Dachstuhl werden: Für den Verlust dieser Herrschaft durch den Frieden von Luneville wurde die Linie O.-Wallerstein im Reichsdeputationshauptschluß 1803 mit Klosterbesitz in Schwaben entschädigt. Erst durch dieses Gesetz wurde den beiden Linien O.-Spielberg und O.-Wallerstein je eine Virilstimme im erweiterten Reichsfürstenrat zuerkannt. Die Landesherrschaft des Hauses wurde 1806 aufgehoben. In der Rheinbundakte wurde das Territorium zunächst vollständig Bayern zugeteilt, 1810 gelangten Teile an Württemberg. Nach der Mediatisierung wurden die Fürsten von O. als Standesherren privilegierte Untertanen der Könige von Bayern und Württemberg, deren persönliche Vorrechte z. T. bis 1918 erhalten blieben.

    Auch wenn der Hausbesitz als Basis für eine eigenständige Politik zu schmal war, gelangten doch einzelne Angehörige der Familie im Dienst von Kirche und Reich zu Amt und Einfluß. So war der Deutschordensritter Ludwig ( nach 1247, s. L) zeitweise Stellvertreter|des Hochmeisters Hermann v. Salza. Ludwig III. ( 1313) stand vier Königen – von Rudolf von Habsburg bis zu Heinrich VII. – nahe und diente ihnen sowohl auf ihren Kriegszügen als auch in diplomatischen Missionen. Ludwig VI. ( 1346), zog 1332-36 mehrfach im Auftrag Ludwigs des Bayern zu Verhandlungen nach Avignon, sein Neffe Ludwig VIII. (1302–78), der ihn dabei begleitet hatte, war 1345 nochmals am päpstl. Hof und ging 1346 nach England. Unter Karl IV., an dessen Romzug er teilnahm, war er kaiserl. Landvogt in Augsburg, Landrichter in Nürnberg und Nördlingen sowie Landfriedenshauptmann in Schwaben. Friedrich III. ( 1423, s. L) war Rat und Kammermeister Kg. Wenzels, danach Rat und Hofmeister Kg. Ruprechts. Friedrichs Bruder Ludwig IX. ( 1440) stand über 20 Jahre als Hofmeister in Diensten Kg. Sigismunds, ein jüngerer Bruder Friedrich (um 1360–1413, s. L) wurde 1381 Bischof von Eichstätt. Ludwig XIII. ( 1486) tat sich als Reiterführer an der Seite der Eidgenossen im Kampf gegen Karl den Kühnen hervor. Dem Schwäb. Bund dienten Joachim ( 1520) als Hauptmann, in anderen Ämtern Wolfgang I. (1456–1522) und Martin (1506–49). Friedrich ( 1490, s. L) wurde 1485 Bischof von Passau. Während die Brüder Karl Wolfgang (1474–1549) und Ludwig XV. (1506–57) ihre Grafschaftsanteile der luth. Reformation öffneten und des letzteren Sohn Ludwig XVI. (1506–69) die neue Landeskirche organisierte, blieb dessen Bruder Friedrich V. (1516–79) katholisch. In deren Enkelgeneration entstanden die ev. Linie O.-Oettingen sowie die kath. Linien O.-Spielberg, O.-Wallerstein (die beiden letzteren heute noch blühend) und O.-Baldern.

    Linie Oettingen-Oettingen

    Albrecht Ernst I. (1642–83, s. L), der um sich einen Dichterkreis mit engen Verbindungen zu den Nürnberger Pegnitzschäfern sammelte, wurde 1674 in den Reichsfürstenstand erhoben. Mit seinem Sohn Albrecht Ernst II. (1669–1732), kaiserl. Generalfeldmarschall und Kommandant der Festung Philippsburg, erlosch diese Linie. Seine Tochter Christine Louise (1671–1747, s. L), vermählt mit Ludwig Rudolf Hzg. von Braunschweig-Lüneburg, galt als „Stammutter Europas“, nachdem ihre Töchter die Thronerben Österreichs und Rußlands geheiratet hatten.

    Linie Oettingen-Spielberg

    Franz Albrecht (1663–1737) wurde 1735 in den Reichsfürstenstand nach dem Recht der Erstgeburt erhoben. Als sein ältester Sohn keinen männlichen Erben hatte, wurde 1765 der Fürstenstand auf den zweitgeborenen Anton Ernst (1712–68) und dessen gesamte männliche Nachkommenschaft ausgedehnt. Im Kgr. Bayern hatten von 1855 bis zum Ende der Monarchie nacheinander die Fürsten Otto Karl (1815–82), Albrecht (1847–1916) und Ernst (1850–1919) das bayer. Kronobersthofmeisteramt inne.

    Linie Oettingen-Wallerstein

    Ernst II. (1594–1670, s. L) gehörte seit 1635 dem Reichshofrat an, seit 1648 als dessen Präsident. Sein Sohn Wolfgang IV. (1626-1708, s. 1) war ebenfalls Reichshofratspräsident, auch Gesandter zum Friedenskongreß in Karlowitz und Großbotschafter zum Sultan in Konstantinopel. Kraft Ernst (1748–1802, s. 2), 1774 in den Reichsfürstenstand erhoben, war ein reformfreudiger aufgeklärtabsolutistischer Landesherr und hielt eine berühmte Hofkapelle, sein jüngster Bruder Philipp Carl Joseph (1759–1826, s. L) war seit 1785 nacheinander Reichshofrat, kath. Reichskammergerichtspräsident, Kammerrichter und seit 1801 letzter Präsident des Reichshofrats. Nach dem Ende des Alten Reichs diente er dem Kaisertum Österreich als Präsident der Obersten Justizstelle, als Staats- und Konferenzminister und schließlich seit 1819 als Obersthofmarschall. In der folgenden Generation widmete sich Ludwig (1791–1870, s. 3), zweimal als Minister der Innenpolitik Bayerns, sein Bruder Karl Anselm (1796–1871, s. L) war politisch für die Interessen der deutschen Standesherren tätig, dessen Gemahlin Julie (1807–83, s. L) war eine frühe Anhängerin der Homöopathie: Auf ihre Stiftung geht das Münchener Krankenhaus für Naturheilweisen zurück. Eugen (1885–1969, s. L) stand bis 1914 im diplomatischen Dienst des Reichs, war 1923-30 Chef der Hof- und Vermögensverwaltung des Kronprinzen Rupprecht von Bayern, der ihn im Februar 1933 im Zusammenhang mit Plänen, in Bayern die Monarchie als Bollwerk gegen die nationalsozialistische Gleichschaltung der Länder wieder zu errichten, zum Reichspräsidenten nach Berlin entsandte. 1951/52 gehörte er dem Deutschen Bundestag als Abgeordneter der Bayernpartei an.

    Linie Oettingen-Baldern

    Franz Wilhelm (1725–98, s. L), mit dem diese Linie des Hauses erlosch, war der letzte Propst des alten Kölner Domkapitels und als Kunstsammler ein Förderer der Kanoniker Franz Wallraf und Franz Pick.

  • Literatur

    ADB 40;
    W. Frhr. Löffelholz v. Kolberg, Oettingana, 1883;
    A. Diemand, Gesch. d. Hauses O. v. d. Anfängen bis um 1500, um 1930, masch. (Expl. in d. Fürstl. O.-Wallersteinschen Slgg. Schloß Harburg = FÖWSH);
    H. H. Hofmann, Territorienbildung in Franken im 14. Jh., in: ZBLG 31, 1968, S. 369-420;
    R. Endres, Die Bedeutung d. Reichsgutes u. d. Reichsrechte in d. Territorialpol. d. Grafen v. O., in: Verhh. d. Hist. Ver. v. Mittelfranken 80, 1962/63, S. 36-54;
    E. Grünenwald, Das älteste Lehenbuch d. Gfsch. O., 14. Jh. bis 1471 (1477), 1975;
    D. Kudorfer, Die Gfsch. O., 1985;
    ders., in: M. Schaab, H. Schwarzmaier (Hg.), Hdb. d. baden-württ. Gesch., II, 1995, S. 395-400;
    Rieser Biogrr., hg. v. A. Schlagbauer, W.-D. Kavasch, 1993;
    Zedler 25;
    Genealogische Tafeln:
    Stammtafel d. mediatisierten Hauses O., 1895;
    Isenburg V, 1978, Tafeln 149-57;
    ebd, XVI, 1995, Tafeln 98-108. – Zur vermuteten stauf. Abstammung: H. Decker-Hauff, Das Staufische Haus, in: Die Zeit d. Staufer, Kat. d. Ausst. Stuttgart 1977, III, S. 339-74;
    H. Bühler, Zur Gesch. d. frühen Staufer, in: Hohenstaufen, Veröff. d. Gesch.- u. Altertums-Ver. Göppingen, 10. F., S. 1-44;
    ders., Die frühen Staufer im Ries, in: Früh- und hochma. Adel in Schwaben u. Bayern, hg. v. I. Eberl, 1988, S. 270-94;
    A. Thiele, Erzählende genealog. Stammtafeln z. europ. Gesch., I/1, 1991, Tafel 17 – Zu Ludwig: J. Hopfenzitz, Kommende Oettingen Dt. Ordens, 1975, S. 1-9;
    - zu Bischof Friedrich v. Eichstätt:
    J. Sax, Die Bischöfe u. Reichsfürsten v. Eichstätt 745-1806, 1884/85, S. 265-81;
    . – zu Bischof Friedrich v. Passau: Gatz III;
    zu Friedrich III.:
    P. Moraw, Beamtentum u. Rat Kg. Ruprechts, in: ZGORh 116, 1968, S. 59-126;
    H. Mau, Die Rittergesellschaften mit St. Jörgenschild in Schwaben, 1941, S. 42-48;
    zu Albrecht Ernst I.:
    A. Layer, Die O.schen Blumengenossen, in: Jb. d. Hist. Ver. Dillingen a. d. Donau 70, 1968, S. 176-84;
    V. v. Volckamer, Harburger u. Wallersteiner Materialien z. Gesch. v. Lit. u. Gelehrsamkeit in d. Gfsch. O., vornehml. d. 17. u. 18. Jh., in: Zs. f. bayer. KGesch. 52, 1983, S. 9-28;
    zu Christine Louise:
    E. Nadler, Ch. L. v. Braunschweig-Blankenburg als Stammutter europ. Herrscherhäuser, in: Genealogie 26, 1977, S. 772-782;
    ders., Mater Augustae, Btr. zu e. Lebensbeschreibung d. Hgn. Ch. L. v. Braunschweig, geb. Prn. zu O.-O., in: Niedersächs. Jb. f. Landesgesch. 50, 1978, S. 361-68;
    zu Ernst:
    O. v. Gschließer, Der Reichshofrat, 1942, S. 237 u. 257;
    zu Philipp Carl Joseph:
    O. v. Gschließer, Der Reichshofrat, 1942, S. 497 f. u. 512;
    G. v. Trauchburg, Adelige Ausbildung im Za. d. Aufklärung, in: Zs. d. hist. Ver. f. Schwaben 89, 1996, S. 157-80;
    NND 4;
    Wurzbach 21;
    zu Karl Anselm:
    H. Gollwitzer, Die Standesherren, 21964, S. 131 f., 213 f., 229;
    U. Neth, Standesherren u. liberale Bewegung, 1970;
    Ch. Bakker, Standesherrl. Pol. am Beispiel d. Prinzen Karl v. O.-Wallerstein in d. J. 1840-1860, Mag.arb. München 1993 (Expl. in FÖWSH);
    zu Julie:
    A. Braun, Der Münchner homöopath. Spitalver., in: Dt. Journal f. Homöopathie 3, 1984, S. 89-91;
    Homöopathie 1796-1996, Kat. z. Ausst. im Dt. Hygiene-Mus. Dresden, 1996, S. 176 f.;
    zu Eugen:
    K. Schwendt, Bayern zw. Monarchie u. Diktatur, 1954, S. 520-24;
    W. Zorn, Bayerns Gesch. im 20. Jh., 1986, S. 351-53;
    - zu Franz Wilhelm:
    O. H. Förster, Kölner Kunstsammler v. MA bis z. Ende d. bürgerl. Za., 1931, S. 33 f., 80 u. 100;
    F. W. Lohmann, Der letzte Propst d. alten Kölner Domkap., in: Der Dom zu Köln, FS z. Feier d. 50. Wiederkehr seiner Vollendung, hg. v. E. Kuphal, 1930, S. 295-311;
    A. G. Spiller, Kanonikus Franz Pick, Diss. Bonn 1967;
    Kosch, Kath. Dtld.

  • Portraits

    Singer I, 9, Nr. 68316-365;
    Singer II. 3, Nr. 26463-465;
    Portraitslg. in FÖWSH.

  • Autor/in

    Volker von Volckamer
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Volckamer, Volker von, "Oettingen, zu" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 472-474 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118589547.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA