Lebensdaten
1904 bis 1944
Geburtsort
Osnabrück
Sterbeort
Auschwitz
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118589059 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nußbaum, Felix

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Zitierweise

Nußbaum, Felix, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118589059.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp (1872–1944, Auschwitz), aus Emden, Kaufm. in O.;
    M Rahel van Dyk (1873–1944, Auschwitz)| T d. Samuel van Dyk (1842-1921), Lohgerber, Lederhändler in Bunde (Ostfriesland), u. d. Flora Ries (1837-1911);
    B Justus (1901–44. KZ Stutthof b. Danzig), Kaufm.;
    Brüssel 1937 Felka (1899–1944, Auschwitz) aus Warschau, T d. Leon Platek u. d. Salome Strumfeld; kinderlos.

  • Leben

    N. wuchs in gutbürgerlichen Verhältnissen auf, in denen Kunst und Musik hohen Stellenwert besaßen. Der Vater, selbst Amateurmaler, ermöglichte seinem jüngeren Sohn das Studium der Kunst. Nach Anfängen in Hamburg nahm N. 1923 sein Studium in Berlin bei Cesar Klein und Paul Plontke auf. 1927 wurde er Meisterschüler von Hans Meid; in dieselbe Zeit fiel seine Auseinandersetzung mit van Gogh. Die eigenartige Phantastik seiner Bilder, die vor dem Hintergrund der Neuen Sachlichkeit Einflüsse der Pittura metafisica (de Chirico) und der Malerei Henri Rousseaus vereint, wurde in zeitgenössischen Kritiken (Paul Westheim, Willi Wolfradt) wohlwollend beurteilt. Mit seinem Gemälde „Der tolle Platz“ (Berlin, Berlin. Gal.), 1931 in der Sezession ausgestellt, wurde N. zu einer festen Größe unter den Künstlern|der jungen Generation. Sein Stipendium 1932 an der Villa Massimo in Rom brachte diese Anerkennung zum Ausdruck. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann N.s Leidensweg im Exil. Nach dem Brand seines Ateliers in Berlin und einer Auseinandersetzung mit einem Mitstipendiaten verließ er überstürzt Rom in Richtung der ital. Riviera. Anfang 1935 reiste er mit einem Touristenvisum nach Ostende, 1937 übersiedelte er nach Brüssel. Versuche, sich dem belg. Kunstgeschmack durch die Auseinandersetzung mit der Ecole de Paris anzupassen, scheiterten. Die Bedingungen der Emigration bewirkten zunehmende Unsicherheit und Selbstzweifel, die in zahlreichen Selbstporträts zum Ausdruck kommen. Nach seiner Teilnahme an der Ausstellung des Freien Deutschen Künstlerbundes 1938 in Paris verstand er seine Kunst zunehmend politisch. Am 10.5.1940 wurde N. wie alle wehrfähigen Deutschen im Lager St. Cyprien interniert. Nach seiner Flucht im August 1940 faßte er seine Lagererfahrungen in allegorischen Bildern. Als im Juni 1942 die Judendeportationen auch in Belgien begannen, tauchte N. mit seiner Frau unter. Seine Bilder wurden nun zum Tagebuch der Isolation des im Versteck vor den Besatzern lebenden Juden – einzigartige Dokumente des Holocaust der Juden in Europa. In seinem berühmten „Selbstbildnis mit Judenpaß“, 1943 (Osnabrück, Kulturgeschichtl. Mus.), spiegelt sich N.s klares Bewußtsein, der Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten nicht entkommen zu können. Sein letztes Bild, „Triumph des Todes“ (18.4.1944, ebd.), drückt seinen Zweifel am Sinn der Kunst aus, die ihm die Kraft zu überleben gab. 1944 wurde N. aufgrund einer gezielten Denunziation verhaftet, nach Auschwitz deportiert und dort wie auch seine Ehefrau und zuvor schon seine Eltern ermordet.|

  • Auszeichnungen

    Felix-Nußbaum-Haus, Osnabrück (seit 1998).

  • Werke

    Weitere W Die beiden Juden, 1926;
    Arles sur Rhone, Gräberallee, 1929;
    Erinnerung an Norderney, 1929;
    Zerstörung (1), 1933;
    Der kranke Reiter (Reiter u. Tod), 1935;
    Die Perlen (Trauernde), 1938 (alle Osnabrück, Kulturgeschichtl. Mus.);
    Mummenschanz, 1939 (Chicago, David and Alfred Smart Mus. of Art);
    Selbstbildnis im Lager, 1939 (Milwaukee, Marvin Fishman Collection);
    Lagersynagoge, 1941 (Jerusalem, Yad Vashem Art Mus.);
    Angst, 1941;
    Der Sturm (Die Vertriebenen), 1941 (beide Osnabrück, Kulturgeschichtl. Mus.);
    Selbstbildnis im Totenhemd, 1942 (Berlin, Berlin. Gal.);
    St. Cyprien, 1942;
    Orgelmann, 1943;
    Selbstbildnis an d. Staffelei, 1943 (alle Osnabrück. Kulturgeschichtl. Mus.);
    Jude am Fenster, 1943 (Oldenburg, Landesmus.);
    Die Verdammten, 1944;
    Jaqui auf d. Straße, 1944 (beide Osnabrück, Kulturgeschichtl. Mus.);
    Dreiergruppe, 1944 (Berlin, Dt. Hist. Mus.). |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Osnabrück, Kulturgeschichtl. Mus.

  • Literatur

    P. Westheim, in: Das Kunstbl. 12, 1928, 13, 1929;
    W. Wolfradt, in: Der Cicerone 21, 1929;
    ders. in: Kunst d. Zeit 10/11, 1930;
    Widerstand statt Anpassung, Ausst.kat. Bad. Kunstver. Karlsruhe 1980;
    P. Junk u. W. Zimmer, F. N., Leben u. Werk, 1982 (W-Verz.);
    F. Steinfeld, Vergast nicht vergessen, Erinnerungen an d. Malerfreund F. N., 1984;
    E. D. Bilski, in: Art and Exile, F. N. 1904-1944, Ausst.kat. New York 1985, S. 19-69;
    P. Junk. F. N. u. sein Judentum, in: F. N.Gem., Zeichnungen u. Dokumente, Ausst.kat. Duisburg 1988, S. 77-86;
    K. G. Kaster, F. N. (1904 Osnabrück-1944 Auschwitz), Eine biogr. u. ikonograph. Deutung seines Werkes, 1989, 21994;
    E. Berger. I. Jaehner, K. G. Kaster u. a., F. N., Verfemte Kunst – Exilkunst – Widerstandskunst, 31995 (L-Verz., engl. 1997 [verändert u. erweitert]);
    Ausst.kat. Jüd. Mus. Frankfurt/M., 1998 (W, L, P);
    Th. Rodieg, Daniel Libeskind, Mus. ohne Ausgang, Das Felix-Nußbaum-Haus d. Kulturgeschichtl. Mus. Osnabrück, 1998;
    Biogr. Hdb. Osnabrück;
    ThB;
    Vollmer;
    BHdE II.

  • Portraits

    Selbstbildnis mit Judenpaß, 1943, u. alle weiteren Selbstbildnisse, abgeb. in: F. N., Verfemte Kunst, 1995 (s. L).

  • Autor/in

    Inge Jaehner
  • Empfohlene Zitierweise

    Jaehner, Inge, "Nußbaum, Felix" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 377 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118589059.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA