Lebensdaten
1903 bis 1988
Geburtsort
Koblenz
Sterbeort
Sirnach
Beruf/Funktion
Graphiker ; politischer Karikaturist
Konfession
katholisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 118583964 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meffert, Carl Josef (bis 1933 eigentlich)
  • Meffert, José Carlos (1940-1962)
  • Moreau, Clément
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Zitierweise

Moreau, Clément, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118583964.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Adoptiv-V (seit 1905) Josef Meffert (1873-n. 1950), Postbeamter in K., S d. August u. d. Eleonore Groß (* 1832);
    M Gertrude Schmidt ( 1919), Ladengehilfin in K.;
    1) Koblenz 1926 Augusta (1904–30), T d. Florian Baitzel (1871–1944), Großkaufm. in K., u. d. Angelika Dott (1873–1933), 2) Buenos Aires 1935 Nelly (* 1904), Kinderpsychologin, T d. Carl Guggenbühl-Giger (1872–1964), Versicherungs-Generalagent, u. d. Helen Giger (1878–1964);
    2 T aus 1), 1 S, 1 T aus 2).

  • Leben

    Kurz vor dem 1. Weltkrieg kam M., der aus zerrütteten Familienverhältnissen stammte, in die Fürsorgeerziehung, zunächst zu den „Ehrwürdigen Brüdern der christlichen Liebe“ in die Anstalt Warburg, später nach Burgsteinfurt in Westfalen. Er begann früh zu zeichnen, erwarb sich aber neben der Arbeit in Rüstungsfabriken und auf dem Felde nur eine spärliche Schulbildung. 1919 begann er eine Lehre als Maler, die er nach kurzer Zeit abbrach, trieb sich in den Wirren der Revolutionsjahre zunächst ziellos umher und schloß sich dann den Spartakisten an, für die er Plakate malte und Ausweise fälschte. 1920 wurde er deswegen, nach einer Denunziation durch seinen Vater, von einem Militärsondergericht zu drei Jahren und vier Monaten Einzelhaft verurteilt, die er im Zuchthaus Werl absaß.

    Nach seiner Entlassung 1924 absolvierte M. ein Volontariat als Kirchen- und Dekorationsmaler und studierte an der Kunstgewerbeschule in Köln, wo er über die „Kölner Progressiven“ um Franz W. Seiwert und Jankel Adler erste Kontakte zur Kunstszene bekam. 1926 übersiedelte er nach Berlin und verdiente dort seinen Lebensunterhalt zunächst mit graphischen Gelegenheitsarbeiten und Preisschilderschreiben auf Wochenmärkten. Mit Illustrationen zu Fjodor Gladkows Roman „Zement“ und der Mappe „Hamburg“ über den Arbeiteraufstand von 1923 stellte er sich bei Käthe Kollwitz vor, die ihn als Schüler aufnahm und dann an Emil Orlik weiterempfahl. Durch den Maler Otto Nagel fand M. Zugang zu dem Kreis um Heinrich Zille, befreundete sich mit Heinrich Vogeler, Erich Mühsam, Egon Erwin Kisch und John Heartfield und wurde 1928 Mitglied der „AS-SO“ (Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands). Erste Erfolge hatte er mit Illustrationen für die Arbeiterpresse („AIZ“, Verlag für Literatur und Politik) sowie mit graphischen Mappen. Es entstanden fünf Linolschnittzyklen, in denen er seine eigene Jugend und die sozialen Probleme seiner Zeit verarbeitete, darunter der 20teilige Zyklus „Fürsorgeerziehung“ (1928). In diesen Jahren trennte sich M. von seiner Frau und lebte in Paris, Berlin und in der Schweiz, nach dem Suizid seiner Frau ging er 1930 erneut nach Paris. Für die dortige Wochenzeitschrift „Monde“, herausgegeben von Henri Barbusse, zeichnete er bereits seit 1929. 1931 kam M. nach Fontana Martina bei Ascona, wo er als Mitglied der dortigen Kooperative um den Sozialutopisten Fritz Jordi lebte. Mit ihm, Helene Ernst und Heinrich Vogeler arbeitete er für die Zeitschrift „Fontana Martina“. Hier lernte er auch Ignazio Silone kennen, dessen Romane er später illustrierte.

    1933 tauchte M. als illegaler Immigrant in der Schweiz unter und nahm den Namen Clément Moreau (Initialen CM) an, den Geburtsnamen seiner Großmutter. Er schuf Bleischnitte für den Basler „Vorwärts“, arbeitete für die Gewerkschaftspresse und entwarf Buchillustrationen und Umschläge für den Verlag Oprecht u. Helbling in Zürich. Mit Hilfe seiner zweiten Frau konnte er 1935 mit einem Nansenpaß legal nach Buenos Aires übersiedeln. Hier unterrichtete er bis 1937 an der Pestalozzi-Schule, engagierte sich politisch in der antifaschistischen Gruppe „Das Andere Deutschland“ um August Siemsen und produzierte für das „Argentin. Tageblatt“ und andere große Zeitungen des Landes Hunderte politischer Karikaturen. 1937/38 schuf er den Zyklus „La comedia humana (Nacht über Deutschland) “ mit über 200 Linolschnitten, der zu den wichtigsten Werken der Exilkunst zählt (Teilnachdr. u. d. T. „Nacht über Deutschland, Mein Kampf – zweiter Teil“, 1976, 21979, Einl. v. C. M., Vorwort v. Heinrich Böll). Nach dem Krieg richtete sich seine Kritik zunehmend gegen die Verhältnisse in Argentinien. 1947/48 wurde er gezwungen, mehrere Monate in Jujuy in den Anden zu verbringen, offiziell mit dem Auftrag, als Werbefachmann diese Region für den Tourismus zu erschließen. Von da an entstand eine Fülle von Zeichnungen und Linolschnitten über das Leben der Indios. 1949 wurde M. wegen seiner Mitarbeit in antiperonistischen Organisationen nach Patagonien verbannt, konnte nach einigen Monaten nach Montevideo fliehen und kehrte nach einem Jahr nach Buenos Aires zurück. In der Amtszeit Frondizis seit 1958 beteiligte er sich an einem staatlichen Entwicklungsprojekt in der Provinz Chaco als Leiter des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit, klärte die Indianerbevölkerung über Gesundheitsfragen auf und beteiligte sich am Aufbau der Universität in Resistencia, wo er als Professor für Bildende Kunst tätig war. Seit 1962 lebte M. in der Schweiz in St. Gallen und Zürich, da er wegen des Militärputsches nicht mehr nach Argentinien zurückkehren konnte. Er arbeitete nun als Zeichenlehrer an der Schule für Gestaltung in St. Gallen (1967–81), als Arbeitstherapeut in psychiatrischen Kliniken und als Theaterzeichner am Schauspielhaus Zürich für Schweizer und deutsche Zeitungen.

    M. hat sich selbst nicht als Künstler, sondern als „menschlichen Gebrauchsgraphiker“ gesehen, der mit seiner Kunst vor allem Zugang zu den weniger Gebildeten suchte, wozu auch seine bevorzugten Techniken der Zeichnung und des Linolschnitts beitrugen. Dadurch war er gezwungen, sich mit klaren, einfachen bildnerischen Mitteln in weichen, ruhigen Formen auf das Wesentliche zu beschränken. Inhaltlich stand er deutlich in der Tradition von Käthe Kollwitz, wenn er aus eigenem Erleben mit psychologisch einfühlsamem Blick individuelle und doch allgemeingültige Schicksale gestaltete. Seine antifaschistischen, in Argentinien entstandenen Karikaturen dagegen zeichnen sich durch das Aufeinandertreffen von leidenschaftlicher Empörung und politischem Bildwitz aus. Erst in den 70er Jahren wurde sein frühes sozialkritisches Werk aus den 30er und 40er Jahren in der Schweiz und in Deutschland bekannt. Ein großer Teil seines Werkes wird seit 1984 von der Stiftung Clément Moreau im Schweizer. Sozialarchiv in Zürich verwahrt. Zur Wiederentdeckung von M.s Werk hat seine langjährige Freundin in den Schweizer Jahren, Margit Brenner, entscheidend beigetragen. – Kulturpreis d. Stadt Koblenz (1983), Auszeichnung durch d. Schweizer. Gewerkschaftsbund (1987), Kulturpreis d. Dt. Gewerkschaftsbundes (1988).

  • Werke

    Weitere W Graph. Zyklen: Hamburg, 1927;
    Zement, 1927/28;
    Shanghai, 1930;
    Deine Schwester, 1928;
    Erwerbslose Jugend, 1928 (Vorw. v. K. Kollwitz);
    Proletar. Kunst, o. J. (1932), Neuausg. mit Einl. v. D. Pforte, 1977;
    Mein Kampf, Texto de Adolfo Hitler, Buenos Aires ca. 1937, Nachdr. 1975 (Vorw. v. Max Frisch), franz. 1976, türk. 1977;
    Mit d. Zeichenstift gegen d. Faschismus, ausgew. Karikaturen aus d. J. 1935–45, 1980 (Einl. v. G. Magnaguagno);
    Argentina, 12 grabados del norte y del chaco de C. M., Zürich 1973;
    El chaco, o. J., Zürich 1963;
    Nachdr. d. Zyklen Erwerbslose Jugend, Fürsorgeerziehung, Deine Schwester, u. d. T., Die Welt v. unten, 1978 (mit autobiogr. Text, P);
    Nachdr. d. Zyklen Hamburg, Zement, Deine Schwester, Erwerbslose Jugend, Fürsorgeerziehung u. d. T. Frühe Arbeiten, 1983 (mit autobiogr. Text). – Illustrationen zu: Ignazio Silone, Fontamara, ital. 1933, franz. 1935, dt. 1944, 1947;
    Die Reise nach Paris, dt. 1934, argentin. 1935, engl. 1935. – Linolschnitte zu: I. S., 1980, Einl. v. G. Magnaguagno;
    B. Traven, Die Brücke im Dschungel, 1979. – Zs.-Btrr.: Fontana Martina, Okt. 1931-Nov. 1932, Nachdr. hrsg. v. D. Pforte, 1976.

  • Literatur

    W. Mittenzwei, C. M., Ein Leben auf d. Suche nach d. Brüderlichkeit d. Menschen, 1977 (P);
    ders., in: Wochenztg. Zürich, Nr. 3 v. 20.1.1989, S. 17 f.;
    Neue Ges. f. Bildende Kunst (Hrsg.), C. M., Grafik f. d. Mitmenschen, Ausst.kat. Berlin 1978 (W-Verz. unvollst., P);
    Widerstand statt Anpassung, Ausst.kat. Berlin 1980, S. 184-90, passim;
    M. Müller-Strunk, Lernen mit C. M., Ästhet. Handeln als Prozeß d. Solidarität, o. J. (um 1981) (P);
    dies., C. M., Im Auftrag meiner Neugier, 1987 (P);
    Kulturarbeit im DGB – Kreis Koblenz (Hrsg.), C. M., Es geht um Alle, Grafik für d. Mitmenschen – gewerkschaftl. Kulturarbeit, o. J., 1984 (P);
    Th. Miller, in: Bodensee Hh. 10, 1988, S. 48-53;
    ders. (Hrsg.), C. M. – Carl|Meffert, Eine Liebesgesch., 1991;
    E. Korazija Magnaguagno, Laudatio aus Anlaß d. Kulturpreisverleihung 1988 d. DGB an C. M., 13.12.1988 in Koblenz (Typoskript);
    dies., in: Tages-Anz. Zürich v. 29.12.1988, S. 9;
    R. Hiepe, in: Tendenzen 166, 1989, S. 57-59 (P);
    H. Kreis, in: print 7, 1989, S. 536-38;
    K. Kollwitz – C. M, Ausst.kat. Koblenz 1989, Berlin 1990 (P);
    C. M., Con el lápiz contra el fascismo, mit Btrr. v. M. Nungesser, B. L. Engelbert, M. Lauga u. a., hrsg. v. Goethe-Inst. Buenos Aires, 1994;
    Lex. d. zeitgenöss. Schweizer Künstler, 1981;
    BHdE II. – Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Dorothea Peters
  • Empfohlene Zitierweise

    Peters, Dorothea, "Moreau, Clément" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 94-96 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118583964.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA