Lebensdaten
1865 bis 1954
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
Schachmeister
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118582305 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mieses, Jacques
  • Mieses, J.
  • Mieses, Jacques Jakob
  • mehr

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Zitierweise

Mieses, Jacques, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118582305.html [24.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Ov Samuel, Dr. med., Schachmeister.

  • Leben

    M., der in Leipzig und Berlin Naturwissenschaften studiert hatte, gehörte schon früh zu den besten deutschen Schachspielern. Sein erster großer Erfolg war der 2. Platz beim Hauptturnier des 5. Kongresses des Deutschen Schachbundes in Frankfurt/Main 1887. Beim Meisterturnier des folgenden Jahres in Leipzig belegte er hinter v. Bardeleben und Riemann den 3. Rang, plazierte sich aber vor Paulsen und Tarrasch. Während der folgenden sechs Jahrzehnte nahm M. in einer der längsten Karrieren der Schachgeschichte an über 60 Turnieren teil und spielte mehr als 20 Wettkämpfe. Beginnend mit dem berühmten Turnier in Hastings 1895, maß er sich mit allen großen Meistern seiner Zeit, darunter den Weltmeistern Steinitz, Lasker, Capablanca, Aljechin und Euwe. Seine größten Turniererfolge waren die beiden ersten Plätze beim Trebitsch-Turnier in Wien 1907 (vor Duras, Maroczy, Tartakower, Schlechter und Spielmann) und beim Turnier in Liverpool 1923 (vor Maroczy, Thomas und Yates). 1938 mußte M. als Judo Deutschland verlassen und fand in England eine neue Heimat. Auch im hohen Alter büßte er nur wenig von seiner Spielstärke ein. Bei seinem letzten Turnier, das er 1948 als 83jähriger in Stockholm spielte, erreichte er noch den 3. Platz.

    M. war der letzte prominente Vertreter der „romantischen“ Schachschule. Seine Angriffslust, sein Sinn für taktische Wendungen und seine glänzende Kombinationsgabe machten ihn auch für die stärksten Spieler seiner Zeit zu einem stets gefährlichen Gegner. Mit seiner überfallartigen Spielweise gewann er spektakuläre Kurzpartion und errang zahlreiche Schönheitspreise. Auch als Schachschriftsteller machte sich M. einen Namen. Er war ständiger Mitarbeiter vieler großer Zeitungen und Zeitschriften. Das „Lehrbuch des Schachspiels“ des Berliner Schachmeister Jean Dufresne (1829–93) bearbeitete er 50 Jahre lang von der 7. bis zur 14. Auflage (1937) für die Reclam'sche Universalbibliothek. Kein anderes Schachbuch in deutscher Sprache hat so sehr zur Popularisierung des königlichen Spiels beigetragen wieder „Dufresne/Mieses“, der bis zum heutigen Tage in immer neuen Auflagen erscheint (281988).

  • Werke

    Weitere W Moderne Endspielstud., 1919, 21922;
    Blumenlese aus Schachmeisterpartien, 1922;
    etwa 25 weitere Schachbücher.

  • Literatur

    Dt. Schach-Ztg., 1954, Nr. 7;
    S. Kaznelson, Juden im dt. Kulturbereich, 1962;
    H. Wieteck, Meister M., 1993;
    ders., Meister M., in: Schach-Echo, 1980, H. 7, S. 108 f.;
    Wininger;
    BHdE II.

  • Autor/in

    Helmut Wieteck
  • Empfohlene Zitierweise

    Wieteck, Helmut, "Mieses, Jacques" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 482 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118582305.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA