Lebensdaten
gestorben vermutlich um 1533
Beruf/Funktion
Bildhauer ; Kupferstecher ; Holzschnitzer
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118580388 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • H. L. (Monogramm)
  • Monogrammist H. L.
  • Meister des Breisacher Hochaltars
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Zitierweise

Meister des Breisacher Hochaltars, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118580388.html [15.11.2018].

CC0

  • Leben

    M. war mindestens zeitweise als Meister in Breisach ansässig. Er signierte sein Hauptwerk, den Breisacher Hochaltar, mit dem Monogramm H. L., ebenso 7 von 8 Holzschnitten und 24 von 25 Kupferstichen. Verschiedene Versuche, M. namentlich zu erfassen, waren bisher erfolglos. Die zuletzt von H. Schindler versuchte Identifizierung mit einem Hans Loy, der in den Steuerlisten von Freiburg 1519 unter den Malern verzeichnet wird, ist nicht haltbar. Vielleicht war M. Mitglied der Familie des Breisacher Münsterbaumeisters Jörg Lutz, der 1515 auf dem Straßburger Hüttentag anwesend war (Haselier 1969), doch sind dafür Belege nicht zu finden, da das Breisacher Stadtarchiv 1793 durch Brand zerstört wurde. Die einzige Archivalie zum Werk M.s ist ein Brief des Breisacher Stadtrats vom 28.3.1523 an den Rat in Freiburg wegen Holzbeschaffung für den Hochaltar durch den „Meister“, dessen Name allerdings nicht genannt wird.

    Der Breisacher Hochaltar (1523–26) ist das einzige beglaubigte plastische Werk M.s. Es wird als ein Höhepunkt spätgotischer Kunst angesehen und erweist seinen Meister als Virtuosen der Bildschnitzerei am Oberrhein. Ob er auch in dieser Gegend geboren wurde, in Straßburg oder bei Wydyz in Freiburg in die Lehre ging, ist unsicher. Aufgrund stilistischer Merkmale nimmt man an, daß er als Geselle im Umkreis von Veit Stoß in Nürnberg, im Kreis der Donauschule und in Wien arbeitete. Durch die Daten seiner Kupferstiche zwischen 1511 und 1522 läßt sich eine Stilentwicklung bis zum Breisacher Hochaltar ablesen. Seine frühesten Kupferstiche verraten Kenntnis von oberital. Graphik und von Werken Dürers. Die Holzschnitte zeigen Beziehungen zu H. Schäuffelein und H. Baldung-Grien. Da M.s Kupferstiche zum Teil überarbeitet und mit dem neuen Datum 1533 versehen wurden, nimmt man an, daß der Meister um diese Zeit starb und der Werkstattnachfolger die Stiche neu herausgab. J. Rasmussen stellte 1973 die These auf, daß M. um diese Zeit das Oberrheingebiet verließ und in die Niederlande zog.

    Die übrigen plastischen Werke werden M. mehr oder weniger glaubwürdig zugeschrieben. Es handelt sich um Altäre und Einzelfiguren aus dem oberrhein. Raum, deren Datierungen umstritten sind; ihre Stilmerkmale werden völlig verschieden gedeutet. In den graphischen wie plastischen Werken M.s verbinden sich äußerst bewegte spätgotische Faltenzüge mit räumlichen Elementen, realistischer Gestaltung von Körpern, Gliedmaßen und Stoffen. Vor allem die bildnishaften Antlitze seiner Gestalten weisen auf Berührung mit der zeitgenössischen Renaissancekunst hin.

  • Werke

    Weiteres W mit H. L. signiert: Holzschnitt mit Muttergottes (Oxford, Ashmolean-Mus.). – Zuschreibungen: Altar d. Pfarrkirche Niederrotweil a. K.;
    Annenaltar im Freiburger Münster;
    Johannes d. Täufer u. Johannes Evangelist (Nürnberg, German. Nat.mus.) (viell. zugehörig e. verschollene Muttergottes in Mülhausen);
    Hll. Felix u. Regula (Reutte b. Freiburg, zugehörig e. Muttergottes in Forchheim b. Freiburg);
    Hl. Georg (München, Bayer. Nat.mus.);
    Simson-Statuette (wohl Herkules mit Keule, ebd.);
    Adam u. Eva-Gruppe (Freiburg, Augustinermus.);
    Hl. Georg (London, Victoria and Albert Mus.);
    Relief mit Marter d. Hl. Katharina (Colmar, Unterlindenmus.);
    Mitarb. am Altar v. Mauer b. Melk;
    Kupf. mit hl. Sebastian (Wien, Albertina);
    |Holzschnitt mit hl. Paulus (Zürich, Graph. Slg. d. ETH);
    3 Entwurfzeichnungen auf d. Rückseite d. Flügel d. Niederrotweiler Altars;
    Altarriß (Ulm, Stadtarchiv).

  • Literatur

    M. Loßnitzer, H. Leinberger, 1913;
    T. Demmler, in: Jb. d. Preuß. Kunstslgg. 35, 1914, S. 103 ff.;
    G. Münzel, Der Mutter-Anna-Altar im Freiburger Münster, in: Freiburger Münsterbll. 10, 1914, S. 45 ff.;
    O. Schmitt, Oberrhein. Plastik im ausgehenden MA, 1924, S. 44 ff., Tafeln 109-34, Anh. S. 14 ff.;
    M. Geisberg, Kat. d. Einblatt-Holzschnitte 1930, S. 156, Nr. 893;
    C. Sommer, in: Zs. d. dt. Ver. f. Kunstwiss. 3, 1936, S. 245 ff.;
    C. Dodgson, Rare Woodcuts in the Ashmolean Mus., in: Burlington Magazine 71, 1937, S. 123;
    J. Sauer, Der Breisacher Hochaltar u. s. Instandsetzung, in: Dt. Kunst- u. Denkmalpflege 1940/41, S. 209 ff.;
    G. Lill, H. Leinberger, 1942;
    I. Schroth, Die Herkunft d. Meisters H. L., in: Kunstchronik 13, 1960, S. 283;
    dies., Der Schnitzaltar in Niederrotweil a. K., in: Jb. d. Staatl. Museen in Baden-Württemberg 8, 1971, S. 65 ff.;
    dies., Hieß d. Meister d. Breisacher Hochaltars Hans Loi?, in: Freiburger Univ.bll. 1980, S. 25 ff.;
    K. Oettinger, Zur Assunta-Phase in Dtld., in: Festschr. f. Peter Metz, 1965, S. 283, 293;
    G. Haselier, Gesch. d. Stadt Breisach I, 1969, S. 244;
    E. Zimmermann, in: Ausst.kat. Spätgotik am Oberrhein, Karlsruhe, 1970, S. 203 ff., Nachtrag in: Jb. d. Staatl. Kunstslgg. Baden-Württemberg 9, 1972, S. 152 ff.;
    dies., in: Ausst.kat. Renaissance im dt. Südwesten, Heidelberg 1986, 2, S. 531 ff.;
    J. Rasmussen, in: Jb. d. Hamburger Kunstslgg. 18, 1973, S. 55 ff.;
    H. Schindler, Der Schnitzaltar, 1978, S. 63, 169 ff.;
    ders., Der Meister H. L. = Hans Loy?, 1981;
    H. Brommer, War Hans Loy d. Meister H. L., in: Freiburger Diözesan-Archiv 100, 1980, S. 161 ff.;
    F. Kobler, Der Meister H. L. identifiziert?, in: Kunstchronik 33, 1980, S. 205 ff.;
    H. Gombert, Unterss. z. Werk d. Meisters H. L., in: Das Münster 34, 1981, S. 17 ff.;
    B. Decker, in: Dürers Verwandlung in d. Skulptur zw. Renaissance u. Barock, Ausst.kat. Frankfurt, 1981, S. 279 ff.;
    ThB.

  • Autor/in

    Ingeborg Krummer-Schroth
  • Empfohlene Zitierweise

    Krummer-Schroth, Ingeborg, "Meister des Breisacher Hochaltars" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 709-710 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118580388.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA