Lebensdaten
nach 790 bis 861
Geburtsort
im Sülchgau (Württemberg)
Sterbeort
am Ort des heutigen Klosters Einsiedeln (Schweiz)
Beruf/Funktion
Einsiedler ; Heiliger ; Begründer von Einsiedeln
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118580221 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meginrat
  • Sankt Meinrad
  • Meinrad
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Meinrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118580221.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Wohl aus alemann. Adel. M.s nicht namentl. genannte Eltern standen in Verwandtschaftl. Beziehung zu Abt Erlebald v. d. Reichenau (823–38) u. hatten ihren Sitz im Sülchgau, in d. Gegend am oberen Neckar, wahrsch. zw. Rottenburg u. Tübingen. Die im 16. Jh. aufkommende Meinung, M. habe zu d. Ahnen d. Grafen v. Zollern od. Hohenzollern gehört, ist quellenmäßig nicht belegbar.

  • Leben

    Als Quelle für das in manchem historisch nicht mehr faßbare Leben M.s dient die älteste bekannte Lebensbeschreibung des Heiligen aus dem 10. Jh., die „Vita sive passio venerabilis heremitae Meginrati“. Sie wurde wohl nur wenige Jahrzehnte nach dem Tod des Einsiedlers von einem unbekannten Reichenauer Mönch aufgezeichnet und befindet sich heute in der Stiftsbibliothek St.Gallen. Vorlage für die vielen späteren Chroniken und gedruckten Lebensbeschreibungen M.s, in erster Linie des um 1450/60 vermutlich in Basel entstandenen sogenannten Blockbuchs, das in Bildfolge das Leben des Heiligen aufzeichnet, bildete dagegen die legendär stark ausgeschmückte „Biographie“ des Dominikanerfraters Georg von Gengenbach aus dem Jahre 1378. Nach dem Zeugnis der Vita wurde M. frühzeitig zur religiösen und geistigen Formung in die damals blühende Klosterschule auf der Insel Reichenau gebracht, in welcher ein Verwandter, Erlebald, Lehrer war. Unter Abt Hatto I. (806–23) empfing er mit 25 Jahren die Diakonats- und wenig später die Priesterweihe. Als Erlebald 823 Abt der Reichenau wurde, trat M. auf dessen Einwirken ins Kloster ein. Wenig später wurde er in ein zum Kloster Reichenau gehörendes Klösterchen am Zürichsee gesandt, um dort der Schule vorzustehen. Es ist anzunehmen, daß es sich um das 741 erstmals bezeugte Babinchova handelte, das wohl in der Nähe des heutigen Benken lag. Um 828 zog sich M. in eine Zelle auf dem Etzelpaß zurück, um dort als Einsiedler zu leben. Das Verlangen nach größerer Einsamkeit trieb ihn um 835 tiefer in den „Finstern Wald“, wo er, unterstützt von einer sonst nicht bekannten Äbtissin Heilwiga (möglicherweise die erste Äbtissin des Klosters Säckingen) und anderen frommen Männern eine feste Zelle errichtete. Ohne die Verbindungen zum Mutterkloster abzubrechen, lebte er dort 26 Jahre und soll am 21. Januar 861 von zwei Räubern erschlagen worden sein. Der Leichnam wurde nach der Reichenau überführt und dort beigesetzt. Zwar läßt sich sein Martyrium nicht mit letzter Sicherheit beweisen, doch bezeugen die Quellen unzweifelhaft, daß man M. von Anfang an als Heiligen verehrte. An der Stelle, an der hundert Jahre zuvor M. sein Eremitenleben geführt hatte, wurde um 934 das Kloster Einsiedeln gegründet. Nach Übertragung der Reliquien im Jahre 1039 (das Haupt ruht heute in der Lade des Hauptaltars in der Basilika) wurde M. unter die Patrone Einsiedelns aufgenommen.

  • Literatur

    ADB 21;
    Vita sive passio venerabilis heremitae Meginrati, ed. v. O. Holder-Egger, in: 15/1, S. 444-48 (auch in: O. Ringholz, s. u. S. 648-51;
    mit Übers. in: Sankt M. 1961, S. 26-41);
    O. Ringholz, Gesch. d. fürstl. Benediktinerstifts U. L. Frau v. Einsiedeln, seine Wallfahrt, Propsteien u. übrigen Besitzungen, I: Vom hl. M. b. z. J. 1526, 1904;
    R. Henggeler, Profeßbuch d. Fürstl. Benediktinerabtei U. L. Frau z. Einsiedeln, Festgabe z. tausendj. Bestand d. Klosters, 1933;
    Sankt M. z. elften Zentenarium s. Todes 861-1961, hrsg. v. Benediktinern d. Klosters Maria Einsiedeln, 1961;
    Das Blockbuch v. Sankt M. u. s. Mördern u. v. Ursprung v. Einsiedeln, farbige Faks.-Ausg., ed. v. L. Helbling, 1961;
    H. Keller, Kloster Einsiedeln im otton. Schwaben, 1964;
    LThK;
    Helvetia Sacra III/1, I, 1986, S. 520 f.

  • Autor/in

    Franz Xaver Bischof
  • Empfohlene Zitierweise

    Bischof, Franz Xaver, "Meinrad" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 680 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118580221.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Meinrad: St. M., Einsidler und Begründet der Zelle am Platze des Stiftes Einsideln, am 21. Januar 861. Meginrat — oder in weniger voller Form des Namens, M. — stammte nach seiner im 11. Jahrhundert verfaßten Lebensbeschreibung aus dem schwäbischen Sülichgau, der, zu beiden Seiten des oberen Neckar bei Rotenburg und Tübingen gelegen, nach dem alten Römerplatze Sülchen bei Rotenburg seinen Namen trug, kam dann zum Unterrichte nach Reichenau zu dem ihm verwandten Klosterlehrer — nachherigen Abte — Erlebald und trat auf dessen Antrieb als Mönch ein, wahrscheinlich bald nachdem Erlebald, 822, die Leitung des Klosters übernommen hatte. Dann nach einer Zelle des Klosters am obern Zürichsee — vielleicht Bollingen (oberhalb Rapperswil) — versetzt, soll er, statt dort Schule zu halten, dem Drange nach einem strengen religiösen Leben in einsamer Zurückgezogenheit nachgegeben haben und zuerst auf die Höhe des den See südlich überragenden Berges Etzel, dann noch tiefer in eine wilde Gebirgsgegend hinter diesem Berge, in den finstern Wald, der das Gebiet jenseits des Oberlaufes der Sihl füllte, gegangen sein: da habe er in|einer Zelle gewohnt und sei durch Räuber erschlagen worden. In anmuthiger Weise führt die kirchliche Sage aus, daß zwei von dem Einsidler gezähmte und aufgezogene Raben den Mördern nach Zürich nachflogen und da durch ihre deutliche Verzeigung die gerichtliche Bestrafung der Verbrecher ermöglichten. Das Kloster, welches an der Stelle der Zelle sich erhob, östlich über dem zur Sihl strömenden Alpbache, führt die fliegenden Raben in seinem Wappenbilde. Uebrigens ist dieses förmlich eingerichtete Gotteshaus erst im 10. Jahrhundert entstanden. Zwar sollen schon in dessen erster Hälfte von Straßburg her, zuerst durch Benno und hierauf durch Eberhard, Geistliche angesehener Abstammung, die ersten Versuche angestellt worden sein, in der verlassenen Zelle des im Geruche der Heiligkeit stehenden Einsidlers M. Mönche zu sammeln und eine regelrechte klösterliche Anstalt zu schassen. Doch erst 947, als Otto I. der Meginrateszelle und ihrem Vorsteher Eberhard Immunität und freie Abtwahl zusicherte, beginnt die urkundliche Geschichte. Aus der ältesten Vita (Acta Sanctorum, Januar, Bd. II, S. 382—385) ist infolge der Bedeutung Einsidelns als Wallfahrtsort seit dem 15. Jahrhundert eine ganze populär erbauliche Litteratur emporgewachsen (vgl. P. Gall Morel: Das Büchlein vom Anfange der Hofstatt zu den Einfideln und die Einsidlerchroniken vom 14. bis 19. Jahrhundert, im „Geschichtsfreund“ der fünf Orte, Bd. XIII, S. 154 ff.), und als letztes Hauptstück derselben kann des P. Karl Brandes Festschrift zum Millenarium von 1861 angesehen werden: „Leben und Wirken des heiligen M. für seine Zeit und für die Nachwelt“. Dieselbe ist dem Fürsten Karl Anton Meinrad von Hohenzollern-Sigmaringen gewidmet; denn nach einer nachweislich schon seit dem Ende des 16. Jahrhunderts sich forterbenden Tradition soll M. mit den Ahnen des Hauses Zollern blutsverwandt sein (vgl. L. Schmid: Der heilige M. in der Ahnenreihe des erlauchten Hauses Hohenzollern, Sigmaringen 1874).

  • Autor/in

    Meyer von Knonau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Meyer von Knonau, "Meinrad" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 238-239 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118580221.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA