Lebensdaten
1882 bis 1964
Geburtsort
Graz
Sterbeort
Graz
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118578529 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Marx, Joseph
  • Marx, J. M.
  • Marx, Josef
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Zitierweise

Marx, Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118578529.html [21.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph (1840–1910), Dr. med., Bez.arzt. kaiserl. Rat, S d. Gutsbes. Sebastian u. d. Maria Anna Walla;
    M Irene (1863–1915), T d. Albert Stiglich, Offz. u. Großgrundbes., u. d. Leokadia Strohuber aus Parma; ledig.

  • Leben

    Ersten musikalischen Unterricht erhielt M. bei seinen Eltern; frühe Kompositionsversuche fallen bereits in die Gymnasialzeit, in der er auch Klavier, Geige und Theorie studierte. 1909 beendete M. sein Studium der Philosophie und Musikwissenschaft an der Univ. Graz mit der Dissertation „Über die Funktion von Intervall, Harmonie und Melodie beim Erfassen von Tonkomplexen“. 1910-14 entstand ein Großteil seines umfangreichen Liedschaffens. Als künstlerischer Nachfolger von Hugo Wolf proklamiert, mit dem ihn eine innige Wesensverwandtschaft verband, konnte M. aber in diesen Jahren auch mit anderen musikalischen Gattungen beachtliche Erfolge erzielen, wie z. B. mit dem „Herbstchor an Pan“ (1911), dem „Klavierquartett in Form einer Rhapsodie“ (1911) oder dem „Pastorale für Cello und Klavier“ (1913/14). Sänger und Dirigenten – wie Leo Slezak, Elisabeth Schumann, Arthur Nikisch, Willem Mengelberg und Siegmund v. Hausegger – interpretierten seine vielfach für Orchesterbegleitung instrumentierten Lieder. 1914 wurde M. als Professor für Musiktheorie und Komposition an die Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien berufen. Seit 1922 leitete er die nunmehrige Wiener Musikakademie (seit 1924 Hochschule). Mit Beginn der 30er Jahre wandte sich M. auch großen Orchesterkompositionen zu und schuf herausragende Werke wie das „Romantische Klavierkonzert“ (1919/20), „Eine Herbstsymphonie“ (1920/21), „Castelli romani“ (1929/30) oder die Liedersinfonie „Verklärte Nacht“ (1930-32). Aber auch sein kammermusikalisches Schaffen nahm wieder zu. Als Theorielehrer blieb M. an der Wiener Musikhochschule bis 1952 im Amt, bis 1957 las er als Honorarprofessor für Musikwissenschaft an der Univ. Graz. Zu seinen bedeutendsten Schülern zählen Johann Nepomuk David, Jenö v. Takacs, Oswald Kabasta, Erich Opitz und Armin Kaufmann.

    M., der sich stets bewußt von den Vertretern der zweiten Wiener Schule, aber auch von Strawinsky, Bartók oder Hindemith distanzierte, ist am besten als Repräsentant des österr. musikalischen Jugendstils zu charakterisieren. Seine Lieder sind durch üppigen konzertanten Klaviersatz, Melodienfreudigkeit und spätromantische Farbgebung gekennzeichnet. In den Orchesterwerken treten in der polyphonen Arbeit Reger, im klassizistisch geführten Orchestersatz Brahms und im impressionistischen Stimmungsausdruck Debussy, aber auch Skrjabin deutlich zu Tage. Für die Kammermusik ist die Adaption des Liedstils kennzeichnend. Besonders bei den Streichquartetten zeigt sich Abgeklärtheit und ein deutlicher Hang zur Einfachheit. Im Bereich der Musiktheorie galt M.s besonderes Interesse der Erforschung von Gesetzmäßigkeiten der Tonalität, was im Rahmen seiner Lehrpraxis auch zur Herausgabe einer (traditionellen) Harmonie- bzw. Kontrapunktlehre führte. Von seiner schriftstellerischen Tätigkeit zeugen zahlreiche Essays und Kritiken für das Neue Wiener Journal (1931–38) und für die Wiener Zeitung (seit 1945)|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (Univ. Wien); Ehrenmitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss.; Gr. Österr. Staatspreis; J.-M.-Musikpreis d. Steiermärk. Landesregierung (seit 1947).

  • Werke

    Morgengesang (f. Männerchor, Blechbläser u. Orgel), 1910;
    Suite in F-Dur f. Violoncello u. Klavier, 1913/14;
    ca. 100 Lieder (z. T. auch f. Orchester instrumentiert) nach Gedichten v. Mörike, Eichendorff, Rückert, Rilke, Giraud, Mombert etc., darunter als Zyklen Ital. Liederbuch (P. Heyse), 1912, Lieder n. Dichtungen v. Anton Wildgans, 1916;
    Nordlands-Rhapsodie, 1928/29;
    3 Streichquartette, 1936-41;
    Alt-Wiener-Serenaden, 1941/42. – Klavierstücke u. unveröff. Orgelwerke. – Schrr.: Harmonielehre, 1934;
    Kontrapunkt-Lehre, 1935;
    Betrachtungen e. romant. Realisten (ges. Aufsätze, Vorträge, Reden u. Kritiken), 1947;
    Weltsprache Musik, 1964.

  • Literatur

    E. Descay, J. M., Leben u. Werk, o. J.;
    A. Liess, J. M., Leben u. Werk, 1943;
    E. Werba, J. M., Eine Studie, 1964 (W-Verz.);
    E. Schenk, in: Alm. d. Österr. Ak. d. Wiss. 116, 1966, S. 254-77 (P);
    Zum 100. Geb.tag v. J. M., Konzertabend u. Ausstellung Wien 1982 (P);
    Th. Leibnitz, Österr. Spätromantiker, 1986, S. 119-45;
    W. Suppan, Steier. Musiklex., 1962-66 (L);
    MGG VIII;
    The New Grove XI.

  • Autor/in

    Josef-Horst Lederer
  • Empfohlene Zitierweise

    Lederer, Josef-Horst, "Marx, Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 326-327 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118578529.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA