Lebensdaten
1910 bis 1983
Geburtsort
Prostken (Ostpreußen)
Sterbeort
Mainz
Beruf/Funktion
klassischer Philologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118577697 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Marg, Walter
  • Marg, Walter Otto Hugo

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Zitierweise

Marg, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118577697.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (1872–1914), Eisenbahnoberkassenvorsteher, zuletzt in Königsberg;
    M Hedwig Trettin (1875–1945);
    Burg/Dithmarschen 1939 Inge (1911–74), T d. Rechtsanwalts u. Notars Niels Schmidt (1871–1962) in Burg u. d. Marie Luise Tams;
    4 S, 2 T.

  • Leben

    Nach der Absolvierung des Kneiphof-Gymnasiums in Königsberg 1929 ließ sich M., der ursprünglich Architekt werden wollte, von Richard Harder für die Klassische Philologie gewinnen und studierte an den Universitäten Königsberg, Freiburg i. Br. und Kiel. 1935 promovierte er bei Harder in Kiel mit der Arbeit „Der Charakter in der Sprache der frühgriech. Dichtung“ (1938, 21967), die sich u. a. gegen Bruno Snells überspitzte These richtet, Homer habe den Menschen noch nicht als personale Einheit erfaßt, und demgegenüber geltend macht, daß Geistesgeschichte sich nicht auf Wortuntersuchungen beschränken dürfe. 1938 übernahm M. von Harder die Redaktion des „Gnomon“, der „Kritischen Zeitschrift für die gesamte Altertumswissenschaft“, die er bis 1965 leitete und mit der er, nicht zuletzt durch sein sicheres Urteil bei der Rezensentenauswahl, internationale Maßstäbe setzte. Er habilitierte sich 1942 in Kiel während eines Wehrmachturlaubs mit der kritischen Edition und Übersetzung des pseudopythagoreischen „Timaeus Locrus, De natura mundi et animae“ (erschienen 1972) und lehrte dort nach dem Krieg als Dozent, bis er 1953 einem Ruf an die Univ. Mainz folgte. Hier wirkte M. als Ordinarius für Gräzistik bis zu seiner Emeritierung 1975, hatte entscheidenden Anteil am Aufbau des Seminars für Klass. Philologie und war 1958/59 Dekan, 1961/62 Prorektor.

    M. hat vor allem in der Doppelrolle des Interpreten und des Übersetzers Bedeutendes geleistet. Als Interpret war er nicht so sehr an systematischen oder historischen Fragen interessiert als daran, in den antiken Texten (Homer, Semonides, Hesiod, Herodot, Ovid) Grundmuster menschlichen Denkens und Handelns gespiegelt zu finden. So zeigte er etwa in „Kampf und Tod in der Ilias“ (1942), wie der Dichter den Kampf – als Paradigma des Lebens – eigentümlich unpathetisch darstellt und den Tod als Bedingung menschlicher Existenz bewußt macht, und analysierte das Phänomen der trügerischen „ ‚Selbstsicherheit' bei Herodot“ (1953). Da er auch in der Bereitstellung guter deutscher Übersetzungen eine wichtige philologische Aufgabe sah, entstanden u. a. eine repräsentative Auswahl „Griech. Lyrik“ (1964) in eigenen und fremden Übertragungen, eine mit ausführlichen Erläuterungen verbundene Gesamtübersetzung des „Hesiod“ (1970), deren unverkrampfter Text erstmals einem breiteren Publikum den Zugang zu diesem schwierigen Autor eröffnete, und schließlich, philologische Zuverlässigkeit und künstlerische Ausdruckskraft meisterhaft vereinend, die Übersetzung des „Herodot“ (1. Bd. 1973; 2. Bd., bearbeitet und vollendet v. G. Strasburger, 1983). Der Schwäche seiner Augen zum Trotz, die ihm in den letzten Jahren jedes Lesen unmöglich machte, nahm es M. gerade bei den Einzelheiten immer sehr genau. Interesse am Detail, an der Nuance machte seine besondere Stärke sowohl als Interpret wie als Übersetzer aus.

  • Werke

    Weitere W Herodot üb. d. Folgen v. Salamis, 1953 (wieder in: Herodot, Eine Ausw. aus d. neueren Forschung, hrsg. v. W. M., 1962, 31981);
    Ovid, Liebesgedichte, lat. u. dt., 1956, 61984 (mit R. Harder);
    Das erste Lied d. Demodokos, in: Navicula Chiloniensis (Festschr. f. F. Jacoby), 1956;
    Homer üb. d. Dichtung, 1957, 21971;
    Zur Behandlung d. Augustus in d. „Tristien“, in: Atti del convegno internazionale Ovidiano 2, 1959;
    Zur Eigenart d. Odyssee,|in: Antike u. Abendland 18, 1973; W-Verz.
    in: Gnomosyne, Festschr. f. W. M., 1981, S. 319-24 (P).

  • Literatur

    G. Luck, in: Gnomon 56, 1984, S. 669-71 (P);
    G. Kurz, G. Luck u. W. Nicolai, Reden b. d. Akadem. Trauerfeier d. Fachbereichs 15 d. Univ. Mainz, 1985 (P).

  • Autor/in

    Walter Nicolai
  • Empfohlene Zitierweise

    Nicolai, Walter, "Marg, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 151 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118577697.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA