Lebensdaten
1889 bis 1941
Geburtsort
Pirna
Sterbeort
bei Leningrad
Beruf/Funktion
Philosoph
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118573403 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lipps, Hans

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Zitierweise

Lipps, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118573403.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich ( 1889/90), Fabrikdir., S e. Brau-Ing. in Franken;
    M Johanna, T d. Oberamtsrichters Coith in Franken;
    B Richard (1857–1926), Maler (s. ThB);
    - Berlin 1923 Christine (1888–1932), T d. Berthold Masing (1849–1911), Werftdir. in Uebigau b. Dresden (s. BJ 16, Tl.), u. d. Martha Fricke;
    2 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Kreuzschule in Dresden (1900–09) versuchte sich der vielseitig begabte L. auf verschiedenen Studiengebieten (Kunstgeschichte, Ästhetik, Philosophie, Architektur) an der Universität und der Technischen Hochschule München, ohne sich entscheiden zu können. 1910/11 leistete er seinen Militärdienst in Dresden ab, während dessen er an der dortigen Fachhochschule Philosophie belegte. Im Sommersemester 1911 ging er an die Univ. Göttingen wo er im Kreise um Edmund Husserl und Adolf Reinach nachhaltig von der Phänomenologie beeinflußt wurde. Seine ausgeprägten naturwissenschaftlichen Interessen ließen ihn zugleich das Studium der Biologie aufnehmen, das er 1912 mit einer experimentellen Arbeit „Über Strukturänderungen von Pflanzen in geändertem Medium“ abschloß. Danach studierte er Medizin, diente während des 1. Weltkriegs als Feld-, später als Bataillonsarzt und legte nach Kriegsende 1918 das medizinische Staatsexamen ab. 1921 wurde er mit „Pharmakologischen Untersuchungen in der Colchicinreihe II“ zum Dr. med. promoviert. Kurz darauf habilitierte er sich in Göttingen mit „Untersuchungen zur Philosophie der Mathematik“ für das Fach Philosophie. Während er seine medizinische Tätigkeit in den Semesterferien als Schiffsarzt fortsetzte, widmete er sich als Privatdozent (seit 1928 als ao. Professor in Göttingen, seit 1935 als Ordinarius für Philosophie in Frankfurt) vornehmlich logischen Untersuchungen auf phänomenologischer Basis, aus denen seine beiden Hauptwerke hervorgingen: „Untersuchungen zur Phänomenologie der Erkenntnis“ (2 Bde., 1927 f.; Werke I, 1976) und „Untersuchungen zu einer hermeneutischen Logik“ (1938; Werke II, 1976). Der Einfluß der Lebensphilosophie Diltheys, die in Göttingen durch G. Misch und H. Nohl wirksam geblieben war, sowie der Einfluß von Heideggers „Sein und Zeit“ (1927) führten L. zu einer eigentümlichen Fortbildung der Existenzphilosophie, die er in seinem letzten Werk zum Ausdruck brachte: „Die menschliche Natur“ (1941; Werke III, 1977). Philosophie wird als Auslegung der vorwissenschaftlichen Lebens- und Wirklichkeitserfahrung begriffen. Einerseits werden dadurch die konstitutiven Bedingungen jeder einzelwissenschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit einer prinzipiellen Reflexion unterzogen, andererseits werden die konstitutiven Bedingungen als eine ursprüngliche Auslegung des Subjekts selbst verstanden. So wird verständlich, daß L. seine hermeneutische Logik auch als eine Interpretation der Transzendentalphilosophie bezeichnen konnte. Seine Vorträge und Aufsätze wurden postum in zwei Bänden ediert, die die logisch-erkenntnistheoretischen und die existenzphilosophischen Hauptwerke ergänzen: „Die Verbindlichkeit der Sprache“ (1944; Werke IV, 1977) und „Die Wirklichkeit des Menschen“ (1954, Werke V, 1977). Die Fragestellung der „hermeneutischen Logik“ wurde vor allem durch O. F. Bollnow aufgegriffen und weiterentwickelt. – 1939 wurde er als Stabsarzt zur Wehrmacht eingezogen, nahm an den Feldzügen in Frankreich und Rußland teil und fiel als Regimentsarzt.

  • Literatur

    E. v. Busse, Nachwort, in: H. L., Die Wirklichkeit d. Menschen, 1954, S. 206-19;
    L. Landgrebe, Das Problem d. urspr. Erfahrung im Werke v. H. L., in: Phil. Rdsch. 4, 1956/57, S. 166-82;
    E. Scheiffele, Der Begriff d. hermeneut. Logik b. H. L., Diss. Tübingen 1971;
    O. F. Bollnow, Zur hermeneut. Logik v. Georg Misch u. H. L., 1983;
    Ziegenfuß. - W-Verz.:
    O. F. Bollnow, Dt. Existenzphilos., 1953, S. 21-23.

  • Autor/in

    Wolfhart Henckmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Henckmann, Wolfhart, "Lipps, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 669 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118573403.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA